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    Partenstein

    "Des is mei Weg bis zur letzten Meile"

    Fanfaren zum Einzug: Begeistert begeben sich 500 Fans mit Michl Müller auf die Suche nach Liebe, Glück und Unsterblichkeit.  Foto: Gisela Büdel

    "Müller… nicht Shakespeare" war am Sonntagabend in der Sporthalle angesagt. Ob englischer Dramatiker oder Rhöner Kabarettist: Jeder ist ein Meister seines Faches. Gemeinsam sind sie auf der immerwährenden Suche nach Liebe, Glück und Unsterblichkeit. Michl Müllers fünfter Besuch in der Spessartgemeinde war Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen des örtlichen Diakonievereins.

    Müllers Auftritt von nahezu drei Stunden kann als Höchstleistung gewertet werden. Der Garitzer Kabarettist gleicht einem nie versiegenden Quell, der vor Ideen und verblüffender Logik voller Spitzfindigkeiten geradezu übersprudelt. Stets das Ohr am Puls der Zeit, blickt er mit exzellenter Beobachtungsgabe seinen Mitmenschen in Gesellschaft und Politik in die Augen und in die Herzen.

    Das gilt vor allem vor allem in seinen Liedern frei nach Ed Sheeran zur Performance von Helene Fischer. Kult sind die "Nacht am Kilimandscharo" oder die "Ingwerreibe", gefühlsbetont erklingt "Des is mei Weg". Gesellschaft leistet ihm Shakespeares Totenkopf höchstpersönlich, der Michls abenteuerliche Verona-Reise zu Romeo und Julias Balkonszene sächselnd kommentiert.

    Oleander- und Friedhofsrallye

    Frech und frei über die Bühne fegend, mal mit Zeigefinger zum Himmel, mal mit einem Lachanfall kämpfend oder im Kontakt mit Michael aus Lohr in der ersten Reihe: Das Publikum hängt dem Energiebündel an den Lippen und amüsiert sich köstlich. »Es ist arschkalt, es ist dunkel und der Oleander muss noch in den Keller«. Grund genug zum Feiern, grad im November nach der Friedhofsrallye«, seufzt der 47-Jährige und gratuliert zu 25 Jahren Diakonie, 30 Jahren Mauerfall und »Bürchemester« Stephan Amend zum Geburtstag.

    Und schon politisiert Müller: Verzweiflung statt Hoffnung signalisiere die Suche nach der SPD-Spitze. Thematisiert werden der »kleine Trombosestrumpf« Jens Spahn, Friedrich Merz als »Untoter aus dem Untergrund«, AKK, die »Granatengretel« und Nachfolgerin der »Panzeruschi«, der Thermomix der Regierung.

    Merkels Gedenktafeln

    Lachtränen erzielen die Gedenktafeln der Kanzlerin in jedem Ort. Nach der Anzeige "Sie fahren 53 km/h" leuchte Merkels Gesicht auf. Abgelehnt sind Andreas Scheuers E-Scooter für die letzte Meile: "Auf meiner letzten Meile will ich von vier Leut` getragen werden", bringt es Michl Müller auf den Punkt.

    Überhaupt wünsche er sich eine schöne Beerdigung mit den Trauerreden von 93 Vereinen, denen er zu diesem Zweck beigetreten sei. Der Star aus »Fastnacht in Franken« sieht seine Landsleute als mehr innerliche Typen, sich selbst ausgenommen. Wenn ein Franke behaupte "Was haben wir gelacht!", dränge sich ihm die Frage auf: "Mit welchem Körperteil? Das Gesicht war es nicht."

    Kopfschütteln erntet der Status des modernen Mannes: "Wir cremen uns ein, rasieren uns untenrum und glotzen am Sonntagabend Rosamunde Pilcher". Zwerchfell-Attacken sind seine Aufreger über Zebra-Steaks in der Netto-Kühltruhe, das Totenglöcklein zu Beginn der Telekom-Telefonansage, Rauchmelder als "Erotikkiller" im Schlafzimmer, die neue "BLI" (Bratwurst-Leberkäs-Intoleranz) und grüne Smoothies, mit denen sich der Kreislauf der pürierten Nahrung von der Geburt bis kurz vor dem Tod schließe.

    Anhaltender Applaus, Jubel und Bravorufe am Ende: Partenstein feiert den "Dreggsagg" und gerät beim Hitmedley vom "Heringsdösle" bis zum "Vollwärmeschutz der Liebe" in "fränggischer Ekstase".

    "So ausgesücht"

    Nach einem letzten Hinweis auf den"Drecks-Oleander, der noch in den Keller muss" zeigt Michl Müller keine Ermüdungserscheinung und stellt sich bereitwillig Foto- und Autogrammwünschen. Auf unsere Frage nach seiner Dynamik trotz vollem Terminkalender antwortet er im fränkischen Dialekt und in aller Bescheidenheit: "Des hab ich mir so ausgesücht."

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