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    MARKTHEIDENFELD

    Der Straßenköter hat den Blues

    Der Marktheidenfelder Bernd Rinser hat die drei ersten LPs eines fünfteilig geplanten Zyklus herausgebracht, den er „Roo... Foto: Bernd Rinser

    Kenner und Fans sagen, Musiker wie der Marktheidenfelder Bernd Rinser würden offenbar immer seltener: eine starke Persönlichkeit, authentisch, mit Mut zur ganz eigenen musikalischen Richtung und dabei kompromisslos dem Song verpflichtet. Jetzt bringt Rinser den ersten Teil seines sehr ambitionierten Werkes „Rootsrock“ heraus.

    Der „Rolling Stone“ schrieb einmal: „Es ist etwas Weites in dieser versiert gespielten und gebrochen romantischen Musik, die zum Beispiel Willy de Ville in ähnlicher Weise hätte einfallen können.“ Wenn Rinser solo unterwegs ist, spricht er von „Folk songs“ und „Street dog (Straßenköter) blues.“ „Rootsrock“ aber ist ein besonderes Projekt, nämlich mit einer Band.

    Die musikalischen Einflüsse, die er nennt, haben dabei zu einer ganz eigenen Identität geführt. „Du klingst wie ein ,Kraut‘, der lange Zeit in den Staaten lebt“ sei das „höchste Kompliment“, das man ihm bei seinen USA-Reisen gemacht hat. Er hat mit zahllosen „native speakers“, vor allem im Süden der USA, Englisch gesprochen. So klingen seine Texte auch authentisch: „Das Leben liefert neue Geschichten fast täglich.“

    Bei einem TV-Interview hatte er vor Jahren angekündigt, zwei Platten machen zu wollen, eine mit Fingerpicking, eine mit einer Band. Die Suche nach den richtigen Musikern hierfür begann vor fünf Jahren, aber erste Probeaufnahmen enttäuschten, denn für das, was er vorhatte, würde es keine halben Sachen geben dürfen.

    Die Musiker, die er schließlich fand, hatten starke Wirkung. So sagt er zum Beispiel über den Bassisten Bernhard Schönke, einen „Bruder im Geiste“: „Der wusste genau, wie ich mir die Songs wünschte, wir haben gerade mal gefühlte zehn Sekunden lang einmal eine abweichende Auffassung gehabt.“ Und er betont weiter: „Mir ist es egal, vor wievielen Leuten ich spiele, aber diese Band muss zu einem echten Klangkörper werden. Nur darum geht es.“

    Nach dem Zusammenspiel mit Schönke („auch in seinem Hauptberuf ein sehr strukturierter Mensch“) war man auf einmal bei dreieinhalb Alben, und durch die Ideen und Beiträge von Matthias Nölting (Tenor-, Alt-, Bariton-Saxophon) plötzlich bei viereinhalb. Bis 2019 werden es dann fünf LPs/CDs ausschließlich mit Eigenkompositionen sein, drei sind jetzt auf dem Markt: „Evil, wild and blue“, „Split pea shell“ und „Street dog blues“.

    „Ich wollte auch alte Songs noch mal so einspielen, wie ich sie mir wirklich vorstelle. Vieles aus meinem früheren Album ,Got you‘ klingt jetzt anders, mehr New-Orleans-Style, locker-flockig dank Trompeter Matthias Köckeis und Schlagzeuger Jens Biehl, der eigentlich Jazzer ist, aber auch bei Blues-Stücken Klasse zeigt.“ Zur Pressung auf Vinyl/CD sagt er: „Ich will den Sound der 70er Jahre auf heutigem Niveau, nicht diesen ,Klebe-Klang‘, den man auf viel zu vielen aktuellen CD-Veröffentlichungen findet.“

    Die LPs liegen alle im Klappcover in hervorragender Qualität vor. Rinser: „Für das kleine Presswerk war ich fast so etwas wie ein Großauftrag.“ Jeweils liegt ein begleitendes Textblatt bei und eine song-gleichen CD, die zusätzlich ein paar Instrumentals enthält. Jede LP ist eine eigenständige, in sich abgeschlossene Sache, hat ihr eigenes Gesicht, fügt sich aber ins Konzept. Die beiden LPs, die es dann ab 2019 geben wird, schließen den Kreis: Auf der einen werden „jene rockigen und dreckigen Ecken ausgeleuchtet, die als eher untypisch für Folk und Blues stehen,“ während die fünfte „live nur mit einer großen Besetzung“ umzusetzen sein wird.

    Wer hineinhört in Rinsers Werke, stellt fest: Es hat sich gelohnt. Mehrere kompetente Radio-Redaktionen hätten schon ihr Interesse auch durch Interview-Nachfragen bekundet, so der Marktheidenfelder Musiker.

    Die Platten gibt es unter www.berndrinser.de und in gut sortierten Plattenläden.

    Bernd Rinser

    Der gebürtige Oberbayer Bernd Rinser ist „gelernter Schreiner mit Semester“. Der Marktheidenfelder Musiker managt sich selbst, gibt mindestens 100 Konzerte im Jahr, wobei er locker 30 000 Kilometer zurücklegt. Er lebt seit etwa zehn Jahren in Marktheidenfeld. Johnny Cash, dessen Musik er schon früh kannte, die Songs aus der Zeit des legendären Woodstock-Konzerts und ein paar gute Bluesplatten plus die Geradlinigkeit etwa von den „Stooges“ oder „Velvet Underground“ waren Auslöser, sich mit Musik zu beschäftigen und sie sich autodidaktisch beizubringen. An anderer Stelle schrieben Kritiker über ihn: „Die Frage, ob er in erster Linie Bluesmann mit einer Vorliebe für Poesie oder eher Singer/Songwriter mit einer Vorliebe für Blues ist, stellt sich dabei nicht wirklich. Seine exzellent komponierten Songs sind so überzeugend wie authentisch. Sie sind unsentimental, kunstvoll und doch voller Herzenstöne.“ (ay)
    ay

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