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    Erlenbach

    Bürger schlagen Alarm: Trocknet der Erlenbach bald aus?

    Liegt es am Zementwerk? An den Tiefenthalern und Erlenbachern selbst? Am Klimawandel? Fakt ist: Der Erlenbach führt immer weniger Wasser. Anlieger sorgen sich um Fische.
    Hinter den Häusern der äußeren Gartenstraße ist aus dem ehemals stetig fließenden Erlenbach ein schmales Rinnsal geworden. Forellen gibt es dort keine mehr. Foto: Dorothea Fischer

    Seit zwei Jahren schon beobachtet Herbert Liebler aus Erlenbach, dass der gleichnamige Bach immer weniger Wasser führt. Das Gewässer entspringt einer Quelle in der Ochsenwiese, führt an seinem Grundstück vorbei und mündet, gespeist von mehreren kleinen Zuläufen, in Marktheidenfeld in den Main.

    Jüngst war die Situation in zwei Nächten besonders dramatisch: Im Bachbett, etwa 350 Meter nach der Brunnenstube, standen nur noch vereinzelt Pfützen, beschrieb Liebler. Deshalb bargen Tochter Elke Liebler und deren Familie rund 60 Fische, überwiegend Forellen. Die Tiere setzten Lieblers auf Höhe des Unzbergs, wo der Wasserstand höher war, zurück in den Erlenbach.

    Anlieger Herbert Liebler zeigt auf die Stelle am Spielplatz, wo kaum noch Wasser im Bachbett fließt. Wegen der großen Menge Kies, die dort liegt, können seiner Meinung nach keine Forellen mehr dort schwimmen. Foto: Dorothea Fischer

    In der Gemeinderatssitzung vergangene Woche informierte Bürgermeister Georg Neubauer, dass er – ebenso wie Brigitte Liebler (CSU), von Bürgern auf die prekäre Situation angesprochen wurde.  Der Bachlauf sei vor allem im Bereich zwischen der Quelle und dem Brückentor sehr trocken, so Neubauer. "Da darf man sich nichts vormachen", so Helmut Hauptmann, Rat der Fraktion FWG-SPD, "wir hatten einen trockenen Winter und einen trockenen Sommer."

    Wasserspiegel sinken in ganz Unterfranken 

    Herbert Walter, Leiter des Wasserwirtschaftsamts in Aschaffenburg, teilte auf Anfrage mit, dass seiner Ansicht nach die Trockenheit die entscheidende Ursache darstellt. Dies stimme mit der Einschätzung der unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Main-Spessart überein. Sämtliche Gewässer in Unterfranken seien aufgrund geringen Regens in den vergangenen Jahren auf einem niedrigen Niveau.

    "Das Zementwerk in Lengfurt hat unseres Erachtens keinen maßgeblichen Einfluss auf den Abfluss im Erlenbach."
    Herbert Walter, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Aschaffenburg

    "Die aktuellen Niederschläge führen nur zu einer kurzen Erhöhung der Abflüsse", so Walter. Nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) lag in den Jahren von 2011 bis 2018 der Jahresniederschlag nur einmal über dem langjährigen Mittelwert, fünf Jahre deutlich darunter. Weil auch die Neubildung von Grundwasser häufig unter dem Durchschnitt bleibe, seien dessen Stände ebenfalls sehr niedrig. "Dies hat zur Folge, dass nur in geringem Umfang ein Zufluss von Grundwasser in die Gewässer erfolgt", sagte der Behördenleiter.

    Was das Zementwerk festgestellt hat

    Im Rahmen einer Überwachungspflicht betreibt das Lengfurter Zementwerk eine Messanlage im Erlenbach und erfasst regelmäßig die abgeleiteten Wassermengen. "Unsere Beobachtung ist, dass die abgeleitete Wassermenge sich schon im letzten Jahr immer weiter reduziert hat. Dieser Trend setzt sich auch im Jahr 2019 fort", teilte Werksleiter Michael Becker mit.

    Elke und Herbert Liebler vermuten, dass der Wasserschwund nicht ausschließlich an der Trockenheit liegen könne. Ob das Versiegen der Quelle mit den Abbauarbeiten von HeidelbergCement zu tun hat?, fragte Brigitte Liebler. Becker betonte, dass der Abbau des Steinbruchs entsprechend der Genehmigungen erfolge. Diese sieht eine Abbausohle auf gleichbleibendem Niveau vor. Zwar sei im Jahr 2014 eine Vertiefung beantragt worden, von dieser sei man jedoch zurückgetreten

    "Das Zementwerk in Lengfurt hat unseres Erachtens keinen maßgeblichen Einfluss auf den Abfluss im Erlenbach", so Herbert Walter vom Wasserwirtschaftsamt. Die Fläche, die in den Erlenbach entwässert, sei erheblich größer als die Fläche des Steinbruchs. Er stellte klar: "Eine Grundwasserabsenkung findet durch den Steinbruch ebenfalls nicht statt."

    BN-Sprecher kritisiert Gemeinde

    Oswald Väth, Sprecher der örtlichen Bund-Naturschutz-Gruppe (BN) sagte auf Anfrage, er habe bereits vor drei Jahren seine wasserrechtlichen Bedenken in einem Schreiben an das Rathaus geäußert. "Die Gemeinde geht zu leichtfertig mit dem Thema Wasserschutz um", kritisierte er.

    Hinter den Häusern der äußeren Gartenstraße ist aus dem ehemals stetig fließenden Erlenbach ein schmales Rinnsal geworden. Forellen gibt es dort keine mehr. Foto: Dorothea Fischer

    In der Gemeinderatssitzung wollte Brigitte Liebler wissen, ob man Wasser in den Bachlauf leiten könne, um den Lebensraum von Pflanzen und Tieren zu erhalten. Dies mache nach Ansicht der anderen Räte keinen Sinn. Das Wasser würde versickern. Neubauer ergänzte, dass er beim Wasserwirtschaftsamt gefragt habe, was zu tun sei. "Gewässerorganismen wandern nach Möglichkeit mit fallendem Wasserstand ab und besiedeln die Bachsohle wieder, wenn die Wasserführung im Bach ausreichend zugenommen hat, so Amtsleiter Walter.

    Was erlaubt ist und was nicht

    BN-Sprecher Oswald Väth vermutete, dass Erlenbacher Bürger mehr Wasser als erlaubt aus dem Bach holen würden, um zum Beispiel landwirtschaftliche Flächen zu gießen. Erst im Juli wies die Gemeinde Erlenbach im Mitteilungsblatt auf die gesetzlichen Bestimmungen hin: Für die Wasserentnahme bedarf es einer ausdrücklichen Erlaubnis.

    Auf Anfrage der Redaktion an das Landratsamt Main-Spessart im Juli hieß es: "Die Wasserstände in unseren Gewässern sind grundsätzlich zu niedrig. Eine Ausnahme bildet hier der staugeregelte Main. Zum Schutz der Gewässer können daher grundsätzlich nur noch Entnahmen aus dem Main erlaubt werden." Dies gelte allerdings nur für neue Anträge. Bereits erteilte Genehmigungen zur Wasserentnahme sind weiterhin gültig.

    Gießkanne ja, Motorpumpe nein

    Eine Ausnahme bildet der sogenannten Gemeingebrauch. Mit Handgefäßen, etwa einem Eimer, darf man schöpfen. Eine Entnahme von Wasser aus dem Erlenbach mit Hilfe einer Leitung wiederum ist nicht gestattet. Die Eigentümerin eines Schrebergartens neben dem Bach, die nicht namentlich genannt werden möchte, erzählte, dass sie und alle ihre Nachbarn nur mit Gießkannen schöpfen würden. Sie sagte, sie habe noch nie jemanden beobachtet, der Wasser mit einer Pumpe aus dem Bach befördert.

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