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    Lohr

    Blick auf unterschiedliche Konfessionen

    In einem kurzweiligen Vortrag präsentierte Pfarrer Sven Johannsen am Montagabend die Entstehung und Teilung der christlichen Weltkirche. Foto: Simon Hörnig

    »Wer sich in der Stadtpfarrkirche am Sonntagmorgen umschaut, der sieht da manchmal ziemlich exotische Gesichter«, erläuterte Pfarrer Sven Johannsen am Montagabend den ursprünglichen Beweggrund für seine Vortragsreihe zu den Konfessionen des Christentums. Früher sei man in Lohr die Einteilung in römisch-katholisch, evangelisch und konfessionslos gewohnt gewesen, mittlerweile habe sich das Spektrum durch die Geflüchteten jedoch enorm erweitert.

    Syrisch-katholisch, syrisch-orthodox, armenische Christen, äthiopische Tewahedo-Christen, äthiopisch-katholische Christen, indische Syro-Malabaren, und bulgarisch-orthodox sind da nur einige innerhalb des bunten Potpourris verschiedenartiger Bekenntnisse, die die Lohrer Gotteshäuser jetzt unter einem Dach beherbergen.

    Dem Leitsatz der Ökumene und gleichzeitigem Veranstaltungstitel »Ut omnes unum sint«, dass also alle eins seien, kommt dieser Zweckverbund damit schon erstaunlich nahe. Für Johannsen kein Wunder, denn: "Wir wollen die Einheit, weil Einheit das ist, was bei Jesus war." Diesen zitiert der Evangelist Johannes auch mit den Worten: "Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast." Im Glaubensverständnis sei Einheit damit etwas, das alleine von Gott komme, so Johannsen.

    Weg zur Dreiteilung

    Dem Menschen sei es wiederum sehr wohl gegeben, diese Einheit zu zerstören. "Wir haben sie kaputtgemacht", bestätigte Johannsen den 36 Zuhörern im Pfarrheim St. Michael und machte dies an zwei historischen Ereignissen fest, die zu der heutigen Dreiteilung der christlichen Weltkirche geführt haben: Das "Morgenländische Schisma" im Jahre 1054, als sich der Delegat Papst Leos IX. und Patriarch Michael I. von Konstantinopel nach gescheiterten Unionsverhandlungen gegenseitig exkommunizierten und Luthers Thesenanschlag an der Schlosskirche zu Wittenberg im Jahre 1517. Seit diesen "klassischen Brüchen" habe man die 2drei großen Familien": die römisch-katholische Kirche, die Ostkirche und die Kirche der Reformation.

    Dass die Einheit in Gott trotz allen Spannungen und Konflikte auch in dieser Vielfältigkeit bewahrt werden könne, veranschaulichte Johannsen am geschichtlichen Diskurs der Urkirche. So stammten wie Jesus die ersten Christen aus dem Judentum, was mit zunehmender Verbreitung des jungen Glaubens die Frage aufwarf, ob diese Verbindung verpflichtend oder auch eine Öffnung für "Heidenchristen" möglich sein sollte. Ein Konflikt, den erst das Apostelkonzil um Paulus zu lösen vermochte und dem Christentum damit den Fortbestand ermöglichte.

    Wie sich die Eigenheiten heutiger Konfessionen darstellen, werden die kommenden fünf Veranstaltungen beleuchten.

    Den Anfang macht am Montag, 18. November, ein Vortrag über die orthodoxen und altorientalischen Kirchen.

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