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    Karlstadt

    Das Rennen ums Landratsamt ist eröffnet

    Hausherr ab 1. Mai 2020 gesucht: Thomas Schiebel verzichtet auf eine erneute Kandidatur als Main-Spessart-Landrat. Foto: Daniel Peter

    Wer schickt sich an, 2020 die Nachfolge von Thomas Schiebel anzutreten? Diese Frage beherrscht die kommunalpolitischen Diskussionen im Kreis, seitdem der Landrat angekündigt hat, nicht mehr zu kandidieren. Für Schiebel indes hat der lange Abschied aus dem Amt begonnen. Bei der Landkreisbereisung des Bauernverbands wurde er kürzlich gefragt, ob er zum letzten Mal bei dieser Veranstaltung dabei sei. Noch fast genau ein Jahr, bis zum 30. April 2020, dauert seine Amtszeit.

    Wer danach den Landkreis führt und repräsentiert, wird bei der Kommunalwahl am 15. März 2020 und in einer eventuellen Stichwahl 14 Tage später von den Bürgern entschieden. Dass Schiebel den Chefsessel der Kreisbehörde in Karlstadt räumt, eröffnet für mögliche Kandidaten neue Aussichten. Denn sie müssen nicht gegen einen Amtsinhaber antreten, sondern können in einem offenen Rennen starten. Wobei nun die Frage ist, wer an den Start geht oder gehen darf. Können die Freien Wähler das Landratsamt verteidigen, das Armin Grein 1984 von der CSU eroberte und das Thomas Schiebel seit 2008 für die Freien hält?

    Oder kommt die CSU wieder ans Ruder, die von der Gebietsreform 1972 bis 1984 mit Erwin Ammann den Landrat in Main-Spessart stellte? Seither hat die Union mit einer ganzen Reihe von Kandidaten versucht, den Freien das höchste Amt im Landkreis wieder abzujagen - vergeblich.

    Der Rückzug von Thomas Schiebel eröffnet der CSU die Chance, endlich den Erfolg bei der Landratswahl einzufahren. Doch wer darf kandidieren? Sabine Sitter, die bei der letzten Kommunalwahl 2014 gegen Schiebel antrat?

    Sie holte damals als CSU-Landratskandidatin beachtliche 38,6 Prozent und unterlag Schiebel, der auf 55,3 Prozent kam. Immerhin zog Sabine Sitter aber als Stimmenkönigin in den Kreistag ein. Mit ihren 58.200 Stimmen auf der CSU-Kreistagsliste lag sie sogar vor Thomas Schiebel, der für die Kreistagsliste der Freien Wähler 57.280 Stimmen zog. Der Kreistag wählte sie dann zur stellvertretenden Landrätin.

    Sabine Sitter äußerte sich bisher stets zurückhaltend auf die Frage, ob sie eine erneute Kandidatur anstrebt. Sie wollte abwarten, was Thomas Schiebel macht. Nachdem dieser aus dem Rennen ist, wird sich Sitter noch in ihrer Partei behaupten müssen, sollte sie weiter Ambitionen auf den Landratsposten haben.

    Die CSU hätte einige politische Schwergewichte zu bieten, wie die Abgeordneten Thorsten Schwab (Landtag) und Alexander Hoffmann (Bundestag). Beide sitzen auch im Kreistag und sind nah dran an den Main-Spessart-Themen. Über die Kandidatenfrage werde man Ende Juni in einer Klausurtagung entscheiden, sagte CSU-Kreisvorsitzender Thorsten Schwab kürzlich der Redaktion.

    Was machen die Freien Wähler?

    Was machen die Freien Wähler? Sie zauberten in ihrer Hochburg Main-Spessart schon oft überraschende und erfolgreiche Namen aus dem Hut, wenn es um politische Ämter ging. Auch diesmal könnte eine solche Überraschung nötig sein. Jedenfalls sticht perspektivisch unter den Akteuren der Freien im Landkreis derzeit keiner derart hervor, dass er Beobachtern sogleich als Landratskandidat in den Sinn käme.

    Sicher, mit der Landtagsabgeordneten und Staatssekretärin Anna Stolz haben die Freien eine Senkrechtstarterin in ihren Reihen. Doch ob die ehemalige Bürgermeisterin von Arnstein so kurz nach dem Karrieresprung gen München schon wieder zum Rückwärtssalto nach Main-Spessart ansetzen will, darf bezweifelt werden.

    Die Suche läuft

    Laut Marco Pintar, dem neuen Kreisvorsitzenden der Freien, läuft die Suche nach einem Landratskandidaten: "Es gibt ein paar, die angesprochen sind." Für sich schließt er eine Kandidatur aus: "Ich mache es nicht", so der 42-Jährige aus Neuendorf, der bei der Landtagswahl 2018 Wahlkampferfahrung als Listenkandidat der Freien Wähler gesammelt hat.

    In die Kandidatenfindung sei auch Altlandrat Armin Grein eingebunden. "Er hat viele Verbindungen", begründet Pintar und kündigt eine Entscheidung bis zur Sommerpause an. Sollte sich auf MSP-Ebene kein Kandidat finden, werde man sich über den Landkreis hinaus unter Freien Wählern nach einem möglichen Nachfolger für Schiebel umsehen, so Pintar.

    Wie es bei den anderen Parteien aussieht, ist ebenfalls noch unklar. Einstweilen wird überall die Lage sondiert. Der Kandidatenmarkt in Main-Spessart ist nicht gerade üppig bestückt, doch die Chancen auf Wahlerfolge sind groß; das zeigt der Blick nach Wertheim, wo der 30-jährige Markus Herrera Torrez, von SPD und Grünen nominiert, zum Oberbürgermeister gewählt wurde und sich unerwartet deutlich gegen einen etablierten Politiker durchsetzte.

    Unabhängig vom Wahlausgang bleiben die Sachfragen bestehen, die politisch entschieden werden müssen. Wird es mit einem neuen Landrat oder einer neuen Landrätin und eventuell neuen Mehrheiten im Kreistag zu Richtungswechseln in der Kreispolitik kommen? Wäre das angesichts der anstehenden Themen überhaupt möglich?

    Da ist einmal der große Brocken Schulsanierungen. Hier ist die Linie durch bauliche Notwendigkeiten vorgezeichnet. Über allem steht freilich die Krankenhauspolitik mit dem Neubau des Klinikums in Lohr - ein Thema, das in den letzten Jahren viel Streit erzeugt hat und immer noch erzeugt, und das soeben den Klinikreferenten seinen Job gekostet hat.

    Momentan ist das Klinikum ein kommunaler Eigenbetrieb, aber dazu gab es im Kreistag auch andere Meinungen. Womöglich wird eine Privatisierung des Krankenhauses, wie auch immer gestaltet, wieder aktuell. Wie die Parteien und ihre Kandidaten zu diesen und anderen kreispolitischen Fragen stehen, das wird den bevorstehenden Wahlkampf prägen.

    Klar positionieren sich in der Krankenhausfrage die Freien Wähler und die Grünen. FW-Kreistagsfraktionsvorsitzende Brigitte Riedmann lehnt eine Privatisierung ab, schon wegen der wahrscheinlichen Nachteile für sie Mitarbeiter. Unter den 60 Kreisräten sei das kein Thema. Allenfalls ist für Riedmann eine Option, den Eigenbetrieb in ein Kommunalunternehmen umzuwandeln. Nicht so für Gerhard Kraft, den Kreistagsfraktionsvorsitzenden der Grünen. Seine Fraktion plädiere für "einen reformierten Eigenbetrieb". Kraft betont: "Das Klinikum wird natürlich in der Trägerschaft des Landkreises bleiben."

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