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    Brücken in eine bessere Zeit

    Benannt war die Strecke nach Ludwig I., aber der König war bei ihrem Bau nicht mehr im Amt. Er hielt sich häufig in Aschaffenburg auf und dürfte sich wohl auch nach seiner Abdankung 1848 für den Fortschritt der Bauarbeiten interessiert haben.

    Vom Beschluss des Gesetzes über den "Bau einer Eisenbahnlinie von Bamberg über Würzburg nach Aschaffenburg an die Landesgrenze" bis zum 1. Oktober 1854, an dem der erste Zug die neue Strecke befuhr, vergingen über acht Jahre. Als die Pläne bekannt wurden, war es zu heftigen Protesten gekommen. Vor allem die Besitzer der Grundstücke in der Nachbarschaft der Strecke befürchteten, die giftigen Rauchschwaden der Dampflokomotiven würden die Böden verderben und die Ernten zunichte machen. Aber als dann die Grundstücksverhandlungen begannen, zeigten sich viele bäuerliche Grundeigentümer ganz froh, ihre ohnehin recht kargen Flächen für gutes Geld an die Eisenbahn verkaufen zu können.

    Für die damalige Zeit waren die technischen Probleme bei der Überquerung des Spessarts enorm. Es galt tiefe Täler zu überwinden. Dazu waren die Viadukte notwendig. Den Schwarzkopf zwischen Heigenbrücken und Hain konnte man nicht umgehen. Also wurde der 926 Meter lange Schwarzkopftunnel gebaut, der damals als technische Meisterleistung galt.

    Ein anderes Problem stellte die Steigung zwischen Laufach und dem Tunnel dar, die auf etwa fünfeinhalb Kilometern mehr als 100 Meter betrug. Das war bergauf nur mit Hilfe von zusätzlichen Lokomotiven zu bewältigen. Bei schweren Güterzügen waren bis zu vier Schublokomotiven erforderlich. Für die Fahrten talabwärts stiegen in Heigenbrücken Bremser in die Bremserhäuschen der einzelnen Wagen. Erst nach der Elektrifizierung der Strecke 1957/58 konnte auf die Schublokomotiven - wenigstens für Personenzüge - verzichtet werden.

    Auch wenn es noch fast hundert Jahre dauerte, bis die Bewohner der Spessartgemeinden mit den verbesserten Straßenverbindungen Anschluss an den allgemeinen Lebensstandard fanden - der Bahnbau war ein erster Schritt in diese Richtung, denn er ermöglichte es den Menschen, als Pendler Arbeit und Einkommen in den Städten am Main oder im Rhein-Main-Ballungszentrum zu finden. Die sprichwörtliche "Not im Spessart" war mit dem Eisenbahnbau zwar noch nicht behoben, wurde aber - wenigstens in den Dörfern, die in der Nähe der Strecke lagen - doch spürbar gelindert.

    Von unserem Redaktionsmitglied Karl Anderlohr

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