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    Gemünden

    Biker aus Main-Spessart zu Unrecht beschuldigt und bedroht

    Das Amtsgericht in Gemünden. Foto: Michael Mahr

    Seine Wut und Enttäuschung am Falschen ausgelassen hatte ein 23-jähriger Student aus Baden-Württemberg, als er den Vor-Vorbesitzer eines vom ihm gekauften Motorrads ungerechtfertigt beleidigte und bedrohte. Das brachte ihm eine Anklage wegen versuchter Nötigung und vorsätzlicher räuberischer Erpressung sowie versuchter Verleumdung vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Gemünden ein.

    Über eine Internet-Plattform wollte sich der Student einen langgehegten Traum erfüllen und sich ein flottes Motorrad, "das zu mir passt", kaufen. Das war dann eine 1000-er BMW, angeboten von einem Mann aus Nürnberg. Mit Nebenjobs hatte sich der Student das Geld dafür zusammen gespart: 12 500 Euro. Im Verkaufsgespräch betonte der Verkäufer, dass er die Maschine für seinen Sohn verkaufe und selbst keine Ahnung von Motorrädern habe. Abgeholt wurde das Krad von zwei Freunden des Studenten.

    Das böse Erwachen kam dann am nächsten Tag, als der neue Besitzer sein Traumfahrzeug näher betrachtete. Eine Reihe verdeckter und offener Mängel wurden sichtbar. Einige davon sogar, die die Verkehrssicherheit der Maschine beeinträchtigten. Enttäuscht und erbost nahm er Kontakt zum Verkäufer auf, der sich weiterhin ahnungslos gab und auf den Vorbesitzer aus dem Kreis Main-Spessart verwies. "Da sind wir beide einem Betrüger aufgesessen", stachelte er den Studenten noch an, in beider Namen gegen den Mann vorzugehen.

    Besuch der Hell Angels angekündigt

    Das tat der Student dann auch, nur in unangebrachter Art und Weise. In einigen Telefonaten und auch per WhatsApp ließ er seinem Ärger freien Lauf. Dem 42-jährigen Mann aus dem Landkreis drohte er mal mit einem Besuch durch die Hell Angels, mal mit "300 Mann, die auftauchen werden". Außerdem warnte er Dritte "vor dem Betrüger".

    Bei einer Biker-Gruppe aus seiner Region holte er sich Rat zum weiteren Vorgehen. Zwei Tage nach der Drohung standen dann auch zwei Mitglieder der Gruppierung im Hof des Vor-Vorbesitzers. "Ich habe vor den beiden Männern Angst gekriegt", sagte die Mutter des 42-Jährigen aus. Nicht ganz wohl war auch ihrem Sohn. Allerdings verlief die Unterhaltung in geordneten Bahnen und brachte dem offensichtlich betrogenen Studenten auch wichtige Informationen.

    Im Oktober 2016 hat der Main-Spessarter das Motorrad an den Nürnberger verkauft. Im Kaufvertrag war vermerkt, dass die Maschine zunächst bei BMW und später bei ihm im Renneinsatz gefahren ist und auch Stürze und Ausflüge ins Kiesbett neben der Rennstrecke hinter sich hat und daher auch entsprechende Schäden aufweist.

    Weiterverkäufer hatte bekannte Schäden nicht aufgeführt

    Seltsamerweise sind diese aber nicht in der zweiten Ausfertigung des Kaufvertrages, die der Käufer mitnahm und später auch dem Studenten vorgelegt hat, aufgeführt. Auch in der Online-Annonce des Nürnbergers, der sich am Vortag der Verhandlung bei Gericht krank gemeldet hat und daher nicht als Zeuge zur Verfügung stand, waren weder Renneinsatz noch Mängel aufgeführt.

    Dass dem Studenten wohl von dem Nürnberger übel mitgespielt worden war, sahen alle Prozessbeteiligten ein. Jedoch fand seine Reaktion keinerlei Zustimmung. Da sein Mandant bereits einen erheblichen finanziellen Schaden erlitten hat, regte der Verteidiger eine Einstellung des Verfahrens gegen Auflagen an. Dem schloss sich auch der Staatsanwalt und schließlich auch das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Strafrichterin Katrin Heiduck an.

    Sie betonte, dass der Tatnachweis der Nötigung nur schwer zu führen sei, weil entsprechende Zeugen nicht zur Verfügung stehen. Sie stellte schließlich das Verfahren vorläufig gegen die Zahlung von 2000 Euro an den Vor-Vorbesitzer als Schadenswiedergutmachung ein. Wegen der Schäden am Motorrad kann der Student nur in einem Zivilprozess gegen den Nürnberger Händler vorgehen.

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