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    Büchold

    Dank GPS: Bulldog fährt selbstständig übers Feld

    Die Hände am Lenkrad? Nicht nötig, demonstriert Christoph Winkler. Der Schlepper findet alleine seinen Weg. Foto: Karlheinz Haase

    Der junge Landwirt Patrick Wolf aus Sachserhof könnte bei der Arbeit Zeitung lesen, wenn sein Traktor weniger ruckeln würde. Denn während er übers Feld fährt, muss er nicht lenken und somit auch nicht unbedingt nach vorne schauen. Der Bulldog zieht alleine seine Bahn - exakt wie auf Schienen. "Das geht bis auf zwei Zentimeter genau", erklärt Wolfs Kumpel Christoph Winkler, der bei der Baywa in Unterpleichfeld der Experte für landwirtschaftliche Lenksysteme ist.      

    Während im Straßenverkehr noch über autonomes Fahren geredet wird, ist es auf dem Acker längst Praxis. Vor etwa zehn Jahren gingen die GPS-Steuerungen in Serienreife, waren aber extrem teuer. Als bezahlbar gelten sie seit ungefähr vier Jahren. Mehr als die Hälfte der Traktoren haben solche Lenksysteme inzwischen, schätzt Winkler, so auch der 285 PS starke Fendt, den sich Patrick Wolf mit einem anderen Landwirt teilt. "Alleine könnte ich mir den nicht leisten." Galt früher die Faustformel: Ein Bulldog kostet pro PS 1000 Mark, so sind dies heute pro PS 1000 Euro.

    Auf dem Acker entsteht ein Muster

    Wenn der Schlepper am Ende des Feldes angekommen ist, greift der Landwirt ins Lenkrad, um zu wenden. Sobald er halbwegs in der neuen Fahrtrichtung steht, kann der Fahrer wieder loslassen. Der Traktor sucht sich seine ideale Spur selbst.

    Das Display zeigt die Spuren, in denen schon gearbeitet wurde. Foto: Karlheinz Haase
    Und so sehen die Spuren auf dem Feld aus. Foto: Karlheinz Haase

    Dabei lässt er stets eine Spur aus. Das macht das Wenden ökonomischer; es muss weniger rangiert werden. So entsteht ein Streifenmuster auf dem Acker. Zwischen den Zeilen mit aufgelaufenen, grünen  Getreidepflänzchen liegen braun die bereits gegrubberten Zeilen. Hier liegen die Getreidepflänzchen und auch Disteln herausgerissen auf der Erde.

    Komplexe Technik in der Fahrerkabine

    Dieses Streifenmuster findet sich auf dem Display in der Fahrerkabine wieder. Die ausgelassenen Spuren werden später - sozusagen auf der Rückfahrt - bearbeitet. Das Cockpit eines Airbus wirkt schon fast übersichtlich im Vergleich zum Steuersystem des Bulldogs mit den vielen bunten Tasten und anderen Bedienmöglichkeiten.

    Der Grubber reißt unerwünschte Pflänzchen heraus. Foto: Karlheinz Haase

    Schließlich geht es dabei auch um die Steuerung der Anbaugeräte. Christoph Winkler: "Es soll heute immer genauer und direkter gearbeitet werden, beispielsweise mit der Spritze oder dem Düngerstreuer." Es geht darum, nicht überlappend zu spritzen oder zu düngen. Die Maschine weiß genau, wo sie schon tätig war, und schaltet beim erneuten Drüberfahren die entsprechenden Düsen ab. Das sei im Sinne des Umweltschutzes. So wird etwa Stickstoff nicht doppelt gestreut, was der Nitratbelastung im Grundwasser guttut. Oder der Schlepper merkt sich, an welcher Stelle das Güllefass leer wurde. Dort wird mit dem nächsten Fass angesetzt.

    Besonders sinnvoll im Biolandbau

    Inzwischen ist die Technik so weit, dass der Mähdrescher speichert, wo das Getreide üppiger stand und wo der Ertrag geringer war. Das lässt Schlüsse auf die Bodenbeschaffenheit zu. Der gute Boden wird beim nächsten Fruchtzyklus stärker gedüngt, der steinige und klüftigere weniger. Ein anderer Weg ist die Speicherung von Bodenproben, nach der sich ebenfalls die Düngeintensität ausrichtet.

    Bunte Vielfalt der Tasten und Hebel in der Fahrerkabine eines modernen Traktors. Foto: Karlheinz Haase

    "Gerade im Biolandbau ist die Steuertechnik besonders sinnvoll", erklärt Winkler. Denn dort werde Unkraut mit dem Hackgerät allein mechanisch bekämpft. Der Abstand zwischen den Getreidereihen wird beim Säen daher auf 25 bis 30 Zentimeter eingestellt, während es im konventionellen Landbau nur 12,5 bis 15 Zentimeter sind. Die mechanische Unkrautbekämpfung funktioniert auch über Kamerasteuerung. Diese reagiert auf Schattierungen: Hell sind die Pflanzen, dunkel der Boden dazwischen.

    Steuersysteme lassen sich aufeinander abstimmen

    Bei der Sämaschine werden die Düsen verschlossen, wo später die Fahrspuren sein sollen. Ideal ist es, wenn das Hackgerät dieselbe Arbeitsbreite hat wie die Sämaschine. Doch auch mit einem kleineren Schlepper lässt sich das Feld weiter bearbeiten. Mit den aufeinander abgestimmten Steuersystemen weiß der kleine, wo der große gefahren ist.

    Kostenfrei können Landwirte das Egnos-Satelliten-Signal nutzen, das mit einer Genaugkeit von 20 Zentimetern arbeitet. Das reicht zum Beispiel für den Grubber, die Scheibenegge oder die normale Egge aus. Soll es genauer werden, so gibt es als exaktestes das kostenpflichtige RTK-Signal. Winkler  meint: "Das rechnet sich über die Jahre." Denn die einzelnen Felder werden über mehrere Jahre hinweg gespeichert.

    Online-Tipp: Zu dem Artikel gibt es ein kurzes Video unter www.mainpost.de

    Patrick Wolf in seinem Schlepper mit GPS-Steuerung. Auf dem Kabinendach fängt eine Antenne die Signale auf. Foto: Karlheinz Haase

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