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    Lohr

    "Das war das Größte in meinem Leben"

    Weltweites Treffen: Die Sendelbacher Pfadfinderin Teresa Bednarz unter 46 000 Gleichgesinnten beim 24. World Jamboree in West Virginia. Foto: Teresa Bednarz

    Teresa Bednarz und David Franz wissen gar nicht, wo sie mit ihren Erzählungen beginnen sollen, so viele Eindrücke haben die beiden Pfadfinder vom Stamm St. Josef von ihrer Reise aus den Vereinigten Staaten mitgebracht. Dabei handelte es sich nicht nur um eine Tour zu Sehenswürdigkeiten: Die Teenager aus Sendelbach nahmen Ende Juli für mehr als drei Wochen am größten Pfadfindertreffen der Welt, dem 24. World Scout Jamboree in West Virginia, im Osten der USA, teil.

    Aus David sprudeln die Eindrücke von Bärensichtungen, dem Aufbau der eigenen Jurten im strömenden Regen und den gigantischen Ausmaßen des Camps für 46 000 Pfadfinder aus 135 Nationen nur so heraus. Als Teresa zu Wort kommt strahlt die 14-Jährige: "Ich hatte mir alles anders vorgestellt, aber meine Erwartungen haben sich total erfüllt."

    Aus allen Ländern

    Nach einem Vorlager mit den 1800 teilnehmenden deutschen Pfadfindern, führte vom Flughafen in Frankfurt für Teresa und David die Reise nach Baltimore und mit dem Bus weiter nach Washington. "Ein ganzes Hotel voller Pfadfinder", erzählt David über die erste Unterkunft, in der mehrere Einheiten des deutschen Kontingents untergebracht waren. Erkennen konnten sich die Pfadfinder an der einheitlichen Kluft und dem Halstuch, das während der ganzen Zeit auch nie abgelegt wurde.

    Mit mehr als 30 Bussen fuhr der Tross weiter Richtung Summit Bechtel Reserve in den Bundesstaat West Virginia. Schon vom Bus aus konnten die jungen Teilnehmer in der scheinbar endlosen Natur des nahegelegenen New River Gorge National Park die ersten Schwarzbären sehen. "Selbst das Militär hatte ein Lager aufgeschlagen", berichtet David.

    Teresa Bednarz und David Franz präsentieren zu Hause ihre getauschten Aufnäher und Halstücher – eine Tradition bei Pfadfindertreffen.  Foto: Frank Zagel

    Neben dem aufgebauten Lazarett kümmerten sich die Soldaten vor allem um die Sicherheit und waren bei den Teenagern aus aller Welt auch beliebter Tauschpartner für mitgebrachte Aufnäher. In fünf verschiedene Subcamps, die in unterschiedlichen Farben markiert waren, wurden die Pfadfinder aufgeteilt.

    Alles läuft digital

    "Alles war perfekt organisiert", wirft Teresa ein. Jedem Kontingent wurde ein Versorgungscontainer mit Geschirr, Zelten und Feldbetten zugeteilt. "Nur wir Deutschen und die Abordnung aus Ecuador haben unsere eigenen Jurten aufgebaut", berichtet Teresa: "Dafür mussten wir auf den Isomatten schlafen, da wir sonst keinen Platz in unserer Wander-Kohte gehabt hätten."

    Das extreme Regenwetter tat der guten Laune der Pfadfinder keinen Abbruch, sagt Jakob. Gleich in den ersten Tagen wurden neue Kontakte, vor allem zu den angrenzenden Holländern und den Amerikanern, die alleine mit knapp 15 000 Jugendlichen angereist waren, geknüpft.

    Darüber, dass bei den Pfadfindern aus aller Welt im 21. Jahrhundert die Digitalisierung längst angekommen war, wunderten sich selbst die beiden Sendelbacher. Alle Aktivitäten wurden über eine spezielle App organisiert. Auch die Bestellung der Nahrung durch ein digitales Punktesystem und das Knüpfen sozialer Kontakte mit den sogenannten Novos, in dessen Besitz ein jeder Teilnehmer war, wurde schnell zum Alltag.

    Die Begrüßungszeremonie fand auf einer gigantischen Bühne mit einem laut David "unglaublichen Showprogramm" statt. Danach konnten die Pfadfinder an zahlreichen Aktivitäten, wie Bogenschießen, Kajakfahrten oder Kletter-Touren teilnehmen und die anderen Stämme kennenlernen. Nur in einer Gruppe von mindestens vier Personen durften sich die Pfadfinder im Camp fortbewegen. "Aus Sicherheitsgründen", so David, "damit wir uns nicht verirren." Wie wild das Terrain trotz der Menschenmassen dennoch war, bewiesen die zahlreichen Lebensmittel-Plünderungen durch Schwarzbären. "Einer hat uns sogar die ganzen Süßigkeiten weggefressen", sagt der 15-Jährige und lacht. "Der hatte danach bestimmt einen Zuckerschock."

    Doch auch das Traditionelle, das sich die beiden Lohrer Teenager zu Beginn der Reise vorgenommen hatten, wurde umgesetzt: Das obligatorische Tauschen der heimischen Aufnäher und vor allem der Halstücher.

    Teresa hat es gleich auf vier Täusche gebracht. Stolz präsentiert sie ihre Sammelstücke, vor allem das von der taiwanesischen Abordnung sei eine echte Seltenheit, führt sie aus. "Das war das Größte in meinem Leben und wird es vielleicht auch bleiben", blickt David zurück. Für ihn steht fest, dass er in vier Jahren in Südkorea wieder dabei sein möchte. Dann aber nur als Begleiter.

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