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    Burgsinn

    Der Sinngrund will zeitgemäße Bahnstationen

    2024 wird die Bahnstrecke Gemünden-Flieden komplett gesperrt. Dann sollten auch die Haltepunkte aufgerüstet werden, fordern die hiesigen Politiker von Bund und Bahn.
    Die Teilnehmer am ersten Runden Tisch für einen barrierefreien Ausbau der Bahnstationen Rieneck, Burgsinn, Mittelsinn und Obersinn. Die Deutsche Bahn wurde vertreten durch Elmar Hirsch (Fünfter von rechts).
    Die Teilnehmer am ersten Runden Tisch für einen barrierefreien Ausbau der Bahnstationen Rieneck, Burgsinn, Mittelsinn und Obersinn. Die Deutsche Bahn wurde vertreten durch Elmar Hirsch (Fünfter von rechts). Foto: Michael Fillies

    Die Erfolgsaussichten sind ungewiss, doch haben die führenden hiesigen Politiker am Donnerstag mit Optimismus eine neue Initiative zur Stärkung des Sinngrunds und des öffentlichen Personenverkehrs gestartet: Die Haltestationen der Deutschen Bahn in Rieneck, Burgsinn, Mittelsinn und Obersinn sollen binnen sechs Jahren komplett barrierefrei und damit für alle Menschen nutzbar werden. 

    Nächstes Treffen im Februar

    "Barrierefreiheit der Bahnanlagen im Sinngrund" ist das Motto eines Runden Tisches, dessen Mitglieder am Donnerstagvormittag im Rathaus Burgsinn zum ersten Mal zusammenkamen. Im Februar wird die nächste Sitzung sein. Bis dahin sollen bereits erste konkrete Schritte unternommen sein, gaben der Gemündener Bürgermeister Jürgen Lippert und Bundestagsabgeordneter Alexander Hoffmann (CSU) vor. Initiiert haben den Runden Tisch Hofmanns Kollege Bernd Rützel (SPD) und Obersinns Bürgermeisterin Lioba Zieres, die am Donnerstag auch den Vorsitz führte. Weitere Teilnehmer waren unter anderem Landrat Thomas Schiebel, die Bürgermeister beziehungsweise ihre Stellvertreter der Sinngrundkommunen, Landtagsabgeordnete Kerstin Celina (Grüne) sowie Behördenvertreter; Staatssekretärin Anna Stolz ließ sich vertreten.

    Was die 16-köpfige Runde antreibt, ist die "Grundsanierung" der Bahnstrecke Gemünden-Flieden samt der Schienen, Weichen, Brücken und Tunnel. Dafür wird die Strecke das Jahr 2024 über  komplett gesperrt. Diese "historische Stilllegung", so Bürgermeisterin Zieres, solle die Bahn für den barrierefreien Ausbau der Haltepunkte nutzen und "Mütter mit Kinderwagen oder Rollstuhlfahrer nicht einfach sitzen lassen". Elmar Hirsch, der Leiter des Bahnhofsmanagements Würzburg und Verbindungsmann der Runde zur Bahn, zeigte sich zugänglich. Er teilt die Ansicht, dass die Gelegenheit beim Schopfe zu packen wäre: "Ideal wäre es, kostengünstiger und schneller."

    Bundestag in der Verantwortung

    Elmar Hirsch schränkte aber ein, seine Abteilung, die Bahn-Tochter "DB Station&Service AG", allein bewirke nichts: "Ich sag's offen, ich habe keine Lösung." Grundsätzlich sei die Politik gefragt, vor allem im Bund, denn der Bundestag letztlich setzt der Bahn den finanziellen Rahmen. Bundestagsabgeordneter Alexander Hoffmann stimmte ihm zu. Bernd Rützel und er müssten die Voraussetzungen und die Möglichkeiten für den barrierefreien Ausbau ausloten und dann im Februar eine Zwischenbilanz vorlegen. Hoffmann: "Wir müssen Klinken putzen, auch im Hinblick auf den (Bundes-)Haushalt." Rützel zeigte sich verärgert, dass Klaus-Dieter Josel, der Konzernbevollmächtigte der DB für den Freistaat Bayern, der Einladung nach Burgsinn nicht gefolgt war und verlangte für das nächste Treffen: "Der muss herkommen."

    Auch wenn in Burgsinn die Bahnsteige zum besseren Ein- und Aussteigen angehoben werden, bleiben doch die Treppen, die für einige Personengruppen nicht oder kaum zu bewältigen sind.
    Auch wenn in Burgsinn die Bahnsteige zum besseren Ein- und Aussteigen angehoben werden, bleiben doch die Treppen, die für einige Personengruppen nicht oder kaum zu bewältigen sind. Foto: Jürgen Gabel

    Was dem Ausbau der Bahnhöfe und Stationen entgegensteht, ist die für solche Investitionen zu erreichende Zahl zu- und aussteigender Fahrgäste von mindestens 1000 am Tag. Hofmann und Rützel schränkten ein, dass diese (willkürlich gezogene) Grenze nicht das einzige Kriterium sein dürfe. Die Vollsperrung 2024 "ist eine einmalige Chance", so Rützel, einfach und günstig zu bauen. Landrat Schiebel zweifelte den Sinn der Begrenzung auf über 1000 Reisende an: "Die Logik erschließt sich mir nicht. Entweder wir machen Barrierefreiheit oder nicht." Die Entscheidung dürfe nicht von der Nutzerfrequenz abhängen.

    Fahrgastzahlen viel zu gering

    Elmar Hirsch legte die Fahrgastzahlen 2019 vor: Rieneck 117, Burgsinn 292, Mittelsinn 107 und Obersinn 115 - "das ist weit weg von 1000". Der technische Zustand einer Station könne ein Grund sein, die 1000er-Grenze zu unterschreiten - das sei in Jossa und wohl auch in Sterbfritz der Fall, die im weiteren Verlauf der Strecke tatsächlich barrierefrei ausgebaut werden. Des Weiteren gibt es laut Hirsch für kleine Stationen Sonderprogramme, die aktuell Partenstein, Laufach und Hösbach nutzen. Und wenn eine Station aus technischen Gründen saniert werden müsse, dann ohne Aufzug und Rampe, aber so, dass sie leicht nachrüstbar sind. "Das ist das aktuelle Regelwerk." Verstöße dagegen würden von den Rechnungshöfen gerügt, warb Hirsch um Verständnis.

    Burgsinn kommt, wie bereits Rieneck, in ein Bauprogramm, mit dem die Bahnsteige auf 76 Zentimeter (über Schienenhöhe) angehoben werden. Dass auch Obersinn in dieses Programm aufgenommen werde, dafür stehen laut Elmar Hirsch die Chancen gut. Für Mittelsinn gebe es keinen zwingenden Grund, da hier der mittlere Bahnsteig 55 Zentimeter hoch ist, nicht nur 38 Zentimeter wie in den anderen Orten. Diese Verbesserungen sind dem Runden Tisch zu wenig: Dass die Bahn für alle Menschen nutzbar wird, damit ihre Attraktivität steigt und mehr Fahrgäste gewonnen werden, das sei das Gebot unserer Zeit.

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