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    ZELLINGEN

    Bürgermeister Gsell: „Radio-Gong-Spaß nicht auf unsere Kosten“

    Radio Gong veranstaltet jährlich seine sogenannten Bürgermeisterschaften. Gesucht wird die „coolste Gemeinde“ in Mainfranken. Sie darf ein Konzert mit einem Künstler ausrichten. Auch die Marktgemeinde Zellingen (Kreis Main-Spessart) war nominiert, ist aber ausgestiegen. „Der Wettbewerb ist durchweg unmoralisch“, meint Bürgermeister Wieland Gsell. Der Radiosender weist die Kritik zurück.

    Wettstreit der Gemeinden

    Den vom Würzburger Radiosender Gong ausgerichteten Wettbewerb gibt es schon seit 2009. Der Preis in diesem Jahr ist ein Konzert mit dem deutschen Popsänger Wincent Weiss („Frische Luft“), das in der Sieger-Gemeinde im Sommer stattfinden soll. Per Online-Voting haben sich zehn Kommunen qualifiziert – darunter auch Zellingen. Für die Marktgemeinde hatten in einem begrenzten Zeitraum viele Zuhörer gestimmt, so dass sie mit neun weiteren Kommunen in die engere Wahl gekommen ist. Diese Kommunen treten nun in einem Wettstreit gegeneinander an, in dem „lustige“ Aufgaben zu lösen sind.

    Derzeit läuft dieser Wettstreit, Zellingen ist aber nicht mehr dabei. Bürgermeister Gsell begründet den Ausstieg auf seiner Facebook-Seite. „Meine Aufgabe ist es nicht, dem Wirtschaftsbetrieb Radio Gong zu dienen. Weder als Animateur bei den Bürgermeisterschaften, noch indem ich im Namen der Gemeinde Geld ausgebe, damit bei Radio Gong die Werbeeinnahmen steigen“, sagt er.

    Bürgermeister Gsell: Voller Terminkalender

    Zwischen 4000 und 18 000 Besucher kamen zu den Konzerten in den letzten Jahren. Gsell fragt sich: Wo sollen so viele Besucher in seiner Gemeinde parken? Wer zahlt den Schaden am Gelände? Hier sei die Gemeinde in der Pflicht. Wer hört sich die wütenden Anrufe vieler Bürger wegen der nächtlichen Ruhestörung an? Hier treffe es neben der Polizei den Bürgermeister.

    Gsell stört sich, dass der Radiosender über die personellen Ressourcen einer Gemeinde verfüge. Der volle Terminkalender eines Bürgermeisters spiele da keine Rolle, schimpft er. Bei den Vereinen wird stunden- und teils tagelange ehrenamtliche Arbeit eingefordert.

    Radio Gong: Teilnahme ist freiwillig

    Radio Gong hat auf die Kritik reagiert und betont, die Teilnahme sei freiwillig. „Wir verfügen über niemanden“, sagt Gong-Projektleiter Simon Steffan. Mit den Bürgermeistern werde nach dem ersten Kontakt abgesprochen, was an Arbeit auf sie zukommen wird, wenn sich die Gemeinde beteiligt. Es sei klar, es brauche viele Hände, um das Konzert zu stemmen. Wenn dazu die Gemeinde nicht bereit sei, „dann nehmen wir sie zum frühestmöglichen Zeitpunkt aus dem Rennen, um Enttäuschungen zu vermeiden.“ Dies sei mit Zellingen passiert. Die Marktgemeinde sei aus dem Wettbewerb.

    Für die Gewinnergemeinde stellt Radio Gong zwei Modelle für die Ausrichtung des Konzertes vor. Beim ersten Modell tritt Radio Gong als Veranstalter auf und kümmert sich um Essensverkauf, Getränke und Sicherheit. Der Ort müsse lediglich den Ort festlegen, wo das Open-Air stattfinden soll.

    Gemeinde kann profitieren

    Beim zweiten Modell tritt die Gemeinde als Veranstalter auf. Dies habe den Vorteil, dass Vereine und der Ort durch eigenen Werbungsverkauf, Essenstände und Parkgebühren von dem Open Air profitieren können. Bühne, Band und Promotion würde Radio Gong bezahlen. Der Sender würde keinen Profit machen. Bislang hätten sich die Gewinnergemeinden immer für das zweite Modell entschieden.

    Im vergangenen Jahr 2017 hieß die Siegergemeinde Neubrunn (Lkr. Würzburg) und aufgetreten ist das Hip-Hop-Duo „257ers“. Nach den Worten von Bürgermeister Heiko Menig hat sich in seiner Gemeinde das erfüllt, was Radio Gong beabsichtigt hat – nämlich der ganze Ort sei zusammengestanden und habe mitgeholfen, die Veranstaltung zu organisieren. Daher sei es eine tolle Sache gewesen und Menig hat sich gut von Radio Gong betreut gefühlt. Zirka 7000 Zuschauer seien gekommen und zirka 12 000 Euro für die Gemeindekasse übrig geblieben. Diese werden in die Attraktivitätssteigerung des Freibads fließen.

    Auch Gerbrunn ist ausgestiegen

    Mit Zellingen ist auch die Gemeinde Gerbrunn (Lkr. Würzburg) ausgestiegen. Bürgermeister Stefan Wolfshörndl begründet dies allerdings mit dem Fehlen eines geeigneten Festplatzes. Im Rennen sind noch Bütthard, Dettelbach, Iphofen, Kirchheim, Kleinrinderfeld, Leinach, Ochsenfurt und Rottendorf. Der Wettbewerb begann 2009 mit einem Konzert des Sängers Nevio in Gaukönigshofen (Lkr. Würzburg).

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