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    KARLSTADT

    Die Tenöre sangen über Titanic und Turandot

    Einen ansprechenden Streifzug durch die Welt der populären Musik präsentierten Tony Tchakarov und Plamen Patov als Gesangsduo „Tenöre4you“ im Saal des Karlstadter Rathauses. Foto: Günter Roth

    Weitgehend zufrieden zeigten sich die rund 100 Gäste beim Konzert von Toni Di Napoli und Pietro Pato, die im Karlstader Rathaussaal als Gesangsduo „Tenöre4you“ ein durchaus ansprechendes Konzert mit Liedern aus Klassik, Folk, Film und Musical gaben.

    Die ersten Eindrücke waren allerdings etwas gewöhnungsbedürftig: Eine absolut kahle Bühne mit einem Notenständer und zwei Mikrofonen, Musik aus der Konserve – auch der Eingangsapplaus kam aus dem Off. Dazu gab es eine optische Dauerberieselung mit Videos auf der Leinwand hinter den Sängern, die manchmal das eben Gehörte begleiteten oder unterstrichen, wie zum Beispiel beim spektakulären Untergang der „Titanic“ oder dem eindrucksvollen Flug über irische Küstenlandschaften zu „You Raise Me Up“. Manchmal lenkten sie aber auch unnötig vom Gesang ab.

    „Wir singen Ihnen heute Abend nur schöne Lieder“, hatte Di Napoli versprochen und in jedem Fall war das Programm der „Tenöre4you“ von allerhöchstem Wiedererkennungswert geprägt. Aus dem Bereich der Folklore waren es das angelsächsische „Amazing Grace“ und das mexikanische „Cielito lindo“, dazu kamen Ausschnitte aus dem Musical „Phantom der Oper“, Filmmusik aus „Der Pate“ und natürlich das unverzichtbare „Nessun dorma!“ aus Puccinis Oper „Turandot“.

    Dünnes Eis

    Gerade hier aber zeigten sich zwei Schwachpunkte des Abends: Zum einen begibt sich jeder, der diese Arie singt, auf sehr dünnes Eis, weil er automatisch mit den „ganz großen Tenören“ verglichen wird und zum andern darf man sich fragen, ob es geschickt war, unvermittelt sofort im Anschluss an diese ergreifende Musik übergangslos den harmlosen Schunkelwalzer „Que sera“ á la Doris Day zu präsentieren. Womöglich wäre eine wohlausgewogene Blockbildung besser gewesen.

    Glanzlichter

    Denn an gesanglichen Glanzlichtern fehlte es bei Di Napoli und Pato wirklich nicht, vor allem wenn sie die gefühlvolle Saiten anschlugen. Ein wunderschön weiches „Bésame Mucho“, samtig weich und schmachtend vom jungen Patov gesungen oder das „Memory“ aus dem Musical „Cats“ gingen unter die Haut und auch der Titel „Time To Say Goodbye“ gegen Ende des Programms ließen die Zuhörer dahin schmelzen.

    Sehr viel Freude bereiteten die Gassenhauer „Volare, cantare“ sowie der Tango „Buona Sera Signorina“. Und dann durfte natürlich auch nicht das Lied fehlen, das wie kaum ein anderes die Liebe der Deutschen zu Italien widerspiegelt: „Marina, Marina“.

    Beide Tenöre sind ausgebildete Sänger, Toni di Napoli ist wohl der typische Vertreter des italienischen Heldentenors mit breiter Brust, Goldkettchen und im Verhalten eben der „italienische Schmäh“. Gesanglich ist er wirklich beachtens- und hörenswert, wenngleich manches etwas hart und schneidend kommt – besonders bei kraftvollen Passagen. Im Gegensatz dazu erscheint Pato samtig weich, mit lyrischem Timbre. Groß gewachsen, feingliedrig, fast schon filigran punktet er vor allem bei den gefühlvollen Stücken.

    Insgesamt erlebten die Gäste im Karlstadter Rathaussaal einen ansprechenden Abend. Wirkliche, puristische Opernkenner und -fans mochten zwar etwas enttäuscht sein, das Publikum aber dankte mit lang anhaltendem Applaus.

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