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    KARLSTADT

    Die Schlammschlacht von Rüsseldorf

    Gleich platzt dem gehörnten Bürgermeister (rechts Toni Wittmann) beim Feuerwehrfest der Kragen. Foto: Günter Roth

    Eine ziemlich anrüchige Geschichte hat die Theaterbühne Karlstadt in diesem Herbst auf dem Spielplan: „Die Schlammschlacht“ von Fitzgerald Kusz hinterlässt nicht nur deutliche Spuren an den Stiefeln der Akteure, sondern auch an den Beziehungen untereinander. Das Premierenpublikum am Freitagabend im Theater in der Gerbergasse sparte nicht mit Applaus für diese Komödie.

    Rüseeldorf am Main

    Bauerntheater, Volkstheater oder gar Satire, die den Finger schonungslos in die Wunden kommunalpolitischer Abgründe von Vetternwirtschaft und Korruption legt? „Die Schlammschlacht“ hat wohl von allem etwas und genau das macht das gemeinsam von Hanni Graf und Werner Hofmann inszenierte Stück passend für alle Gemeinden von der Waterkant bis zum Watzmann. Schließlich hat der Autor Kusz die Komödie vor gut zehn Jahren extra für das Hamburger Ohnsorgtheater geschrieben - jetzt liegt Rüsseldorf also am Main.

    Eine Reise für den Gemeinderat, ein Dienstwagen für den Bürgermeister

    Karl Weißkopf, der Bürgermeister von Rüsseldorf ist eine vielschichtige Person. Klar möchte er seine Gemeinde voranbringen, aber das soll sich auch für ihn lohnen. So ist der Neubau einer Kläranlage idealer Ansatzpunkt. Gegen alle Widerstände, mit List, Bestechung und kleinen Drohungen setzt er sein Vorhaben durch und nutzt die Schwächen seiner Gemeinderäte raffiniert aus. Schließlich sponsert die Baufirma eine Informationsreise nach Mallorca für den Bauausschuss, eine Rettungsschere für die Feuerwehr und einen repräsentativen Dienstwagen für den Bürgermeister.

    Absolut „ungeklärt“ sind die gegenseitigen Beziehungen. Ehefrau Rosi geht fremd mit dem Oppositionsführer Holzmann, der unorganisierte Schwiegersohn Helmut wird vom Naturschützer Opitz wegen seiner Putenfarm angegriffen und die Gemeinderätin Kowatsch mit dubioser Vergangenheit ist im Wellness-Wahn. Die scheinbar senile Frau Lottes hat nur Angst um ihre Wiese. Jeder intrigiert gegen jeden.

    Als dann ein Jahr später der Traum platzt, genauso wie der Faulturm der neuen Kläranlage wegen Pfusch am Bau, lassen sich die mühsam aufgebauten Ausreden, Lügen und Verstellungen nicht mehr aufrecht halten, es kommt zu den absehbaren Umwälzungen. Diese Entwicklung verweist natürlich schon auf einen satirischen Hintergrund, denn „geklärt“ wird bis zum letzten Vorhang überhaupt nichts.

    Von bauernschlau bis tüttelig

    Die Regisseure Hanni Graf und Werner Hofmann nutzen wieder einmal die Spielfreude und speziellen Stärken ihrer Akteure geschickt aus. Toni Wittmann gibt dem Bürgermeister Weißkopf ein differenziertes Gesicht: bauernschlau, gewieft, ein wenig rücksichtslos, aber nie unsympathisch. Eben ein „Sauhund, ein verreckter“. Als ihm am Ende alles über den Kopf wächst, hat man echtes Mitleid mit ihm. Neu im Team, aber mit bester Performance ist Klaus Brehm. Als Wirt Holzmann ist er des Bürgermeisters Gegenspieler in der Politik und bei dessen Ehefrau Rosi. Nach verhaltenem Start zeigt er Temperament und Verve. Verena Kimmel ist überzeugend das Abziehbild einer jungen, gelangweilten und doch lebenshungrigen Frau, vom deutlich älteren Bürgermeister-Gatten vernachlässigt.

    Andererseits „kann sie ja nichts anderes als Maniküre und eben ...“.

    Teilweise sozialkritisch, meist aber leichte Komödie

    Dann ist natürlich noch die „Grande Dame“ des Karlstadter Theaters. Hanni Graf ist herrlich anzusehen in der Rolle der scheinbar tütteligen und senilen Frau Lottes, die nur vor einem Angst hat: „Ihr wollt ja nur meine Wiese!“ Einen guten Part geben auch Claudia Lankes als Conny Kowatsch, die mit zweifelhafter Vergangenheit ein Wellness-Studio betreibt, Jutta Waßmann als Ulli Reif, die moralisierende Schwester der Bürgermeister-Gattin sowie der Spiele-Erfinder und Umweltaktivist Joachim Opitz (Peter Daumberger). Michael Meisenzahl bringt mit Geschick die Figur des Helmut Reitmeier auf die Bühne. Als Putenzüchter von Opitz angefeindet, vom Schwiegervater Weißkopf bevormundet entwickelt er seine Rolle vom verplanten Tollpatsch zum selbstbewussten, ernstzunehmenden Partner. Thomas Trummer hat ein sehr kurzes Gastspiel als Alleinunterhalter Freddy. Zwar bringt er einen köstlichen „Kölschen Jecken“ mit platten Gags, aber was wohl als satirische Überspitzung gemeint ist, lässt ihm wenig Gelegenheit, sein Talent voll auszuspielen.

    Natürlich bringt „Die Schlammschlacht“ teilweise einen sozialkritischen Ansatz, denn Rüsseldorf ist bestimmt überall, doch insgesamt ist das Stück eine schöne, leichte Komödie, die in Karlstadt besonders durch das engagierte Ensemble mit großem Charme für gute Unterhaltung sorgt.

    Weitere Aufführungstermine: Freitag, 14.10., Samstag, 15.10., Freitag, 21.10., Samstag, 22.10., Freitag, 28.10., Sonntag 30.10., Freitag, 4.11. und Sonntag, 6.11. Der Beginn ist sonntags um 18 Uhr, ansonsten um 19.30 Uhr.

    Für Wellness gab es angesichts der großen „Schlammschlacht“ nur sehr wenig Gelegenheit: Im Bild Verena Kimmel und Claudia Lankes bei der Premiere im Theater in der Gerbergasse in Karlstadt. Foto: Günter Roth

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