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    LOHR

    Dieter Charwats Leidenschaft: Radeln, solange es geht

    Der radelnde Rentner Dieter Charwat hat nach über 1500 Kilometern sein Ziel erreicht: Kroatien. Foto: Dieter Charwat

    Mit 69 Jahren 3400 Kilometer auf dem Fahrrad durch Osteuropa. Dieter Charwat aus Frammersbach träumt nicht sein Leben – er lebt seinen Traum und bleibt dabei auch im Alter noch fit.

    „Sportlich war ich schon immer“, erklärt Charwat seine Motivation für die anspruchsvollen Radreisen, die er jedes Jahr unternimmt, seit er im Jahr 2010 sein Raumausstatter-Geschäft in Lohr aufgeben hat. Dies hatte er 25 Jahre lang geführt. Früher sei er Marathon zum Ausgleich gelaufen und viel geklettert, sagt er. „Jetzt schwing ich mich auf den Drahtesel, um fit zu bleiben.“

    Alleine unterwegs

    Seine Touren unternimmt er alleine. Diese sind von zu Hause aus grob geplant, da Charwat viel befahrene Straßen umgehen möchte, doch „wo ich übernachte, weiß ich nie, das ist immer eine Überraschung.“ Für Notfälle führt er in seinem 18 Kilo schweren Gepäck, bestehend aus Satteltaschen und Lenker-Rucksack, einen Schlafsack mit. „In meinem Alter gönne ich mir aber den Luxus einer Pension oder eines Hotels“, schmunzelt der radelnde Rentner.

    Osteuropa war für Charwat vor der Abreise „das Unbekannte“ – „ein weißer Fleck am Rand Europas“, wie er im Gespräch mit der Redaktion ausführt. „Im Osten war ich noch nie“, so der Radwanderer, „die Gebiete ohne Tourismus haben mich jetzt gereizt.“ Von Frammersbach aus machte er sich mit seinem Rad im September für fünf Wochen auf seine Reise, die ihn über Polen in die Westkarpaten bis nach Kroatien und wieder zurück nach Hause führte.

    Gastfreundliche Einheimische

    Trotz Sprachbarrieren gelang ihm der Kontakt zu den gastfreundlichen Einheimischen sehr schnell. Mit Händen und Füßen verständigte er sich. „Alles verlief reibungslos, ich hatte auf dieser Reise nicht mal einen Platten.“ Doch das Radfahren in diesen Ländern war für Charwat nicht immer Entspannung. „In den Städten gibt es so gut wie keine Radwege und Autos nehmen auch keine Rücksicht“, blickt er zurück. Die Fahrt auf der Küstenmagistrale in Kroatien, die sich als Hauptverkehrsader herausstellte, wurde zum anspruchsvollsten Reiseabschnitt. „Da war kaum Platz und trotzdem quetschten sich die Lastkraftwagen an mir vorbei.“

    Immer wieder wurde der Frammersbacher auf Streckenabschnitten von jungen Radlern begleitet. „Da haben wir uns ausgetauscht und viele Tipps gegeben.“ Bis zu 120 Kilometer fuhr Charwat pro Tag.

    Im Haus der Großeltern in Oberschlesien

    Das emotionalste Erlebnis hatte der frühere Raumausstatter in Oberschlesien, als er das ehemalige Haus seiner Großeltern besuchte. Mit einer alten Aufnahme des Hauses in der Hand, die Dieter Charwat noch von seinem Großvater hatte, nahm er Kontakt zu den Besitzern auf und erhielt auch gleich eine Führung durch das ehemalige Familienanwesen, das seine Großeltern nach dem Krieg 1945 verlassen mussten. Anschließend durfte der Radler sogar im angrenzenden Gästehaus übernachten. „Die Besitzer waren sehr aufgeschlossen und herzlich mir gegenüber“, erinnert er sich an die Begegnung.

    Ideen für die Tour im kommenden Jahr hat er genug, festlegen möchte sich der Radwanderer noch nicht. „Auf alle Fälle radele ich weiter, solange ich noch kann“, so der rüstige Senior. Die anspruchsvollen Touren halten ihn jedenfalls fit, so dass Dieter Charwat seine Träume noch lange leben kann.

    Dieter Charwat plant bereits die nächste Radtour - der Weg wird das Ziel sein. Foto: Frank Zagel

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