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    Main-Spessart

    Der neue Kreistag: Welcher Ort hat welche Partei gewählt?

    Der Kreistag steht endlich, die CSU ist der große Gewinner. Bei einer genaueren Analyse lassen sich jedoch spannende Muster erkennen. Fünf Beobachtungen zum neuen Kreistag.
    Der alte Kreistag bei einer Entscheidung im Jahr 2015.
    Der alte Kreistag bei einer Entscheidung im Jahr 2015. Foto: Andreas Brachs

    Der Kreistag ist endlich ausgezählt. Das Ergebnis: CSU hat 19 Sitze, die Freien Wähler 11, die Grünen 10, die SPD 8, UGM 4, Freie Bürger 3, AfD 2, Die Linke/Die Partei 1, die ÖDP 1 und die FDP 1. Es gibt jedoch noch Ergebnisse hinter diesen Ergebnissen, aus denen sich spannende Muster ableiten lassen.

    1. Die Hälfte des Kreistags wird ausgetauscht

    Rund die Hälfte des Kreistags wird ausgetauscht – ein großer Wandel. Bei den Freien Wählern beispielsweise standen nur vier der nun gewählten elf Räte bereits vor sechs Jahren auf der FW-Liste, darunter die "Grande Dame" Brigitte Riedmann aus Lohr. Staatsministerin Anna Stolz trat 2014 noch für die Freien Bürger an und wechselte im Lauf der Wahlperiode die Fraktion. Die Namen von Thomas Schiebel, Helga Schmidt-Neder, Paul Kruck, Heinz Nätscher und Günther Felbinger fehlen künftig auf der Liste. 

    Nicht ganz so groß war der Umbruch bei der CSU. Mit Rudi Hock (70) wurde der dienstälteste Kreisrat wiedergewählt, Manfred Goldkuhle liegt mit 30-jähriger Zugehörigkeit auf Platz zwei. Der frühere Staatskanzleichef Eberhard Sinner trat nicht wieder an, ebenso wie die Ex-Bürgermeister Linda Plappert-Metz, Otto Dümig und Richard Krebs. Ernst Prüße kandidierte, gewann aber keinen Sitz. 

    Bei der SPD ist Harald Schneider der erfahrenste Kreisrat. Seine Gattin, die frühere Bundestagsabgeordnete Heidi Wright, scheidet aus dem Gremium aus. Für die Grünen gewannen erfahrene Kreisräte die meisten Stimmen: Bärbel Imhof, Christian Baier, Mario Paul und Gerhard Kraft. Imhofs Tochter Hannah , erstmals angetreten, scheiterte knapp.

    Für die Linke zieht ein Neuling in den Kreistag ein. Mittsechziger Rudi Gosdschan saß 24 Jahre lang für die SPD im Karlstadter Stadtrat. Wer den einzigen Sitz für die ÖDP gewinnt, war lange spannend. Am Ende erhielt Michaela Schwab neun Stimmen mehr als Christine Pfrang und Torsten Ruf.

    2. Hat die UGM wirklich gewonnen?

    Mit vier Sitzen aus dem Stand scheint "Unabhängig – Gemeinsam – für Main-Spessart" (UGM) einer der Wahlsieger zu sein. Die Liste formierte sich deshalb neu, weil die Vertreter der Meinung waren, dass der Altlandkreis Marktheidenfeld bei vielen Dingen "hinten heruntergefallen sei". Dass die UGM dem Altlandkreis wieder mehr "Gewicht" geben soll, das sehen ihre Wähler genauso. So sammelte die UGM in Birkenfeld, Esselbach und Marktheidenfeld mit etwa 30 Prozent die meisten Stimmen aller Gruppierungen. Außerhalb des Altlandkreises schaffte es die UGM nicht mal in die Nähe ihrer insgesamt 6,15 Prozent.

    Wenn man schon mal durch die Altlandkreis-Brille schaut, hat der Marktheidenfelder Bereich dann künftig mehr Gewicht im künftigen Kreisrat? Die Arbeit kann man zwar noch nicht bewerten, aber wenn man "Gewicht" als Zahl der Kreisräte definiert, dann sagen die Zahlen: nein. Vergleichsbasis ist der Wahl-Zeitpunkt. Zwar schieden in der vergangenen Wahlperiode zwei Marktheidenfelder aus dem Kreisrat aus. Das könnte jedoch auch gut in der kommenden passieren.

    Demnach wurden am Sonntag 16 Kreisräte aus dem Marktheidenfelder Altlandkreis gewählt, 2014 waren es 15 plus Inge Albert. Die kommt zwar nicht aus Marktheidenfeld, ist dort aber dort Kulturamtschefin. 2014 wurden sogar zwei (direkte) Marktheidenfelder mehr in den Kreisrat gewählt als 2020. 

    Der Altlandkreis hat jetzt eine Gruppierung mehr, dafür aber weniger Sitze in den größeren Gruppierungen. Denn: Wie es jetzt aussieht, hat die UGM ihre Stimmen aus den größeren Fraktionen herausgezogen. Für die CSU saßen 2014 noch sieben aus dem Marktheidenfelder Altlandkreis im Kreisrat, 2020 sind es fünf. Bei den Freien Wählern sind es nur noch vier anstatt sechs, bei der SPD nur einer anstatt zwei und bei der AfD ist mit Kurt Schreck ein Erlenbacher wieder dabei. 

    Der neue Kreistag: Welcher Ort hat welche Partei gewählt?

    3. Kleine Orte kommen viel zu kurz

    21 Kommunen in Main-Spessart sind nicht durch einen ihrer Einwohner im Kreisrat repräsentiert. Triefenstein und Kreuzwertheim sind da mit um die 4000 Einwohner die größten Betroffenen. Auch keine Repräsentation im Kreistag haben Obersinn, Mittelsinn, Aura, Fellen, Wiesthal, Neuhütten, Rechtenbach, Neustadt, Rothenfels, Roden, Bischbrunn, Schollbrunn, Hasloch, Retzstadt, Himmelstadt, Gössenheim, Karsbach und Neuendorf. 

    Dem gegenüber stehen die großen Kreisstädte. Ganze 14 Karlstadter, neun Lohrer, sechs Gemündener und fünf Marktheidenfelder werden im künftigen Kreistag sitzen. Die Städte unterscheiden sich auch im Wahlverhalten ihrer Bürger. Lohr und Karlstadt wählen eher links und grün. Marktheidenfeld wählt vor allem sich selbst. Das Ergebnis in Gemünden bildet fast 1:1 das Gesamtergebnis ab. 

    4. Je größer der Ort, desto niedriger ist der AfD-Anteil

    Die AfD kam auf 3,91 Prozent der Stimmen und zwei Sitze im Kreisrat. Auffällig ist: Vor allem in kleinen Kommunen konnte die AfD punkten. Weit über das Gesamtergebnis kam die AfD in Dörfern wie Aura (7,39 Prozent, 813 Wahlberechtigte), Bischbrunn (10,64/1505), Obersinn (6,46/791), Schollbrunn (6,88/746) oder Ursringen (6,95/1165). Lediglich Kreuzwertheim als größere Kommune ist mit 6,3 Prozent weit über dem Landkreis-Schnitt bei der AfD. Marktheidenfeld und Gemünden liegen ziemlich genau im Schnitt. 

    5. Die Grünen sind in der Kommunalpolitik angekommen

    Lediglich in sieben der 40 Kommunen kommen die Grünen nur auf eine einstellige Prozentzahl. Im Vergleich: Bei den Freien Wählern ist das zwei Mal, bei der SPD 17 Mal der Fall. Alles in allem bleibt die CSU, trotz Verlust eines Sitzes, der Gewinner der Kreistagswahl. Die CSU hat nur in acht Kommunen nicht die Mehrheit der Stimmen bekommen. Diese acht Kommen teilen sich die Freien Wähler (4), die UGM (3) und die SPD (1) auf. 

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