• aktualisiert:

    Lohr

    Bilderflut über die weltweite Bilderflut

    Veranstalter Richard Winter und Regisseur Martin Baer (vorne von links) diskutierten mit den Zuschauern über den "Illegalen Film". Foto: Thomas Josef Möhler

    Mit Besuchern des Stattkinos im Mehlingskeller hat der Berliner Regisseur Martin Baer am Mittwoch über sein Werk "Der illegale Film" diskutiert. Darin geht es um die Bilderflut, ausgelöst durch aktuell rund 45 Milliarden Kameras weltweit, mit denen jeden Tag mehr Fotos gemacht werden als im gesamten 20. Jahrhundert.

    Nach Angaben von Stattkino-Betreiber Richard Winter war Baer der erste Regisseur, der sich für das geplante Filmwochenende angemeldet hat – und einer von ganz wenigen. Das Wochenende sei deshalb abgesagt worden. "Da haben wir uns gedacht, wir können zwar kein Filmfest machen, aber einen Abend mit einem Regisseur zum Anfassen."

    Er habe spontan zugesagt, so Baer, "weil ich es großartig finde, dass Richard und Renate Winter so etwas machen. Es ist wichtig für Filmemacher, dass es Orte gibt, an denen solche Filme gezeigt werden." Filme zusammen zu schauen, sei immer besser. Der Film sei ungewöhnlich, weil er die Zuschauer womöglich mit mehr Fragen entlasse, als sie zuvor gehabt hätten.

    80 Minuten lang

    Baers 80-Minuten-Streifen über die Bilderflut ist selbst eine Flut von geschickt aneinander montierten Bildern und Filmschnipseln. Nur bei privaten Urhebern hat Baers Team wegen der Verwendung nachgefragt, bei anderen nicht – daher der Titel "Der illegale Film".

    Allerdings werden alle Urheber in einem ellenlangen Abspann namentlich aufgeführt, was Richard Winter mit der Bemerkung kommentierte: "Das ist der längste Quellennachweis, den ich je gesehen habe." Ob der Film wirklich illegal sei, "können sie noch schlafen?", wollte Erno Hirvelä wissen.

    Streng genommen dürften ohne Rechte die Bilder und Filmschnipsel nicht gezeigt werden, erwiderte der Regisseur. "Der Titel ist kein Witz. Allerdings haben wir eine Collage oder Kompilation gemacht und nichts 1:1 abgekupfert." Es müsse nach seiner Auffassung möglich sein, "über die Welt und die Bilder zu sprechen, ohne dafür zu bezahlen". Sonst könnten sich nur noch die Wohlhabenden äußern.

    Rund fünf Jahre Arbeit

    Richard Winter fand es gut, dass Baer nicht sofort mit der explodierenden Bilderflut in den Film eingestiegen ist, sondern sozusagen "in der Steinzeit", in der Bilder an Höhlenwände gemalt worden seien, und die Geschichte der Fotografie beleuchtet habe. Wie lange der Regisseur an dem Film gearbeitet habe, wollte er wissen. "Das hat schon ganz schön lang gedauert", antwortete Baer – alles in allem rund fünf Jahre. Im Film wolle er über den "Ozean an Bildern erzählen, in dem wir schwimmen". Die Welt verwandle sich in ein Abbild ihrer selbst: "Erinnert man sich an das, was man gesehen hat, oder nur noch an die Bilder davon?«

    Am 11. September gibt es das zweite und letzte "Mittwoch-Spezial mit Filmemacher" des Lohrer Stattkinos. Um 18 Uhr und um 20 Uhr wird dann in Anwesenheit von Regisseur Hussen Ibraheem das Werk "Sweet Discomfort of Missed Connections" als Original mit Untertiteln gezeigt.

    Bearbeitet von Thomas Josef Möhler

    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!