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    Lohr

    Das Trockenjahr und seine Folgen

    Kritischer Blick in die Baumkrone: Forstdirektor Christoph Kirchner mahnt zu erhöhter Aufmerksamkeit. Foto: Katja Sander

    2018 war ein Jahr der Extreme, teilt die Außenstelle Lohr des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Karlstadt (AELF) mit. Lange Hitzeperioden, heiße Temperaturen und geringe Niederschläge beschäftigten nicht nur Landwirte. Auch Waldbesitzer und Forstleute waren in Sorge um ihren Wald. Die Auswirkungen des bereits dritten Jahrhundertsommers in den vergangenen fünfzehn Jahren sind fatal und für jedermann erkennbar: Absterbende Waldkiefern, großflächiger Borkenkäferbefall an der Fichte und Kronenverlichtungen an nahezu allen Baumarten sind die weithin erkennbaren Folgen des drittwärmsten Sommers seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1880.

    Fatal: die geringen Winterniederschläge konnten das Niederschlagsdefizit aus 2018 nicht ausgleichen. Durch den anhaltenden Trockenstress profitieren bis heute Borkenkäfer, Prachtkäfer & Co., die den Waldbäumen letztlich den Rest geben.

    Bäume sterben ab

    In allen drei Landkreisen des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Karlstadt (AELF) zeigt sich das gleiche Bild. Laub- und Nadelbäume haben im Frühjahr zwar ausgetrieben, trocknen jedoch von der Krone her deutlich zurück oder sterben ganz ab. Zusätzlich setzen Insekten, Pilze und die anhaltende Hitze den trockengestressten Baumarten zu. 

    Zahlreiche Bäume in den Beständen, aber auch entlang von Straßen, Waldwegen und Waldrändern sterben ab. Zwar müssen von Borkenkäfer befallene Fichten schnellstmöglich aufgearbeitet und  aus dem Wald gebracht werden, doch stellen sie bis dahin, insbesondere bei stärkeren Winden, eine Gefahrenquelle für Waldbesucher dar.

    Abgestorbene Waldkiefern und Kronentotholz bei Buche und Eiche sind nicht immer auf Anhieb als waldtypische Gefahrenquelle erkennbar. Häufig wird der Blick in die Baumkronen durch andere, zwischenständige Bäume versperrt.  Deshalb ist bei Waldbesuchen und Arbeiten im Wald erhöhte Aufmerksamkeit geboten.

    Verkehrssicherung im Wald

    Grundsätzlich gilt es zwischen den verschiedenen Baumarten und der Lage der betroffenen Bäume zu unterscheiden. Von Bäumen im Bestandesinneren geht nur eine geringe Gefahr für Waldbesucher aus, da sie zu-meist auf den Waldwegen unterwegs sind. Abgestorbene Bäume im Wald gehören zu einem gesunden, struktur- und artenreichen Wald und gelten als waldtypische Gefahr.  Auf Bäume entlang von Waldwegen sollten Waldbesitzer und Waldbesucher jedoch besonders Acht geben.

    Vermehrte Verkehrssicherungsmaßnahmen, entlang öffentlicher Straßen, Plätze sowie im Bereich von Gebäuden und Erholungseinrichtungen betreffen vor allem waldbesitzende Kommunen. Als langfristige Folge des Trockenjahres 2018 stehen Baumfällungen und Kronenpflege in diesem und voraussichtlich auch in den Folgejahren an.

    Fichte und Kiefer besonders betroffen

    Fichten, die vom Borkenkäfer befallen sind, müssen umgehend aufgearbeitet und aus dem Wald gebracht werden. Unter der Rinde brüten Buchdrucker und Kupferstecher, die durch ihren Larvenfraß die Bäume zum Absterben bringen. Werden die Stämme aus dem Wald gebracht noch bevor sie vollständig abgestorben sind, so erhöht man die Chancen, den Käferbefall in den Griff zu bekommen. Bäume aus denen die Käfer bereits ausgeflogen sind, können erst einmal vernachlässigt werden.

    Waldkiefern, die in Folge von Wärme und Trockenheit abgestorben sind, können im Bestand als stehendes Totholz erhalten werden. Stehendes und liegendes Totholz ist von enormer Bedeutung für die Artenvielfalt in unseren Wäldern.  Totholz bietet Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, wie Spechte, Fledermäuse und Flechten.

    Borkenkäfer - im Bild ist eine weiße Larve zu sehen - befallen geschwächte Bäume.  Foto: Katja Sander

    Im Gegensatz zur Fichte, geht von den abgestorbenen Waldkiefern in der Regel keine Gefahr für andere Bäume aus. Anders jedoch verhält es sich, wenn Waldkiefern vom blauen Kiefernprachtkäfer befallen sind. Prachtkäfer treten, wie Fichtenborkenkäfer auch, als Sekundärschädlinge an Waldbäumen auf. An Kiefern, die durch Witterungseinflüsse in ihrer Vitalität geschwächt sind, kann es unter günstigen Bedingungen zu Massenvermehrungen kommen. In diesem Fall müssen die Bäume ebenfalls waldschutzwirksam behandelt werden. Bislang ist dies jedoch eher selten der Fall.

    Borkenkäfer als Gefahrenquelle 

    Vorsicht ist wegen der zahlreichen Trockenschäden nicht nur für Spaziergänger, Wanderer und Radfahrer geboten. Auch Waldbesitzer, die zum Waldschutz verpflichtet sind, müssen aufpassen. Vom Borkenkäfer befallene Fichten sind häufig schwieriger zu fällen als gesunde Bäume. Durch ihre verlichteten Kronen fallen geschädigte Bäume anders als gesunde Fichten, deren Kronen deutlich schwerer sind. Die Fällung erfordert Einiges an Knowhow. Bleibt ein Baum in einem anderen hängen, ist die passende Ausrüstung Voraussetzung um den Hänger sicher und unfallfrei zu Fall zu bringen. Private Waldbesitzer haben häufig einen Grundkurs „Sichere Waldarbeit mit der Motorsäge“ absolviert, bei dem es jedoch schwerpunktmäßig um die Aufarbeitung liegenden Holzes geht. Nur im Einzelfall verfügen Waldbesitzer über hinreichend Routine um die zu-meist stärkeren Käferfichten sicher zu fällen. Auch mangelt es vielfach an der Ausrüstung wie Greifzug und Spillwinde um Hänger abzuziehen. Forstunternehmen hingegen verfügen standardmäßig über dieses Spezialequipment.

    Dass der Klimawandel stattfindet, bezweifeln wohl nur noch Wenige. 2018 gab es in Lohr und Umgebung viermal mehr heiße Sommertage (über 30 Grad Celsius) als im langfristigen Mittel.

    Das AELF Karlstadt berät Waldbesitzer, bietet Schulungen und Themenabende an und steht als Ansprechpartner zur Verfügung. Kontakt: www.aelf-ka.bayern.de

    Bearbeitet von Peter Kallenbach

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