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    Main-Spessart

    Bei Treffen mit FfF-Aktivisten: MSP-Landratskandidaten stritten über B26n

    Bei der Main-Post-Tour mit dem Oldtimerbus wollten in Marktheidenfeld vier Aktivisten von "Fridays for Future" Antworten von den Landratskandidaten zum Klimawandel.
    Bei der Main-Post-Tour mit den Landratskandidaten im Oldtimerbus durch Main-Spessart sind diese in Marktheidenfeld auf vier Aktive der Fridays for Future-Bewegung getroffen – (von links) Lysander Pleier, Leon Bätz, Charlotte Lauter und Jana Schönfeld.
    Bei der Main-Post-Tour mit den Landratskandidaten im Oldtimerbus durch Main-Spessart sind diese in Marktheidenfeld auf vier Aktive der Fridays for Future-Bewegung getroffen – (von links) Lysander Pleier, Leon Bätz, Charlotte Lauter und Jana Schönfeld. Foto: Roland Pleier

    Vier junge Aktivisten der Bewegung "Fridays for Future" haben am Samstag ihre Anliegen den fünf Landratskandidaten vorgetragen und diesen Aussagen dazu entlockt. Die beiden Gruppen trafen bei der Main-Post-Tour im Oldtimerbus durch den Landkreis Main-Spessart in der Main-Post-Redaktion in Marktheidenfeld aufeinander. Vor allem beim Thema B26n und bei der Haltung zur Klimabewegung unterschieden sich die Kandidaten.

    Das Fazit des Treffens aus Sicht der Aktivisten: Ihre Bewegung habe auch bei den Landratskandidaten das Bewusstsein für das Thema Klimawandel offenbar geschärft. Die Kandidaten sagten etwa alle, die Flächenversiegelung sowie die Anzahl der Autos sei zu verringern und bis 2035 wollten sie einen energieautarken Landkreis. "Man merkt aber schon, wer tatsächlich dahinter steht", fand die 17-jährige Charlotte Lauter aus Lohr.

    "Rumstehen und nichts machen bringt uns nicht weiter."
    Fridays-for-Future-Aktivistin Charlotte Lauter aus Lohr

    Neben Lauter kamen für "Fridays for Future" Jana Schönfeld (17, Wüstenzell), Leon Bätz (19, Waldzell) und Lysander Pleier (16, Neustadt) nach Marktheidenfeld. "Man liest viel vom Klimawandel, aber irgendwie passiert nichts", kritisierte Charlotte Lauter und machte Ignoranz bei dem Thema aus. "Rumstehen und nichts machen bringt uns nicht weiter." Leon Bätz forderte, dass die Politik die Rahmenbedingungen und Strukturen schafft, um das Problem anzugehen. Es bringe nichts, wenn jeder einmal die Woche sein Auto stehen lasse.

    Kandidat Hubert Fröhlich unterstützt "Fridays for Future" nicht

    Die Redakteure entlockten den Kandidaten, dass bisher Christian Baier (Grüne) und Hubert Fröhlich (FDP) schon auf "Fridays for Future"-Demos waren. Allerdings gestand Fröhlich als einziger, dass er die Bewegung nicht für unterstützenswert hält, weil die Aktivisten ja auch außerhalb der Schulzeit demonstrieren könnten. Vegetarier ist keiner, ein Elektroauto hat niemand (immerhin überlegt Sabine Sitter, CSU, sich eines zuzulegen) und zuletzt sind alle mit dem Auto in den Urlaub gefahren – außer der Grüne Baier, der geflogen ist.

    Die Landratskandidaten (rechts) diskutieren mit Vertretern der 'Fridays for Future'-Bewegung.
    Die Landratskandidaten (rechts) diskutieren mit Vertretern der "Fridays for Future"-Bewegung. Foto: Joachim Spies

    Was denn konkrete Ideen wären, um einen energieautarken Landkreis bis 2035 zu erreichen, wollte Leon Bätz wissen. Kandidatin Sabine Sitter sprach sich für Photovoltaik auf den Landkreisgebäuden und Carsharing als Ergänzung zum ÖPNV aus. Kandidat Baier ist der Meinung, der Landkreis könne "als Vorbild fungieren", was die Nutzung von Solarenergie auf Dächern angeht. Christoph Vogel, Kandidat der Freien Wähler, würde aufs Energiesparen und auf energetische Sanierung setzen, da es mit Windkraft und Photovoltaik immer schwieriger werde. Pamela Nembach (SPD) würde das Solarkataster bekannter machen und Hubert Fröhlich eher die Frage der Entsorgung ausgedienter Photovoltaik-Anlagen voranbringen.

    Wie kann die Zahl der Autos auf Main-Spessarts Straßen reduziert werden?

    Alle Kandidaten finden, dass die Zahl der Kraftfahrzeuge auf den Straßen im Landkreis verringert werden muss. Vogel und Nembach setzen auf das Carsharing – zumindest für den Zweitwagen, schränkt Nembach ein. "Auf das Erstauto zu verzichten wird in einem Flächenlandkreis wie Main-Spessart nicht zu realisieren sein", glaubt sie. Und Christian Baier sagte zum Thema Carsharing: "Der Landkreis kann's fördern, aber nicht selbst betreiben." Wege, über den ÖPNV mehr Leute in Bus und Zug zu bringen, würden vermutlich teuer, befürchtet der Grünen-Kandidat. Außerdem seien die psychologischen Hürden bei vielen Menschen, den ÖPNV zu nutzen, hoch. "Es wird eine Zeit brauchen, bis sich in den Köpfen etwas ändert."

    Über das Thema Flächenversiegelung (Sitter: Reaktivierung von Ortskernen, Nembach: Renaturierung versiegelter Flächen) kam die Runde zur B26n. Nur der Grünen-Kandidat Baier sprach sich gegen die Straße aus. Entscheidungen, so Baier, werden oft aus dem Zeitgeist heraus gefällt, etwa die Begradigung von Flüssen in den 60ern. "Die Entlastung wäre sofort da, wenn es ein Nachtfahrverbot für Lkw gäbe", glaubt er. Außerdem würden Autos auch leiser, Orte deshalb in Zukunft auch nicht mehr so durch Verkehrslärm beeinträchtigt.

    Die meisten Landratskandidaten sind für die B26n

    Pamela Nembach sagte, dass sie auch lieber Wiese als die B26n wolle. Aber: "Viele sehen nur die Wiese, ich sehe auch die Menschen, die um die Wiese herum wohnen." Die müssten auf die Arbeit kommen, und Firmen ihre Waren schnell transportieren können. "Was wäre sonst die Lösung für die Leute aus dem Werntal und Steinbach?", fragte Christoph Vogel. Ein Kompromiss sei nötig, so sei die Trassenführung noch nicht in Stein gemeißelt. Bereits bei der Station in Karlstadt hatte sich Hubert Fröhlich klar für die B26n ausgesprochen.

    "Macht das, was die Wissenschaft sagt."
    Fridays-for-Future-Aktivist Leon Bätz aus Waldzell

    Aktivist Leon Bätz sah darin einen Widerspruch, dass sich alle gegen mehr Flächenversiegelung, aber fast alle für die B26n aussprachen. Pamela Nembach hielt ihm entgegen: "Unsere Gemeinden leiden massiv unter dem Verkehr." Einen ÖPNV für die Bedürfnisse aller könnten wir uns nicht leisten.

    Kandidat Vogel fand, die "Fridays for Future" schärften das Bewusstsein für das Problem. Auf seine Frage, was denn konkrete Vorschläge der Bewegung wären, sagte Charlotte Lauter: "Fridays for Future hat keine Vorschläge, die Politik hat sie schon auf dem Tisch liegen." Leon Bätz zitierte Greta Thunberg: "Macht das, was die Wissenschaft sagt."

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