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    Lohr

    CSU will Lohrer Rathaus zurückerobern, FDP will in Stadtrat

    Noch ist es weit hin bis zur nächsten Bayerischen Kommunalwahl im Frühjahr 2020 - zumindest für die Wähler. Die in Lohr aktiven Parteien jedoch beschäftigt das Thema bereits. Die Suche nach Kandidaten für den Stadtrat läuft. Hier wird es wohl eine neue Liste geben.

    Keine allzu große Vielfalt zeichnet sich hingegen für die Bürgermeisterwahl ab. Hier hat bislang lediglich die CSU erklärt, definitiv einen Herausforderer von Amtsinhaber Mario Paul ins Rennen schicken zu wollen.

    »Fakt ist, dass wir einen stellen«, sagt der Lohrer CSU-Ortsvorsitzende Dirk Rieb über die Pläne der Partei, die die stärkste Fraktion im Stadtrat ist. Noch sei aber nicht ganz klar, wer der Kandidat werde. Es gebe mehrere potenzielle Bewerber. Der Findungsprozess nehme noch Zeit in Anspruch, man führe Gespräche mit zwei bis drei Personen.

    Aus den Reihen der Lohrer CSU

    Fest stehe jedoch, dass man nicht auf einen externen Kandidaten oder einen Auswärtigen zurückgreifen, sondern jemanden aus den Reihen der Lohrer CSU ins Rennen schicken werde, so Rieb. Er rechne damit, dass die Personalentscheidung bis nach Fasching, also bis Anfang März gefallen sei. Danach müsse freilich erst die Parteibasis die Kandidaten für Bürgermeister- beziehungsweise Stadtratswahl beschließen.

    Gibt es ein Oppositionsbündnis?

    Rieb will nicht ausschließen, dass es im Vorfeld der Wahl Gespräche mit den Freien Wählern und dem Bürgerverein gibt, ob diese den CSU-Kandidaten unterstützen würden. Zumindest der Bürgerverein hat laut dessen Stadtratsmitglied Eric Schürr derzeit nicht die Absicht, einen Bürgermeisterkandidaten zu stellen: »Wir suchen nicht aktiv.«

    Sofern sich kein überaus geeigneter Interessent dem Bürgerverein anbiete, werde sich die Gruppierung aus der Wahl des Rathauschefs raushalten, so Schürr.

    Man wolle wie schon 2014 neutral bleiben und strebe keine Listenverbindung an. Wenn Freie Wähler oder CSU auf den Bürgerverein zukämen, »müsste man sich unterhalten«, steht Schürr Gesprächen jedoch nicht generell ablehnend gegenüber. Seine Meinung sei es jedoch, dass sich der Bürgerverein im Vorfeld der Wahl eher nicht festlegen sollte.

    Über die Kandidatenfindung »noch gar nichts sagen« kann derzeit Brigitte Riedmann, Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Stadtrat. Der neue Ortsvorstand müsse sich erst noch finden. Anfang 2019 wolle man die Stadtratsliste klären.

    Die Chancen, dass die Freien einen Bürgermeisterkandidaten stellen, beziffert Riedmann auf »50 zu 50«. Für den Fall, dass ein Kandidat recht unbekannt in Lohr sei, dürfe man sich nicht ewig Zeit lassen. Dann »zählt im Wahlkampf jeder Monat«, so die Frau, die 2002 und 2008 selbst fürs Bürgermeisteramt kandidiert hatte und mehrere Jahre zweite Bürgermeisterin war.

    Paul erneut für die Grünen

    Das Problem mit dem Bekanntheitsgrad haben die Lohrer Grünen eher weniger. Für sie wird 2020 Mario Paul versuchen, den Chefposten im Rathaus zu verteidigen. Der 43-jährige promovierte Politikwissenschaftler hatte 2014 als parteiloser Kandidat von Grünen und SPD mit einem in dieser Höhe völlig überraschenden Ergebnis von 68 Prozent Ernst Prüße (CSU) aus dem Amt gekegelt.

    Klar sei, so die Lohrer Grünen-Frontfrau Bärbel Imhof nun gegenüber der Redaktion, dass man das Bürgermeisteramt behalten und auch bei der Wahl der Stadträte das Ergebnis von 2014 (rund 20 Prozent) wiederholen wolle.

    SPD will Paul unterstützen

    Für die Lohrer SPD dürfte das Verteidigen des Ergebnisses aus dem Jahr 2014 eine Herausforderung werden. Schließlich werden mit Seppl Blenk und Franz Wolf zwei Stimmenbringer von damals nicht mehr auf der Stadtratsliste stehen. Marc Nötscher, der 22 Jahre junge SPD-Ortsvorsitzende, macht sich dennoch um das Abschneiden der Genossen »keine Sorgen«. Mit Sven Gottschalk und Thomas Nischalke seien zwei überaus engagierte Akteure in den Stadtrat nachgerückt. Auch Nötscher selbst wird 2020 für den Stadtrat kandidieren.

    FDP plant Liste

    Hingegen wird die SPD nach jetzigem Stand keinen eigenen Bürgermeisterkandidaten ins Rennen schicken, sondern wie schon 2014 Mario Paul mittragen. Dieser mache »gute Arbeit«, so Nötscher. Das letzte Wort hätten freilich auch bei der SPD die derzeit 86 Mitglieder. Sie werden laut Nötscher im ersten Quartal 2019 über die Liste entscheiden.

    Neu am Start wird bei der Wahl 2020 voraussichtlich die Lohrer FDP sein. Bis 1996 waren die Freien Demokraten mit jeweils einem Stadtrat vertreten. Aktuell hat die FDP nach Aussage ihres Vorsitzenden Peter Sander 14 Mitglieder. Um die 24 Plätze umfassende Stadtratsliste zu füllen, genügten jedoch acht Kandidaten, da Mehrfachnennungen möglich sind. Dieser Zahl nähere man sich.

    Wenngleich die Stadtratsliste Priorität habe, wolle er auch einen FDP-Bürgermeisterkandidaten nicht komplett ausschließen, so Sander. Dies hänge auch davon ab, wer sonst noch antritt.

    AfD sondiert noch

    Bei der AfD ist noch ungewiss, ob sie 2020 bei der Stadtratswahl in Lohr erstmals mit einer Liste antritt. Einen Ortsverband gibt es nicht. Kurt Schreck, der Vorsitzende des rund 80 Mitglieder zählenden Kreisverbandes Main-Spessart/Miltenberg, sagte auf unsere Anfrage, dass er momentan »noch überhaupt nichts sagen könne« zu einer AfD-Liste in Lohr. Man müsse eine Bestandsaufnahme machen und wisse vermutlich erst im Februar mehr.

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    Bearbeitet von Johannes Ungemach

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