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    Lohr

    Denkzettel für Gefangenenbefreier aus der Lohrer Krawallgruppe

    Vor einem Jahr versuchte eine Gruppe junger Leute zu verhindern, dass die Polizei einen per Haftbefehl gesuchten Kumpel in der Lohrer Haaggasse festnahm. Nun standen vier von ihnen selbst vor Gericht.  Foto: Friso Gentsch

    Sie sprühten und stahlen, traten und drohten, sie zerstörten, was grade auf ihrem Weg stand: Im vergangenen Jahr häuften sich Delikte dieser Art in Lohr auffällig. Keineswegs waren es immer die selben jungen Leute, die dafür verantwortlich waren, wie Polizeichef Wolfgang Remelka mehrfach betonte. Wohl aber war eine lose Gruppe von überwiegend Teens und Twens auszumachen, auf deren Konto etliche Fälle von Sachbeschädigungen und Straftaten ging. Sie waren im Krawallsommer 2018 vor allem im Bereich zwischen Wöhrde, Skaterplatz und Mainlände unterwegs. 

    Dagegen blieb es im Sommer dieses Jahres vergleichsweise ruhig. Hauptursache dafür scheint zu sein, dass der Rädelsführer besagter Gruppe, ein damals 20-Jähriger aus dem Raum Karlstadt, eine Haftstrafe verbüßt. Die Polizei hatte ihn im Oktober 2019 festgenommen, nachdem er eine einjährige Haftstrafe nicht angetreten hatte und per Haftbefehl gesucht worden war. Wegen weiterer Straftaten sind daraus inzwischen zwei Jahre geworden. Er sitzt also noch ein.

    Versuchte Gefangenenbefreiung: Vier Jugendliche vor Gericht

    Am Montag nun sollten vier Jugendliche oder Heranwachsende vor dem Jugendrichter am Amtsgericht Gemünden stehen – angeklagt wegen Widerstands und tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte, Beleidigung und versuchter Gefangenenbefreiung: Sie hatten versucht, die Festnahme des damals 20-Jährigen zu verhindern, wie Oberstaatsanwalt Boris Raufeisen auf Anfrage mitteilte. 

    Indes kamen drei von ihnen offenbar ungeschoren davon. Die Hauptverhandlung am Montag habe sich nur noch gegen einen zur Tatzeit 17-jährigen Angeklagten gerichtet, berichtet Raufeisen von der nicht-öffentlichen Verhandlung. Das Verfahren sei mit Zustimmung aller Beteiligten gegen Auflagen eingestellt worden. 

    Was mit Leuten aus dem Umfeld der Krawallgruppe passiert ist

    Es war nicht der einzige Fall, in dem Jugendliche aus dieser losen Gruppierung eine Rolle spielten. Weil ein Großteil der Prozesse zum Schutz der Jugendlichen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet, wird wenig davon publik. Polizeichef Remelka jedoch kann vier Vorfälle nennen, die einen klaren Bezug zu dieser Gruppe haben. 

    Symbolbild: Justizvollzugsanstalt Foto: Thomas Obermeier

    Welche Täter ermittelt wurden, die nichts mit der Krawallgruppe zu tun hatten

    Immer wieder aber betont Remelka: Längst nicht alle Straftaten junger Menschen sind der Gruppe zuzuordnen. Auch wenn es heuer deutlich ruhiger war als im Krawallsommer, sind doch auch andere Gruppen und Einzeltäter aktiv. Einige der geklärten Fälle listet der Polizeichef in diesem Zusammenhang auf: 

    Indes blieben die Ordnungsbehörden nicht untätig und reagierten auf den Krawallsommer 2018 – trotzdem Remelka schon im Mai dieses Jahres eine "leichte Entspannung" festzustellen glaubte. Zu diesem Zeitpunkt waren zwei 17-jährige Mädchen wegen versuchter Gefangenenbefreiung, Beleidigung und tätlichen Angriffen gegen Vollstreckungsbeamte zu zweiwöchigen Jugendarresten verurteilt worden, stand der 36-Jährige Schläger aus dem Raum Lohr kurz vor Antritt seiner zehnmonatigen Haftstrafe

    Sicherheitswacht: Stadtverwaltung blitzt mit Antrag ab

    Demnächst werde die Polizei auch von weiteren zivilen Kräften unterstützt, führte Bürgermeister Mario Paul im Mai aus: Nach dem städtischen Verkehrsüberwacher sollten weitere Rathaus-Bedienstete für den kommunalen Ordnungsdienst ausgebildet werden und dann in Zivil mit uniformierten Beamten auf Streife gehen, erklärte er gegenüber der Redaktion.

    Resultat war ein Antrag der Stadtverwaltung, eine Sicherheitswacht einzuführen. Doch dieser fiel bei der Abstimmung im Stadtrat vergangene Woche mit 6:14 Stimmen durch. 

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