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    PARTENSTEIN

    Damit selbstbestimmtes Leben wieder gelingen kann

    Auf einer Anhöhe am Ende von Partenstein in Richtung Frammersbach liegt das Haus „Hirtenhof“, ein ehemaliges Hotel. Dies... Foto: Karl Anderlohr

    Mit einem Festgottesdienst um 10 Uhr in der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer und einem Festakt um 14.30 Uhr feiert das Haus „Hirtenhof“ in Partenstein, eine Einrichtung der Suchtkrankenhilfe in der Trägerschaft des Deutschen Ordens, am Sonntag, 2. September, sein 25-jähriges Bestehen.

    Seit nunmehr 25 Jahren bietet der Deutsche Orden, heute eine Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Sitz in Weyarn bei München, entsprechend seinem Gründungsauftrag „Helfen und Heilen“ mit seinen Ordenswerken täglich über 3000 Menschen Heimat, Orientierung und Zukunftsperspektive.

    In 64 Altenhilfe-, Behindertenhilfe-, Jugendhilfe- und Suchthilfeeinrichtungen engagieren sich rund 2800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Wünsche und Bedürfnisse der Ihnen anvertrauten Menschen.

    33 Plätze in Partenstein

    Zum Fachbereich „Sucht“ gehören neben Beratungsstellen, Entzugs- und Übergangseinrichtungen auch Rehabilitationskliniken, Jugendhilfe- und soziotherapeutische Einrichtungen sowie Integrationsbetriebe, die sich auf das gesamte Bundesgebiet verteilen, darunter der „Hirtenhof“ in Partenstein, ein ehemaliges Hotel.

    Er bietet 33 Plätze im Stammhaus und sieben Arbeitsbereiche als Therapieangebot: Küche, Waschküche, Housekeepinggruppe, Kreativ- und Kunstwerkstatt, Hauswerkstatt, Gartengruppe, eine Buchbinderei sowie ausgezeichnete Freizeit- und Sportmöglichkeiten wie beispielsweise Dart, Kegeln, Tischtennis, Fußball, Mountainbiking, Kanutouren, Skilanglauf, Fitnessprogramm, Schwimmen, Kanadier- und Kajaktouren, Theaterbesuche, Fahrradtouren, Gymnastik und Billard.

    Die Klienten sind in die Organisationsabläufe mit eingebunden und tragen zum Funktionieren der Einrichtungen bei. Dadurch werden ihnen Grundfähigkeiten vermittelt; die zunehmende und erfolgreiche Übernahme von Verantwortung stärkt das Selbstvertrauen, sie hilft die eigenen Fähigkeiten zu erkennen und ermöglicht den Anschluss an ein konstruktives, selbstbestimmtes Leben.

    Zum „Hirtenhof“ gehören ferner eine stationäre Trainingswohngruppe mit sechs Plätzen, zwei ambulant betreute Wohngruppen im Ort mit insgesamt zwölf Plätzen, eine weitere in Lohr mit fünf Plätzen sowie zwölf externe Tagesstrukturplätze für Klienten, die über eigenen Wohnraum und ausreichende Stabilität verfügen.

    Lange Tradition

    Der Deutsche Orden kann auf eine lange wechselvolle Geschichte zurückschauen. Bei der Belagerung der Stadt Akkon im Dritten Kreuzzug gründeten um 1190 Kaufleute aus Lübeck und Bremen ein Feldhospital zur Behandlung kranker und verwundeter Menschen.

    1199 wurde diese Spitalgemeinschaft jedoch in einen Ritterorden umgewandelt, dessen Mitglieder sich während des 13. Jahrhunderts auch an der deutschen Ostkolonisation beteiligten. Der Orden begründete im Baltikum einen eigenen Staat, der am Ende des 14. Jahrhunderts ein Gebiet von rund 200 000 Quadratkilometern umfasste. Schwere militärische Niederlagen gegen Polen-Litauen und innere Spannungen führten zum Niedergang des Ordensstaates, der im Zug der Reformation 1525 in ein weltliches Herzogtum umgewandelt wurde.

    Der Orden bestand jedoch innerhalb des Heiligen Römischen Reiches fort. In der Säkularisation verlor er auch seine Besitzungen in den deutschen Ländern und existierte von da ab nur noch im Kaiserreich Österreich. Mit dem Ende der Monarchie ging auch die Struktur als Ritterorden verloren. Seit 1929 ist der Deutsche Orden eine religiös-karitative Ordensgemeinschaft der katholischen Kirche.

    Soziotherapieverbund Spessart

    Der Hirtenhof in Partenstein ist und war die Keimzelle für den heutigen Soziotherapieverbund Spessart, der suchtkranken Menschen in abgestufter Weise Hilfs- und Betreuungsangebote gibt.

    Im bayerischen Spessart befinden sich die Häuser „Hirtenhof“ in Partenstein, eröffnet 1993, und das Haus in Burgsinn, eröffnet 1997. Auf hessischer Spessartseite wurde im Januar 2005 Haus „Noah“ in Bad Orb eröffnet.

    Alle drei Häuser bieten neben den stationären Stammhäusern auch kleine Wohntrainingsgruppen – als stationäre Außenwohngruppe und ambulant betreute Wohnangebote. Ergänzt werden die abgestuften Betreuungsangebote durch externe Tagesstrukturplätze für Suchtkranke, die über eigenen Wohnraum verfügen und sich hier selbst versorgen und die lediglich ein werktägliches Angebot zur Tagesstruktur brauchen. Auf diesem Weg werden für die Bewohner in abgestufter Weise wieder Schritte in möglichst große Selbstständigkeit realisiert. Die rund 230 Plätze im Soziotherapieverbund sind sowohl für männliche als auch für weibliche, volljährige, suchtkranke Menschen.

    Das Sozialkaufhausprojekt „Intakt“ mit Standorten in Gemünden, Marktheidenfeld, Lohr und Bad Orb gehört mit zum Verbund. Es gibt über 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Region Arbeit und Beschäftigung.

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