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    Main-Spessat

    Corona: Wie toll sich Main-Spessarter gegenseitig helfen

    Junge Menschen und Vereine organisieren Einkaufshilfen, Grundschüler machen sich Mut, Bands geben kostenlose Konzerte. In Corona-Zeiten zeigt der Landkreis Zusammenhalt.
    Kinder aus Rieneck machen sich gegenseitig Mut: Eines der Fotos, das auf der Homepage der Grundschule veröffentlich wurde, zeigt den Zweitklässler Anton und seinen kleinen Bruder Jakob. Foto: Kathrin Fischer

    Aus dem gesamten Landkreis erreichen die Redaktion täglich Nachrichten und Geschichten, die eines zeigen: In Zeiten einer Krise halten die Main-Spessarter zusammen. Die folgenden sechs Geschichten zeigen genau das.

    Leher und Grundschüler starten beeindruckende Aktion

    Damit sich die 54 Grundschüler der Grundschule in Rieneck zuhause nicht gänzlich allein fühlen, hat Rektor Michael Bäuerlein eine bemerkenswerte Aktion gestartet. Die Resonanz ist auf der Homepage der Grundschule zu finden: Schüler wie Lehrer machen sich gegenseitig Mut, die Situation gemeinsam durchzustehen – und halten auch auf diese Weise Kontakt zueinander. Viele der Schüler haben für das "Daumen-hoch-Foto" extra ihr Schul-T-Shirt angezogen. Dazu gibt es Sprüche wie "Lasst Euch den Spaß nicht verderben", "Nichts geht über Kopieren" (ein Lehrer), "Macht das Beste draus" oder mit dem Standardgruß dieser Tage: "Bleibt gesund!"

    Schweizer Band bedankt sich per Brief bei allen Lohrern

    Die schweizer Irish-Folk Band "Laprechaun's Pleasure" hätte am 12. März in Lohr eigentlich den Auftakt zu ihrer Tour "All along the wild Atlantic Way" gefeiert. Doch nur einen Tag zuvor schloss die Stadt Lohr die Alte Turnhalle und die Stadthalle für öffentliche Veranstaltungen. Die drei Musiker wichen deshalb auf die Lohrer Fußgängerzone aus und spielten einfach drauf los. Wie die Lohrer sie dort empfangen haben, hat die Musikgruppe dazu veranlasst, einen Dankesbrief zu schreiben. Ein paar Ausschnitte:

    Mit Ramon Weber (20), Peter Britschgi (45) und Walter Bischof (60) vereint die Band "Leprechaun's Pleasure" drei Generationen in der Liebe zum Irish und Scottish Folk.  Foto: Simon Hörnig

    "Liebe Lohrerinnen und Lohrer, Wir möchten uns von ganzem Herzen für die Wertschätzung bedanken. Was wir am letzten Samstag (14. März) in der wundervollen Lohrer Fussgängerzone erleben durften, war für uns sensationell. Wir wurden gefeiert, es wurde mitgesungen und wir haben auch viele gute Gespräche geführt. Dies hat uns aufgezeigt, dass wir ein Teil von Lohr geworden sind. Und diese Tatsache ist für uns eine sehr grosse Ehre. Natürlich waren wir auf's Tiefste enttäuscht, als wir erfuhren, dass unsere Tour mit Frank Zagel abgesagt wurde. Aber wir kommen wieder. Wir werden unsere "All along the wild Atlantic Way"-Tour im nächsten Jahr nachholen. Herzlichen Dank und liebe Grüsse aus der Schweiz von der Band, welche Lohr am Main zur zweiten Heimat erkoren hat."

    Menschen nähen rund um die Uhr Schutzmasken

    Die Facebook-Gruppe "Corona-Hilfe Main-Spessart" hat inzwischen über 3000 Mitglieder. Da Schutzmasken fehlen, haben sich einige Mitglieder entschlossen, sie selbst zu nähen. Ein Mitglied erzählt, wie sie sich trotz geschlossenen Geschäften Material besorgt habe und seitdem jede freie Minute mit nähen verbracht habe. Eine Maske zu nähen dauere etwa 20 Minuten. In ihrem Post schreibt sie: "Es ist wie ein Kampf gegen Windmühlen!"

    Schüler, Nachbarn und Vereine starten Einkaufsservices

    In Urspringen haben die beiden Schwestern Selina Kufeld (27 Jahre) und Larissa Väth (31) sowie deren Cousine Magdalena Eckert (25) einen Einkaufsservice initiiert. Bereits Ende letzter Woche haben sie an Haushalte, in denen ältere Menschen leben, Handzettel verteilt und ihren Einkaufsdienst angeboten. Aber auch über Facebook und die WhatsApp-Gruppe des Dorfes haben sie ihren Service beworben, weil sie auch jüngere Leute ansprechen möchten, die möglicherweise Vorerkrankungen haben und zur Risikogruppe zählen.

    Nach knapp einer Woche haben die drei jungen Frauen bereits einige Aufträge erledigt und ältere Urspringer Bürger mit den gewünschten Lebensmitteln beliefert. „Wir wurden teilweise von Verwandten beauftragt, die nicht im Ort bei ihren Angehörigen leben“, erklärt Magdalena Eckert und fügt an, dass von der Gemeinde, die Anfragen an die drei jungen Frauen weiterleiten würde, bisher noch kein Einsatz vermittelt wurde. Die Bezahlung der gelieferten Ware sei völlig unproblematisch, denn die Empfänger legen den Betrag in einem Umschlag entweder unter die Fußmatte oder klemmen ihn in den Briefkasten.   

    Nachbarschaftshilfen in Rieneck, Retzstadt sowie Karlstadt und Umgebung

    In Rieneck gibt es seit Montag eine Einkaufshilfe der neuen Initiative "Wir halten zusammen", initiiert von Gertrud Herrmann und Peter Mark Droste. Deren Dienste beschränken sich im Wesentlichen auf das Angebot in Rieneck, darunter auch der Mittagstisch vom Gasthaus Löwen. Bei Bedarf könnten auch Waren aus Gemünden oder Burgsinn geholt werden, etwa von Apotheken. Bestellzeiten sind Montag bis Freitag von 9 bis 10.30 Uhr und 14 bis 15.30 Uhr, Samstag 9 bis 10.30 Uhr unter Tel. (0170) 7366833, für den Mittagstisch Montag bis Mittwoch sowie Freitag und Samstag bis 10 Uhr  unter Tel. (09354) 635. Neben den Einkäufen würden beispielsweise auch Sachen zum Reinigen weggebracht. Inzwischen machten 30 Leute mit, erzählt Droste.

    Die Katholische Land Jugend Bewegung in Retzstadt will dies ähnlich machen und sich gegenüber älteren Menschen und Risikogruppen solidarisch zeigen. Deshalb bieten sie ab sofort an, Besorgungen für Menschen aus Retzstadt zu übernehmen. Auch für andere Tätigkeiten, wie Gassi gehen oder Post- und Apothekengänge stehen sie zur Verfügung. Falls jemand Interesse hat, bitte bei Louis Nun melden  unter Tel. (0151) 41650094 oder per E-Mail an nun.louis@web.de.

    Um diesen Menschen im momentanen Ausnahmezustand unter die Arme zu greifen, haben einige Schüler des Johann-Schöner-Gymnasiums das Projekt ,,Nachbarschaftshilfe“ in Karlstadt und Umgebung gegründet. Hierbei können sich ältere Menschen oder Risikogruppen per Mail an hilfsnetzwerk.karlstadt@gmail.com oder telefonisch bei den folgenden Kontakten melden und ihr Anliegen äußern:

    • Karlstadt & Ortsteile: (09353) 909696 (Luise Jeßberger)
    • Gemeinde Eußenheim & Thüngen: (09350) 992228 (Simon F. Ruck)
    • Arnstein & Ortsteile: (09351) 9093344 (Vincent Naujoks)

    Die Schüler hoffen außerdem Zuwachs im Helferteam zu bekommen. Sie schreiben: "Wenn wir alle Solidarität zeigen, schaffen wir es gemeinsam, diese schwierige Zeit zu bewältigen."

    Ein Plakat zur Einkaufshilfe von Karlstädter Schülern Foto: privat

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