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    Gemünden

    Christbäume gestohlen: Weihnachtsmärchen am Gericht

    Beim Christbaumdiebstahl in Sachsenheim erwischt, hatte ein Händler die Tat gestanden. Jetzt versuchte er, sich mit einer seltsamen Geschichte aus der Affäre zu ziehen.

    Keine Lust auf Weihnachtsmärchen in ihrem Gerichtssaal hatte Strafrichterin Karin Offermann, obwohl es in der Verhandlung am Amtsgericht Gemünden um Christbäume und Wedel ging. Das Nobilisgrün und vier Nordmanntannen hatte ein nebenberuflicher Christbaumhändler aus Hessen am 19. November 2017 aus einer Kultur bei Sachsenheim gestohlen. Obwohl der heute 42-Jährige quasi auf frischer Tat ertappt worden war und kurz danach gegenüber der Polizei ein umfassendes Geständnis abgelegt hatte, versuchte er jetzt, ein gutes Jahr später, den Diebstahl zu leugnen. Vergeblich.

    Der Schaden war gering - der Wert des Weihnachtsschmucks war auf 700 Euro geschätzt worden - und der Sachverhalt klar; aus diesen Gründen hatte die Richterin einen Strafbefehl von 50 Tagessätzen zu je 50 Euro gegen den Christbaumdieb erlassen. Weil er nun leugnete, musste der Fall mit Staatsanwalt und einigen Zeugen verhandelt werden.

    Ausflug mit Bäumen nach Bayern

    Die Version des Angeklagten: Er habe an dem Tag mit seinem Vater vier Nordmanntannen bei einer hessischen Händlerin geholt und sei dann im Kleintransporter und mit den Bäumen auf dem Anhänger nach Sachsenheim in Main-Spessart gefahren, um Schnittgrün aufzuarbeiten und mitzunehmen. Den Eigentümer der Pflanzung dort kenne er, aber den habe er nicht fragen müssen, weil ihm ein anderer Holzkaufmann, der mit dem Eigentümer im Einvernehmen sei, die Erlaubnis erteilt habe. 100 Euro hätte er diesem Mann dafür später geben sollen.

    Für diese Darstellung gab es keinen Beleg. Die hessische Händlerin, die sich geweigert hatte, zur Verhandlung nach Gemünden zu kommen (und die der Staatsanwalt deswegen mit einem Ordnungsgeld von 300 Euro belegt sehen möchte), hatte der Richterin am Telefon mitgeteilt, in dem fraglichen Zeitraum keine Geschäfte mit dem Mann gemacht zu haben. Der Holzkaufmann leugnete auf Befragen im Gerichtssaal verdutzt, jemals über fremdes Eigentum verfügt zu haben: "Selbst wenn's Abfälle wären, könnte ich nicht darüber entscheiden." Außerdem sei er dem Beschuldigten letztmals 2016 kurz begegnet.

    "Obacht, da ist was nicht sauber"

    Eindeutig belastend hingegen waren die Aussagen der weiteren Zeugen: Ein Schäfer hatte sich über das Fahrzeug mit dem fremden Kennzeichen an der Christbaumkultur gewundert und es deswegen gemeldet. Noch misstrauischer war er geworden, als es später im Dunkeln ohne Licht den Feldweg hinabgefahren war. Er habe sich gedacht: "Obacht, da ist was nicht sauber."

    Eine Streife der Polizeistation Gemünden stoppte das Gespann dann bei Aura. Wie ein Polizeibeamter berichtete, habe der Mann damals den Diebstahl sogleich zugegeben. Er habe ein Geständnis unterschrieben und nur beteuert, dass sein Vater, der ihn begleitete, nichts mit der Sache zu tun habe. Daraufhin wollte Strafrichterin Offermann vom Angeklagten wissen, warum er denn gestehe, wenn er doch unschuldig sei: "Sie machen heute nicht den Eindruck, dass Sie auf den Kopf gefallen sind." Darauf der Angeklagte: "Ich war so geschockt, weil man ja nicht jeden Tag von der Polizei beschuldigt wird."

    Einspruch zurückgezogen

    Die Strafrichterin deutete an, den Geschichten des 42-Jährigen keinen Glauben zu schenken und legte ihm nahe, den Einspruch gegen den Strafbefehl zurückzuziehen, da es im wahrscheinlichen Fall einer Verurteilung zu einer höheren Strafe kommen könne. Daraufhin wollte die Verteidigerin des Mannes um die Höhe der Geldstrafe feilschen. Mit mäßigem Erfolg: Der Angeklagte nahm den Strafbefehl an, und die Richterin beließ es bei den 50 Tagessätzen und reduzierte lediglich die Tagessatzhöhe auf 45 Euro. Die Verfahrenskosten hat der Mann nun ebenfalls zu tragen.

    Auch der Vater des 42-Jährigen, der wegen einer Erkrankung nicht erschienen war, hat als Mittäter einen Strafbefehl erhalten. Die Richterin empfiehlt ihm, den Einspruch zurückzuziehen oder wie der Sohn auf die Tagessatzhöhe zu beschränken.

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