• aktualisiert:

    Arnstein

    Die fesche Lola und Piafs "Padam"

    Frech, kess und ein bisschen schrill zeigte sich Anja Gutgesell in ihrem Konzert in der Alten Synagoge Arnstein. Foto: Günter Roth

    Auch in diesem Jahr wurde die Musikreihe in der ehemaligen Synagoge von Arnstein, dem kleinen, aber wohl feinsten "Konzertsaal" der Region von der Würzburger Sängerin Anja Gutgesell eröffnet. Während sie im vergangenen Jahr an selbiger Stelle gemeinsam mit dem Pianisten Klaus Felder den musikalischen Spuren von Barbra Streisand, Marlene Dietrich und Edith Piaf folgte, führte sie heuer ihre gut 70 Gäste in die Szene von "Berlin – Paris – Tel Aviv". Begleitet wurde sie diesmal von dem hervorragenden Akkordeonisten Harald Oeler. Für die beiden war der Auftritt in Arnstein die Premiere ihres Programms.

    Natürlich knüpfte die Sopranistin deutlich an ihre musikalischen Vorbilder des vergangenen Jahres an: Marlene Dietrich und Edith Piaf. Diesmal aber fielen sowohl die Liedauswahl, als auch das Outfit der Sängerin deutlich härter, herber, fast schon schriller aus. Doch es gab auch Chansons - vorwiegend nach Piaf - die ruhigere Saiten anschlagen, berühren, nachdenklich stimmen.

    Leise Töne angeschlagen

    Frech, überdreht und auch ein wenig affig trug Gutgesell die Berliner Gassenhauer "Berlin bleibt doch Berlin" oder "Ich bin die fesche Lola" vor, besang den "Lieben Leierkastenmann", versprach keck "Kinder, heut' Abend such ich mir einen aus!" und saugte musikalisch exaltiert als "Vamp" die Männer aus.

    Deutlich leisere Töne kamen bei den Chansons von Edith Piaf. In der "Hymne a l'amour" sang die Diva 1949 am Todestag ihres Geliebten Marcel Cerdan über die einzige Gewissheit, geliebt zu werden: "Ich würde alles für dich tun – wenn du es von mir verlangen würdest". Gerade dieses Lied trug Gutgesell 70 Jahre später mit großer Hingabe und Einfühlungsvermögen in der Arnsteiner Synagoge vor.

    Danach aber brauchte sie einen preziösen "Hüpfer", um die aufgebaute Spannung zu überwinden und in den dritten Teil ihres Programms überzuleiten: Besuche in Tel Aviv  mit jiddischen Liedern. Für das fetzige Stück "Bay mir bistu scheyn" gab es viel Applaus vom Publikum, ebenso für die Hommage an "A jiddische Mame" und "Ich hob dich tzufil lieb". Die Reise von Berlin über Paris in die israelische Hauptstadt brachte noch Begegnungen mit Evergreens wie "Lili Marleen", "Milord", oder dem unsterblichen "Padam, Padam".

    Französisches Flair verliehen

    Anja Gutgesell überzeugte trotz teilweise herber und überdrehter Performance erneut durch ihren Gesang, die Kraft, den Stimmumfang und vor allem durch ihr Temperament, das sie mit all ihren Facetten einsetzte. Harald Oeler war jedoch weitaus mehr als reiner musikalischer Begleiter. Er verlieh den Liedern mit seinem Akkordeon das notwendige französische Flair. Virtuos nahm er Emotionen auf, verband die Singstimme mit der musikalischen Aussage, füllte sie gleichsam auf.

    Der Förderkreis "Alte Synagoge Arnstein" hat auch in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit dem "KunstKreis Arnstein" ein interessantes musikalisches und künstlerisches Programm zusammen gestellt. Ab 21. April zeigt Wally Rauch aus Büchold eine Sonderausstellung und am 28. April gibt es "Literarische Kostbarkeiten um die Rosen" – eine Konzertlesung mit Klavierbegleitung.

    Bearbeitet von Günter Roth

    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!