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    Gemünden

    Deal: Mildere Strafe für umfassendes Geständnis

    Das Amtsgericht in Gemünden. Foto: Michael Mahr

    Es hätte eine langen Verhandlung geben können, die bis weit in die Abendstunden gereicht oder gar noch einen Fortsetzungstermin gebraucht hätte. Doch die Verteidigung, das Gericht und auch die Staatsanwaltschaft waren an einer Beschleunigung des Verfahrens gegen einen 26-jährigen Zeitsoldaten interessiert. Er war der Körperverletzung angeklagt. Im Gegenzug zu einem umfassenden und ehrlichen Geständnisses des Mannes stellte Strafrichterin Katrin Heiduck eine mildere Strafe in Aussicht.

    Es war am 16. Juni 2018 gegen 3.30 Uhr, als es bei einem  Beatabend in Rieneck zu einer Schlägerei gekommen war. Der 26-jährige Mann aus dem Raum Gemünden hatte seinem Gegenüber mit Faustschlägen ins Gesicht das Jochbein und das Nasenbein gebrochen sowie eine Fraktur der Augenhöhlen herbeigeführt. Anschließend wollte er dem Bruder des Verletzten und dessen zwei Freunden "an den Kragen".

    Nebenkläger sind einverstanden

    In einem Gespräch unter Ausschluss der Öffentlichkeit erörterten Gericht, Verteidigung, Nebenklage und Staatsanwalt die Straftat und die beruflichen Konsequenzen bei einer Verurteilung des 26-jährigen Soldaten. Dabei schlug die Verteidigung ein umfangreiches und ehrliches Geständnis vor. Dem Gericht bliebe dadurch die aufwändige Einvernahme von insgesamt vorgesehenen zwölf Zeugen erspart. Im Gegenzug dazu erwartete der Verteidiger die Verurteilung seines Mandanten zu einer Freiheitsstrafe von unter einem Jahr, die zur Bewährung ausgesetzt werden soll. Hinzu kommen sollten finanzielle Auflagen.

    Der Vertreter der Nebenkläger signalisierte sein Einverständnis damit und kündigte im Adhäsionsverfahren die Forderung an, dass der Angeklagte eine Schadenswiedergutmachung leistet und Schmerzensgeld zahlt sowie die anwaltlichen Kosten des Opfers übernimmt. Die Staatsanwaltschaft wollte dagegen an ihrer Forderung einer Verurteilung wegen Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten festhalten.

    Längere Freiheitsstrafe hätte berufliche Konsequenzen

    Bei der Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr wegen einer vorsätzlichen Tat wird ein Beamter aus dem Öffentlichen Dienst entfernt. Damit stand für den Angeklagten die berufliche Zukunft auf der Kippe. Vor diesem Hintergrund zeigte sich die Strafrichterin trotz des Widerstands der Staatsanwaltschaft zu einem "besonderen Deal" bereit, wie ihn das Gesetz auch erlaubt. Sie stellte eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von sieben bis elf Monate in Aussicht, die zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Dazu noch die umfangreichen Bewährungsauflagen. Endgültig verhandeln will sie darüber am 18. Dezember.

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