• aktualisiert:

    Lohr

    Die Moderne zieht im Spessart ein

    Die von Udo Breitenbach organisierte Ausstellung über das Bauhaus im Spessart ist in der Alten Turnhalle in Lohr zu sehen. Foto: Thomas Josef Möhler

    Die Alte Turnhalle hat sich vorübergehend in ein Museum für die Klassische Moderne des 20. Jahrhunderts verwandelt. Die vom Partensteiner Künstler und Designer Udo Breitenbach organisierte Ausstellung "Kreis, Dreieck, Mainviereck – Bauhaus im Spessart" zeigt Beziehungen der weltberühmten Architektur-, Kunst- und Designschule zum Spessart auf.

    Anlässe sind der 100. Geburtstag des Bauhauses und die 60. von Breitenbach und seiner Frau Eva Haak in diesem Jahr. In der Schau werden aus dem Spessart stammende Bauhaus-Vertreter ebenso vorgestellt wie Bauhaus-Designer, die im Spessart gewirkt haben.

    Die Ausstellungsstücke reichen von Bauhaus-Architektur in der Region bis zum Paidi-Kinderbett aus Hafenlohr im Bauhaus-Stil, das 1933 das erste moderne, in Serienfertigung produzierte Kinderbett war. Ferner stellt Udo Breitenbach eigene Werke aus.

    Fernab vom Märchenwald

    Breitenbach zeichne ein Spessart-Bild fernab von Märchenwaldidylle und Räuberromantik, sagte der Würzburger Stadtgrafiker Markus Westendorf in seiner Laudatio. Er beleuchte vielmehr bislang wenig beachtete Facetten der Heimatgeschichte als Teil der dezentralen Wirkungsgeschichte des Bauhauses, der Klassischen Moderne und des "Neuen Bauens".

    Dank seiner Sammelleidenschaft und seines Entdeckungsdrangs könne Breitenbach belegen, dass Moderne und Spessart kein Gegensatzpaar seien. Das Bauhaus sei einer der bedeutendsten Beiträge Deutschlands zur Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts. In 30 Jahren habe Breitenbach eine umfangreiche Bauhaussammlung aufgebaut, die bereits in zahlreichen Museen und Ausstellungen zu sehen gewesen sei, so Westendorf.

    Breitenbach selbst stellte zahlreiche Bauhaus-Künstler und ihr Wirken in der Region vor, so etwa den in Lohr geborenen Hermann Amrhein. Dieser ließ in den 1920er Jahren zunächst ein eingeschossiges Ateliergebäude an der Lohrtorstraße im anthroposophischen Stil ohne rechten Winkel bauen, das 1929 zum "Lohrer Lichtspielhaus" aufgestockt wurde. Der heutige Bestand mit kubischem Baukörper, Bullaugen, Flachdächern und Terrassen verweist laut Breitenbach eindeutig auf das "Neue Bauen".

    Weitere Beispiele waren Felix Muche aus Schlüchtern (bedeutender naiver Maler), sein Sohn Georg Muche (einer der ersten abstrakten Maler Deutschlands), die Breitenbach-Entdeckung Gertrud Koref-Stemmler-Musculus aus Aschaffenburg (abstrakte Malerin), der Designer Hannes Neuner aus Schweinheim und der in Lohr geborene Architekt Anton Wilhelm Neu. Ziel des Bauhauses war nach Breitenbachs Worten die Verbesserung des Lebens durch Kunst und Design, wodurch der Mensch selbst zu einem besseren werden sollte.

    Zweite Bürgermeisterin Christine Kohnle-Weis erinnerte an die gesellschaftlichen und politischen Hintergründe der Bauhaus-Gründung 1919. Kunst und Kultur hätten sich nach dem Ende von Krieg und Kaiserreich ohne Zensur frei entfalten können und in den 1920er Jahren einen rasanten Aufschwung genommen. Das sei eine Zeit der Radikalität und des Experimentierens mit avantgardistischen Stilrichtungen gewesen.

    Für den musikalischen Rahmen der Vernissage griffen Udo Breitenbach zur Gitarre und Markus Westendorf zur Trompete. Sie spielten mit Ingrid Kracht (Gesang), Jochen Müller (Klavier), Rainer Pfriem (Schlagzeug) und Rainer Neuf (Bass).

    Erste Einbauküche

    Teile der Ausstellung sind zu kaufen, so etwa die limitierte Auflage des Bauhausspechts von zehn Exemplaren, die Udo Breitenbach eigens für die Schau angefertigt hat, und die Frankfurter Küche 1 von Margarethe Schütte-Lihotzky. Für diese 1927 entworfene erste durchrationalisierte Einbauküche der Welt muss der Design-Enthusiast fast 12 000 Euro hinblättern.

    Auch die von Margarethe Schütte-Lihotzky 1927 entworfene Frankfurter Küche 1, die erste durchrationalisierte Einbauküche der Welt, wird präsentiert. Foto: Thomas Josef Möhler
    Die limitierte Auflage des Bauhausspechts von zehn Exemplaren hat Udo Breitenbach eigens für diese Ausstellung entworfen. Foto: Thomas Josef Möhler

    Bearbeitet von Thomas Josef Möhler

    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!