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    Marktheidenfeld

    Den Charakter gewachsener Ortskerne bewahren

    Aus der Luft erkennt man den Charakter einer Gemeinde recht gut. Dieses Archivbild von 2011 zeigt Marienbrunn. Foto: Adolf Spreng/Film-Photo-Ton-Museumsverein

    Die gewachsenen Ortskerne in den Stadtteilen sollen ihren Charakter und ihre Ortsbild prägenden Elemente bewahren und künftige bauliche Veränderungen sich da möglichst harmonisch einpassen. Mithelfen will die Stadt Marktheidenfeld mit einem kommunalen Förderprogramm, für das Gestaltungsrichtlinien und die Kerngebiete der jeweiligen Stadtteile zu definieren sind. Ausgearbeitet und am Donnerstagabend im Stadtrat vorgestellt hat das Sanierungsbeauftragte Ulrike Hesse vom Büro Rittmannsperger aus Darmstadt. Zu dem eigentlich vorgesehenen Stadtratsbeschluss kam es in der Sitzung jedoch nicht.

    Solche Schwarzpausen der Stadtteile wurden in der Sitzung gezeigt, um den Ortscharakter deutlich zu machen. Sie sind auch in den Gestaltungsfibel enthalten. Es handelt sich um Zimmern, Oberwittbach, Marienbrunn, Michelrieth, Altfeld und Glasofen. Die Auflösung finden Sie im Text. Foto: Grafik: Jutta Glöckner/Vorlage Rittmannsperger Architekten

    Seine Fraktion sehe sich "wegen des großen Beratungsbedarfs" nicht dazu in der Lage, einen Beschluss zu fassen, sagte schon eingangs Christian Menig von der CSU. Wie sich in der späteren Diskussion erwies, sind weniger die Details der Gestaltungsfibel strittig, sondern das dazu entworfene kommunale Förderprogramm. Die auf 5000 Euro begrenzte maximale Fördersumme erschien nicht nur Michael Müller als zu gering. Helmut Adam brachte es auf den Punkt: "Das ist kein Förderprogramm, das in die Zukunft gerichtet und dazu geeignet ist, in den Stadtteilen irgendetwas zu bewegen." Für die in Aussicht gestellten Summen lasse sich niemand in eine Baumaßnahme hineinreden, meinte er. 

    "Wie viel Geld wollen und können wir in die Hand nehmen?"
    Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder

    Wie es denn andere Städte und Orte handhaben würden, wollte Renate Schneider von der Planerin wissen. Das sei ganz unterschiedlich, meinte Hesse. Die Gestaltungsprogramme bewegten sich in einer Größenordnung wie in Marktheidenfeld, aber es gebe auch andere Modelle je nach Zielrichtung. So wusste sie, dass die Stadt Miltenberg jährlich einen Topf von einer Million Euro insgesamt für die Förderung privater Vorhaben zur Verfügung stellt. Der jetzige Vorschlag für Marktheidenfeld sieht vor, "dass bis zu 30 v. H. der förderfähigen Kosten, höchstens jedoch 5000 Euro von der Stadt Marktheidenfeld als Zuwendung gewährt werden können." Die Investitionshöhe muss mindestens 10 000 Euro betragen.

    "Wie viel Geld wollen und können wir in die Hand nehmen?", warf Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder die Kernfrage in den Raum. "Das müssen wir diskutieren." Als Grundlage, so meinte ihr Stellvertreter Martin Harth, solle die Verwaltung "zwei, drei Varianten vorlegen". Und man sollte Anreize schaffen, um das Leben in den Ortskernen zu halten. Wenn jemand ein Haus aus den 1960er Jahren umbaue oder saniere, so sein Beispiel, dann bekomme er nach der jetzigen Förderkulisse nichts.   

    Ulrike Hesse meinte, dass sich dies über Familien- oder Kinderzuschüsse steuern lasse. Das seien die richtigen Instrumente und auch hier könne die Stadt beispielsweise vorgeben, dass solche Förderzusagen auf die Ortskerne begrenzt sind. Michael Müller sah sogar Abrisse als förderwürdig an, wenn für ein ungenutztes Gebäude dafür im Altort ein Neubau entstehe.

    "Es werden keine Kunststofffenster untersagt. Wesentlich ist da die Gliederung."
    Sanierungsbeauftragte Ulrike Hesse nennt ein Beispiel

    In der Gestaltungsfibel selbst sind die Stadtteile Michelrieth, Altfeld, Oberwittbach, Glasofen, Marienbrunn und Zimmern kurz beschrieben und ihre typischen Gestaltungselemente aufgezeigt. Die Fibel gibt Empfehlungen für gute und förderwürdige Sanierungsmöglichkeiten. Hesse betonte, dass es sich nicht um eine Satzung handele, die klare Vorgaben mache, sondern eine Fibel größere Spielräume ermögliche. "Sie ist auf die wesentlichen Punkte beschränkt." Ein Beispiel: "Es werden keine Kunststofffenster untersagt. Wesentlich ist da die Gliederung."   

    Erhaltenswürdiges haben die Architekten bei ihren Ortsrundgängen reichlich gefunden. Ulrike Hesse war angetan von den historischen Gebäuden, von Sandsteingewänden, Holzzäunen, Gartenmäuerchen und typisch fränkischen Hausdächern, von Höfen und Bauerngärten. Bürgermeisterin Schmidt-Neder bilanzierte zufrieden: "Sie haben festgestellt, wie lebens- und liebenswert unsere Stadtteile sind." "Gut Ding braucht Weile", kommentierte sie die Dauer von eineinviertel Jahren von der Beschlussfassung über den Auftrag bis zur jetzigen Beratung. Ziel sei es, die Bauherren frühzeitig zu informieren und mit der Gestaltungsfibel eine Orientierung zu geben. Die Beratung in den Stadtteilen werde durchaus nachgefragt. 

    Auflösung der Grafik: 1 - Marienbrunn, 2 - Oberwittbach, 3 - Zimmern, 4 - Altfeld, 5 - Michelrieth und 6 - Glasofen.

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