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    Frammersbach

    Die Kirb soll nicht wieder aus dem Ruder laufen

    Bei der Kirbrede und der Namensgebung für den Kirbmoo spielt das Thema Alkohol meist eine zentrale Rolle. Hier ein Foto von der Frammersbacher Kirb 2017.  Foto: Horst Born

    "Die schlimmste Woche im Jahr ist die Kirbwoche", hatte Frammersbachs Bürgeremeister Christian Holzemer im Dezember im Rückblick auf die Kirchweih 2018 gesagt. Jugendbetreuer Ralf Kirsch hatte zugestimmt. Damit das dieses Jahr anderes wird, sind viele Gespräche geführt worden. Die Beteiligten sind zuversichtlich, dass Exzesse ausbleiben.

    Dieses Jahr fällt der Kirbsamstag in Frammersbach auf den 24. August, den Gedenktag für den örtlichen Kirchenpatron, den heiligen Bartholomäus. In den Jahren, in denen das Datum nicht aufs Wochenende fällt, wird die Kirb am darauffolgenden gefeiert. Das ursächlich kirchliche Fest wird traditionell vom Kirchjahrgang genutzt, den Übergang vom Jugendlichen zum Erwachsenen zu feiern. Die Kirbmädchen und -burschen sind größtenteils 17 Jahre alt. Früher hatten die jungen Leute in diesem Alter ihre Lehre hinter sich und begannen als Gesellen ihr Erwachsenenleben.

    30 Jugendliche sind es heuer, die die Kirb gestalten mit Wortgottesdienst, Bierkastenlauf, Kirb-baumaufstellen, Abholen der Kirb im Steinbruch, Kirbrede und Beerdigung. Das offizielle Programm beginnt mit dem Wortgottesdienst am Mittwochabend und endet am Dienstag.

    Hochprozentiges verkauft

    Wie Bürgermeister Christian Holzemer in der Gemeinderatssitzung im Dezember schilderte, hatte es zunehmend Probleme gegeben, weil der Jugendschutz nicht beachtet worden war und Minderjährige hochprozentigen Alkohol sogar verkauften. Dazu sei Ärger wegen lauter Musik gekommen. Das Feiern der Jugendlichen hinter der Turnhalle hätte sich immer mehr abgekoppelt vom Festplatz hinter dem Rathaus (früher Marktplatzschule). Diesen Teil des Festes mit Autoscooter, Kinderkarussell, Schießbude und Süßigkeitenstand organisieren Gemeindeverwaltung und die Frammersbacher Marketinggenossenschaft Framag. Für die Bewirtung sorgen im Wechsel die TuS-Fußballabteilung und der Arbeitergesangverein. Laut Bürgermeister haben sich früher noch mehr Vereine beteiligt.

    Durch den illegalen Alkoholverkauf der Kirbjugend werde es zunehmend uninteressanter für Vereine, Essen und Getränke anzubieten. Dieses Jahr sei in Gesprächen zwischen Kirbjugend, Fußballern und Bürgermeister vereinbart worden, ein Mittelmaß zu finden. Das bestätigten diese Woche in Telefongesprächen mit der Redaktion Simon Weigand, ein Sprecher des Kirbjahrgangs, und Jochen Mill von der Fußballabteilung. Da den Jugendlichen mangels Volljährigkeit und Schankerlaubnis der Alkoholverkauf strikt untersagt worden ist, bietet ihnen die Fußballabteilung laut Mill zum Vorzugspreis Speisen und Getränke an.

    Ein Geben und Nehmen

    Auch was die Musik betrifft, sei es ein Geben und Nehmen gewesen, wie der Jahrgangssprecher es formuliert. Die Kirbleute verzichten auf eine große Verstärkeranlage, dafür habe die Fußballabteilung bei der Auswahl der Musik und eines DJs den Musikgeschmack der Kirbjugend berücksichtigt.

    Holzemer betont, dass es nicht darum gehe, der Kirbjugend das Feiern zu vermiesen, aber die Veranstaltung müsse sich am Jugendschutz orientieren. Es solle aber nicht so sein, dass am Treffpunkt der Kirbjugend ständig Offizielle vorbeilaufen. "Das macht keinen Spaß", sagt Holzemer, der nach eigenen Angaben 1995 als Kirbbursch gefeiert hat. Er hofft, dass die Kirbjugend Verantwortung übernimmt, damit die Dorfgemeinschaft funktioniert.

    Gemeinsam Feiern

    Dazu gehört für den Bürgermeister das gemeinsame Feiern, Müllvermeiden, Herunterfahren der Musiklautstärke zu später Stunde, aber auch das Zugeständnis der Älteren, dass die Jugendlichen feiern dürfen. Holzemer hofft, dass nicht einzelne ausscheren, was oft dazu führe, dass die Jugendlichen generell in Verruf kämen. Auf die Frage, wie sich die Polizei auf die Kirb einstellt, antwortete der Lohrer Inspektionsleiter Wolfgang Remelka: "Wir wissen, dass in Frammerbach Kirb ist."

    Andrea Schön, die beim Amt für Jugend und Familie am Landratsamt Main-Spessart für die Alkoholvorbeugung zuständig ist, sagte auf Anfrage der Redaktion, dass es nicht darum gehe, Alkohol generell zu verbieten, sondern zu hinterfragen, was in der Gesellschaft als normal gilt, was vorgelebt und als Tradition begründet wird. Bedenklich findet sie, wenn man sich rechtfertigen muss, weil man keinen Alkohol trinkt. Den Einsatz des Bürgermeisters für den Jugendschutz lobt sie.

    Ein Kirbbursche antwortete auf unsere Frage, ob man auch ohne Alkohol feiern kann: "Gute Frage." Hubert Auth, Leiter der Suchtberatungsstelle des Caritasverbandes für den Landkreis Main-Spessart sagt, dass das Bedürfnis zu feiern zum Menschen gehört. Ohne Alkohol trauten sich viele nicht, dieses Bedürfnis und die damit verbundenen Gefühle zuzulassen.

    Regeln brechen fällt leichter

    Mit Alkohol falle es leichter, die im Alltag geltenden Regeln zu brechen und zum Beispiel auf dem Tisch zu tanzen. Auch andere Völker nähmen Substanzen für rituelle Feiern und um sich gut zu fühlen. Problematisch sei es, wenn es nicht bei den Ausnahmen bleibe und ein bestimmtes Maß überschritten werde. Aber ja, feiern könne man auch nüchtern, sagt Auth.

    Auf fast zwei Maß kommt im Durchschnitt jeder Teilnehmer des Bierkastenlaufs diesen Freitag von der Brauerei zum Marktplatz: Ein Team besteht aus vier Teilnehmern, die einen Bierkasten vom Start zum Ziel tragen. Dabei sind die enthaltenen 24 Flaschen à 0,33 Liter zu leeren – sofern man nicht verlieren möchte.

    Gaudi-Olympiade der Kirbjahrgänge
    Erstmals veranstaltet die Fußballabteilung des TuS Frammersbach einenWettbewerb der Kirbjahrgänge. Damit soll das Gemeinschaftsgefühl gestärkt werden. Diese Gaudi-Olympiade beginnt am Samstag um 18.30 Uhr am Festplatz und dauert laut Ausschreibung rund eineinhalb Stunden.
    Folgende Disziplinen sind vorgesehen: Autoscooter-Parcours, Schießen, Maßkrugstemmen, Austrinken eines Halbliterkrugs auf Zeit, Nägel einschlagen und Kirbtanz (Paartanz mit Orange zwischen den Stirnen). Außerdem geht die Anzahl der Teilnehmer des Jahrgangs in die Wertung mit ein. Auf Nachfrage teilt Jochen Mill mit, dass bei der Trink-Disziplin auch ein alkoholfreies Getränk gewählt werden kann. (memb)

    Anmeldung und Information: Jochen Mill, Tel. (0176) 62535347 oder jochen.mill@web.de

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