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    Lohr

    Derbe Wortgefechte auf Hessisch

    Stück "Achtung Oma" des Darmstädter Kikeriki-Theaters. Kasper (links) kann es nicht fassen: Die Oma hat den Postboten (Detlef Kühner) geheiratet. Foto: Thomas Josef Möhler

    Suff und Sado-Maso-Spielchen, derbe Wortgefechte und Gewalt - das Puppenspiel "Achtung Oma" des Darmstädter Kikeriki-Theaters richtet sich nicht an Kinder. Unter dem Vorwand, den Generationenkonflikt zu thematisieren, entwickelt sich eine zunehmend bizarre Handlung. Rund 435 Besucher hatten am Donnerstag in der Stadthalle einen Riesenspaß daran.

    Damit war die Vorstellung fast ausverkauft, denn Karten für die Empore waren nicht im Angebot. Von dort aus hätte man in die Kulissen auf der Bühne hineinschauen können. Fünf singende Gaukler bildeten die Rahmenhandlung des Stücks vom "wahrscheinlich nicht besten, aber beklopptesten hessischen Theater.

    So drückte es Kikeriki-Gründer Roland Hotz gleich zu Beginn aus, der mit einem sagenhaft schnellen Schlappmaul die Kasper-Puppe im hessischen Dialekt sprach. Die Zuschauer sollten für die rund zwei Stunden der Verführung ihren Alltag und die Sorgen vergessen und lautstark lachen. Denn "es gibt keinen Sinn, aber es macht Spaß".

    Haus verloren

    Kneipengänger Kasper bekommt, noch schwer verkatert, vom Postboten (Detlef Kühner in einer der wenigen reinen Menschenrollen im Stück) einen Brief von der Oma zugestellt. Ein Immobilienhai hat ihr Haus gekauft und sie 'rausgeworfen. Und schon steht sie (gesprochen und gespielt von Bernd Körner) vor der Tür.

    Mit ihren qualmenden Zigarren und Sonderwünschen wie "e Wurstplättche ohne Zervelatwurst undKäs mit was Frischem aus'm Garte wie Gürkche, Tomätche und Silwerzwibbelche" treibt sie Kasper zum Wahnsinn. Für ihn bedeutet Oma "o mein Alptraum".

    Um sie wieder loszuwerden, bezirzt Kasper, als Oma verkleidet, den Immobilienhai Axel Schwitzer (ebenfalls Bernd Körner). Dieser ist im hormonellen Überschwang bereit, der Oma ihr Haus wieder zu überschreiben, und erweist sich als Sado-Maso-Anhänger. Mit der "Dala" (Dachlatte) wird er "nackisch" vom Kasper bewusstlos geprügelt, der voll in der Rolle als "Omina" aufgeht.

    In ein "Dudu-Duch" gewickelt, das wie die Dala 2in keinem perversen hessischen Haushalt fehlen darf", wird Schwitzer als angebliche Oma dem nicht sehr hellen, riesigen Sensenmann angedreht. Diesem war der Kasper in seiner Oma-Verkleidung am Abend vorher gerade noch von der Schippe gesprungen.

    Ein Happy End gibt es dennoch nicht. Denn die Oma fackelt mit einer Zigarre Kaspers Bude ab, heiratet den Postboten und schmeißt ihren Enkel aus dem zurückgewonnenen eigenen Haus: Kasper könne sich ja den Gauklern anschließen. Diesem graut davor: "Erwachsene Männer, die mit Püppche spiele, da is in der Kindheit was schief gelaufe…"«

    Kalauer-Feuerwerk

    Das Stück unter der Regie von Peter Brinkmann lebt von den derben Wortgefechten, die sich Detlef Kühner, Bernd Körner und Roland Hotz im schnoddrigen hessischen Dialekt, wie er in der Darmstädter Gegend gesprochen wird, dem sogenannten "Heiner", geradezu genüsslich liefern. Das Publikum dankte für das Kalauer-Feuerwerk mit tosendem Applaus.

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