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    Lohr / Gemünden

    Cannabis angebaut: Mehrfache Mutter kam beinahe ins Gefängnis

    Die aufblühende Knospe einer Marihuanapflanze. Foto: Richard Vogel/dpa

    Um ein Haar wäre eine 46-jährige mehrfache Mutter aus dem Raum Lohr im Gefängnis gelandet, weil sie mit ihrem damaligen Partner wieder eine Marihuanaplantage betrieben hatte. Bei der Verhandlung am Amtsgericht Gemünden forderte die Staatsanwältin für sie zweieinhalb Jahre ohne Bewährung. Letztlich kam die allein erziehende Angeklagte mit zwei Jahren auf Bewährung als "letzten Schuss vor den Bug" (Richterin Kristina Heiduck) davon. Ihr nun von ihr getrennter Lebensgefährte und Vater eines gemeinsamen Kindes bekam, da nicht vorbestraft, eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten.

    Wie so oft kam der Polizei bei der Entdeckung der Plantage mit insgesamt 34 Cannabispflanzen der Zufall zu Hilfe. Ein 53-jähriger Beamter der Polizei Lohr erzählte als Zeuge, dass die Grundschule sich vergangenen September bei der Polizei gemeldet habe, weil der zehnjährige Sohn der Angeklagten nicht zur Nachmittagsbetreuung erschienen war. Also fuhr er mit einem Kollegen vor und traf den Knaben gerade am Gartentörchen an. Seine Mutter habe es ihm erlaubt, behauptete der Junge. Weil angeblich niemand da war, ging der Polizist ums Haus herum und meinte auf einmal, Cannabisgeruch wahrzunehmen.

    Cannabispflanzen in Bretterverschlag, Garage und Keller

    Tatsächlich fand der Beamte in einem Bretterverschlag am Hang hinter dem Haus hinter einem Vorhang zwei, drei große, blühende Cannabispflanzen. Jetzt war klar, dass er auf die Eltern des Buben warten musste. Derweil fiel ihm auf, dass in der Garage Licht brannte. Beim Blick in die Tür, stellte er weitere sechs, sieben duftende Pflanzen in voller Blüte und eine entsprechende Beleuchtung fest.

    Als die beiden jetzt Angeklagten mit dem Auto am Haus vorfuhren, führte er bei dem 52-Jährigen, der am Steuer gesessen war, einen Drogentest durch. Das Ergebnis war positiv. Die Polizeistreife forderte vor Betreten des Hauses Unterstützung und einen Drogenspürhund an. Den Schlüssel zum Keller wollten die beiden Angeklagten erst nicht herausrücken, taten es aber dann aber doch – und siehe da: Auch dort fanden sich jede Menge Cannabispflanzen in verschiedenen Größen. Zudem habe der Polizist auch Blumentöpfe mit abgesägten Pflanzen gesehen.

    Ein "heilloses Chaos" habe auf dem Grundstück und in Teilen des Hauses geherrscht, so der Polizeibeamte. Im Haus hätten mehrere Päckchen mit, wie sich herausstellte, geringen Mengen Amphetamin und Marihuana offen herumgelegen.

    Angeklagte zog Cannabis süchtig machenden legalen Mitteln vor

    Der angeklagte 52-jährige Sozialpädagoge zeigte sich geständig, wollte aber nichts zum Fall sagen. Seine mitangeklagte ehemalige Lebensgefährtin räumte den Cannabisanbau zum Eigenverbrauch ebenfalls ein, mit dem Amphetamin habe sie jedoch nichts zu tun gehabt. Sie sagte aus, dass sie aufgrund von Problemen und Schlafstörungen mit dem Anbau angefangen habe. Geld für den Kauf von Marihuana habe sie wenig, wegen der Kinder komme sie auch nicht raus und Mittel wie Tavor seien zwar legal, machten aber süchtig. Das wisse sie als Altenpflegerin. Sie habe noch keine der Pflanzen geerntet gehabt, behauptete sie - was der Aussage des Polizisten widersprach. Die Staatsanwältin nahm ihr das auch nicht ab.

    Für die Angeklagte war es bereits die dritte Verurteilung wegen des Anbaus von Cannabis. 2012 und 2013 war sie deswegen bereits vom Amtsgericht Aschaffenburg verurteilt worden. Da es nicht die erste Straftat dieser Art war, wollte die Staatsanwältin sie nun hinter Gittern sehen. Das Schöffengericht urteilte jedoch milder und setzte die Strafe "gerade noch mal" zur Bewährung aus. Allerdings kreidete auch Richterin Heiduck ihr an, dass die Drogen trotz der Kinder offen herumgelegen waren. "Es besteht die Gefahr, dass Kinder auch mal einfach etwas in den Mund stecken."

    Beide Verurteilte müssen regelmäßig ihren Urin auf Drogenkonsum untersuchen lassen. Der 52-Jährige muss zusätzlich 120 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

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