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    Lohr

    Der Lohrer Weihnachtsmarkt auf dem Prüfstand: Droht das Ende?

    Eines scheint festzustehen: In der bisherigen Form wird es keinen Weihnachtsmarkt mehr geben. Womöglich muss auch der Grüne Markt umorganisiert werden. Warum das?
    Soviel steht anscheinend fest: Den Lohrer Weihnachtsmarkt in der Aufstellung wie dieses Jahr wird es im Dezember 2020 nicht mehr geben. Foto: Roland Pleier

    Der Lohrer Weihnachtsmarkt ist am Ende. Zumindest in der Form, in der er sich dieses Jahr präsentierte. Zwar greifen bei der Organisation mehrere Einrichtungen zusammen. Doch alleiniger Veranstalter ist die Werbegemeinschaft Lohrer Handel & Gewerbe. Und deren Vorsitzende Angelika Winkler sagt: "Wo wie er gewachsen ist, wird es ihn nicht mehr geben."

    Mehr noch: "Wir werden uns als alleinige Veranstalter zurückziehen." Was nicht zwangsläufig das Aus für den Markt bedeuten muss. Denn Winkler signalisiert auch, dass die Werbegemeinschaft mit ihren 117 Mitgliedern weiterhin bereit sei, sich mit Budget und Engagement einzubringen. 

    Es braucht einen Stellplatz für die Drehleiter der Feuerwehr am Alten Rathaus

    Zum Hintergrund: Am Montagmorgen – die Buden waren noch nicht abgebaut – trafen sich die Beteiligten zu einem Gespräch mit den Sicherheitsbehörden. Dabei habe die Lohrer Feuerwehr ganz klar signalisiert, dass die Buden entlang des Alten Rathauses zu eng stehen und eine durchgängige Durchfahrt von mindestens 3,50 Meter nicht gewährleistet ist. Außerdem fehlten Bereitstellungsflächen für die Feuerwehr- oder Rettungsfahrzeuge. So brauche es einen Stellplatz für die Drehleiter für den Fall, dass das Alte Rathaus brennt. Die Folge: die bisherige Budengasse wird aus Sicherheitsgründen wohl nicht mehr genehmigt. Dies betreffe im übrigen auch den Bauernmarkt, ergänzt Winkler.

    Was sich im Laufe der Zeit verändert hat

    Dazu kommen aber eine ganze Reihe weiterer Gründe, wie Winkler auf Anfrage der Redaktion ausführt. Als am 8. Dezember 1989 der erste "Lohrer Christkindles-Markt" auf dem Schlossplatz eröffnet wurde, war die Konkurrenz noch überschaubar. "Zehn Tage, und das in der Innenstadt – das war ein Pfund", blickt sie zurück. Doch das hat sich im Laufe der Jahre drastisch verändert. "Wir tun uns schwer, Budenbetreiber zu finden", führt Winkler aus. Auch die Kinder-Attraktionen kosteten inzwischen Geld. Keiner sei mehr bereit, wie früher üblich Standmieten zu zahlen.

    Dazu kämen versicherungstechnische Fragen: "Wer haftet, wenn was passiert?" Bimmelbahn und Karussell beispielsweise, deren Mietkosten Stadt, CSU und die advita Pflegedienst GmbH übernommen haben, seien von Helfern des Jugendzentrums, der SPD, der Welthungerhilfe, des TSV, des Projekts "Lohr und Plan" und den Sendelbacher Pfadfindern betreut worden. "Da hab ich echt Bauchweh", bekennt die Vorsitzende der Werbegemeinschaft. 

    Die kleinen Sorgen, die noch dazu kommen

    Dazu kämen "unschöne" Vorkommnisse, dass Unbekannte nächtens die Dekoration mutwillig beschädigten, dass Schaufenster zugestellt werden, Feuerkörbe bemängelt werden, der versprochene Stromkasten für die Stände in der Färbergasse immer noch fehle, das Weihnachtsshopping bis 21 Uhr vom Landratsamt nur genehmigt werde, wenn es mit einem kulturellen Programm gekoppelt sei. 

    Kurzum: Trotz des "bravorösen" Einsatzes des Bauhofs (etwa beim Aufbau der Buden), trotz der Hilfe der Tourist-Info, die sich finanziell beteiligt und für das Begleitprogramm sorgt, und trotz des enormen Engagements von Handballern und Fußballern des TSV Lohr – der Werbegemeinschaft wird alles zusammen zu viel. Schließlich sei es für die Werbegemeinschaft die längste und teuerste Veranstaltung. Und dass eine Werbegemeinschaft überhaupt als alleiniger Veranstalter auftrete, komme allenfalls bei fünf Prozent aller Weihnachtsmärkte vor.

    Handballer in der Weihnachtsmarkt-Depression

    Christiane Werthmann von der Handballabteilung des TSV Lohr stürzt die Nachricht von der Besprechung regelrecht in eine "Weihnachtsmarkt-Depression". "31 Jahre hat das alles funktioniert", seufzt sie und fürchtet, dass für die Handballer nun alles den Bach runter geht. Rund 80 Helfer waren es, die selbst gebrauten Schneewittchen-Glühwein und Feuerzangenbowle, Bohnensuppe und Waffeln anboten.

    Zu eng gestellt, da ist im Notfall kein Durchkommen mehr für Feuerwehrfahrzeuge: Die Buden des Weihnachtsmarkts in der Hauptstraße vor dem Abbau am Montag. Foto: Roland Pleier

    Den Schneewittchen-Stollen mit Zutaten in Schneewittchenfarben (rote Cranberrys statt Rosinen, dunkler Kakao für das Schwarz sowie Puderzucker und getrocknete Äpfel für das Weiß) wollten sich die Handballer sogar schützen lassen. "Wenn der Weihnachtsmarkt stirbt, können wir uns das schenken", so Werthmann. 

    Warum ein Ende den TSVlern so weh täte

    Mit dem Umsatz waren die Handballer angesichts des teilweise widrigen Wetters "ganz zufrieden". Immer wieder habe sie Bitten gehört: "Warum macht Ihr nicht länger auf?" Nachdem sich der TSV von seinem Altstadtfest und dem Pfingstturnier verabschiedet hatte, hat sich der Weihnachtsmarkt in den vergangenen 20 Jahren als stabile Einnahmequelle etabliert. "Ein paar Hallenmieten können wir damit schon bezahlen", deutet sie an. Ähnlich dürfte es bei den Fußballern sein, die mit ebenso großem personellen Einsatz Bratwurst, Züngelchen und Wein in ihrer Bude am Unteren Marktplatz anboten.

    Die Stadt Lohr legte am Dienstag auf Anfrage die aktuellen Zahlen aus ihrer Sicht vor. Demnach kümmert sich der Bauhof um Lagerung, Auf- und Abbau der Buden und beschafft er die Weihnachtsbäume. Der Kostenbeitrag der Werbegemeinschaft beläuft sich laut Auskunft der Pressestelle auf 140 Euro pro Bude – "was nur einen Bruchteil der Gesamtkosten ausmacht."

    Was die Stadt Lohr zum Gelingen beiträgt

    Die Gesamtkosten des Bauhofs für den Weihnachtsmarkt 2018 hätten sich auf knapp 11 000 Euro summiert, finanziert über den Tourismus-Etat. Demgegenüber habe die Werbegemeinschaft im vergangenen Jahr in der Summe nur 2700 Euro getragen. 

    Darüber hinaus finanziere die Stadt den Auf- und Abbau der 4,5 Kilometer langen Lichterkette durch die Altstadt, übernehme die Touristinfo einen Großteil der Marketingkosten (rund 2500 Euro) sowie das komplette Rahmenprogramm (rund 1000 Euro). Auch beteiligte sich die städtische Sing-und Musikschule am Rahmenprogramm.

    Wie das Ordnungsamt arbeitet

    Das Ordnungsamt bearbeite "proaktiv sämtliche Anträge für die Durchführung", als da sind die vorübergehenden Gaststättenerlaubnisse für die jeweiligen Stände, das Einholen der Ausnahmegenehmigung nach Ladenschlussgesetz bei der Regierung von Unterfranken, sämtliche verkehrsrechtlichen Anordnungen für Sperrungen und das Erteilen von Ausnahmegenehmigungen zum Befahren der Fußgängerzone, hebt Pressesprecher Dieter Daus das Engagement der Stadt hervor. 

    Insbesondere sehe es die Stadtverwaltung als problematisch an, wenn zum Weihnachtsmarkt auch noch der Grüne Markt oder der Bauernmarkt hinzukommt (Winkler: "Die basteln sich dann zwischen die Buden rein"). Die städtische Marktsatzung sehe eigentlich vor, dass diese beiden Märkte während des Weihnachtsmarktes auf den Schlossplatz ausweichen. "Auf Drängen der Marktstandbetreiber sowie der Werbegemeinschaft wurde dies in den letzten Jahren aber so nicht umgesetzt", führt Daus aus.

    Fazit der Stadt und der Werbegemeinschaft

    Fazit aus Sicht der Stadt: Die Feuerwehr werde noch ein ausstehendes Abstimmungsgespräch hinsichtlich der Situation am Alten Rathauses abwarten. Voraussichtlich im Februar soll eine Besprechung mit allen Akteuren zum Weihnachtsmarkt 2020 stattfinden. Resümee aus Sicht der Werbegemeinschaft: "Wie es weiter geht? Das ist ein weißes Blatt Papier", sagt Winkler. "Wir müssen den Weihnachtsmarkt komplett neu denken." Ob er auf den Schlossplatz zurückkehrt, in Form eines Rundgangs angelegt wird oder auf nur noch ein intensives Wochenende verkürzt wird, seien nur drei denkbare Varianten. "Wir spielen alle Möglichkeiten durch und hoffen, dass wir eine Lösung finden."

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