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    Michelrieth

    Dorfgemeinschaftshaus Michelrieth: Anwohner kritisieren Stadt

    Edmund und Thomas Müller sind Anwohner des geplanten Dorfgemeinschaftshaus in Michelrieth. Sie kritisieren den Umgang der Stadt mit ihren Bedenken. Foto: Lukas Kutschera

    Die Sorgen kamen Thomas und Edmund Müller gleich bekannt vor. "Spaß auf Kosten der Anwohner?", das haben die Brüder aus Michelrieth vor ein paar Wochen in der Main-Post gelesen. In dem Artikel beschwerten sich Anwohner über die Planungen zum Mehrgenerationenspielplatz in Marktheidenfeld. Auch Thomas und Edmund Müller wohnen neben einem geplanten Bauprojekt der Stadt Marktheidenfeld, dem Dorfgemeinschaftshaus in Michelrieth. Auch sie fühlen sich mit ihren Bedenken von der Stadt alleine gelassen. Die beiden Anwohner erzählen, wie sie den Umgang mit ihren Sorgen erlebten.

    Schwerkranker Anwohner befürchtet Lärmbelästigung durch Parkplatz

    In dem Dorfgemeinschaftshaus sollen künftig Veranstaltungen von Vereinen, der Kirchen, aber auch private Feiern sowie ein Jugendraum Platz finden. Geplant ist dazu auch ein Parkplatz für etwa 19 Autos, direkt neben dem Grundstück von Edmund Müller. Er ist schwer krank und befürchtet, dass er durch den Parkplatz um seine Ruhe kommt. "Wie die Stadt mit uns umgeht, das ärgert mich", sagt er. Als Anwohner fühlt er sich mit seinen Bedenken in der Planung des Dorfgemeinschaftshauses ausgeschlossen.

    Heuer am Pfingstsonntag kam eine Mitarbeiterin der Stadt mit einem Bauantrag zu Edmund Müller. Als direkter Anwohner sollte er sein Einverständnis zum Projekt geben. Ihn störte, dass anstelle von fachkundigem Personal, zum Beispiel aus dem Bauamt, eine Mitarbeiterin der Stadt geschickt wurde. "Die hätte mir meine Fragen nicht beantworten können", meint Edmund Müller. Bis heute hat er den Antrag nicht unterschrieben.

    Kompromiss der Stadt: Nicht-öffentlicher Parkplatz

    Nach seinem Protest kamen dann die Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder, der Bauamtsleiter Alexander Chesauan und der Architekt des Dorfgemeinschaftshaus Georg Redelbach zu Edmund Müller auf das Grundstück. Als Kompromiss schlugen sie vor, den Parkplatz auf eine nicht-öffentliche Nutzung zu beschränken. So würden sie die Anwohner entlasten. "Dazu wollen sie ein Schild aufstellen", erzählt Edmund Müller. Diese Lösung hält er für wenig effektiv: "Wer soll das kontrollieren?"

    Rechts ist das Grundstück von Edmund Müller. Links soll der geplante Parkplatz gebaut werden. Foto: Lukas Kutschera

    Anwohner haben Verbesserungsvorschläge

    "Wir haben Verbesserungsvorschläge, die will aber keiner hören," meint Thomas Müller. Er wohnt gegenüber des geplanten Parkplatzes. Wie sein Bruder kritisiert er, dass sie als Anwohner von der Planung ausgeschlossen sind. Bereits 2018 habe er sich bei der Stadt gemeldet, dass er mitreden wolle.

    Die Anliegen der Michelriether zum Bürgerhaus erörtert jedoch eine Lenkungsgruppe, in der die beiden Brüder keine Mitglieder sind. Die Gruppe – laut Thomas Müller eine "handverlesene Clique von Feuerwehrkameraden" – hätte von den Begebenheiten vor Ort wenig Ahnung. "Auch die würden sowas neben ihrer Haustür nicht haben wollen."

    Ein Haus für Bürger und Vereine: Für welche?

    Überhaupt verstehe Thomas Müller den Sinn des Bürgerhauses nicht. "Laut der Bürgermeisterin soll es ein Haus für die Vereine und Bürger Michelrieths sein", sagt er. Aber für welche Vereine überhaupt? Müller: "In Michelrieth gibt es nur einen Verein, und zwar die Freiwillige Feuerwehr." Warum in das 500-Seelen-Dorf eine Krabbelgruppe, ein Jugendraum oder der Seniorenkreis aus Oberwittbach sollen, kann er auch nicht nachvollziehen. "Der Bedarf ist einfach nicht gegeben."

    Alternativer Parkplatz neben dem Spielplatz?

    Aber dass das Dorfgemeinschaftshaus kommen wird, damit haben sich die beiden Müllers mittlerweile abgefunden. Für den Parkplatz direkt neben Edmund Müllers Grundstück hätten sie sogar einen Gegenvorschlag. Man könnte ihn einfach weiter unten, neben dem Spielplatz, entlang eines Wirtschaftsweg anlegen.

    "Laut der Stadt liegt der Weg aber außerhalb der Bebauungsgrenze", sagt Thomas Müller. Die für den Parkplatz nötige Asphaltierung des Wegs würde deshalb nicht bezuschusst werden. "Von dem Weg hätten doch sogar spielenden Kinder was", meint aber Edmund Müller. Dort könnten die Kinder Fahrrad, Inliner oder Skateboard fahren. Für die viel befahrene Grafsschaftsstraße hätte man mit dem Weg auch eine Umleitung.

    So äußert sich die Stadt Marktheidenfeld

    Zur Idee mit dem alternativen Parkplatz erklärt Marucs Meier, Pressesprecher der Stadt Marktheidenfeld: "Der Vorschlag, einen Wirtschaftsweg beim Spielplatz anzulegen, ist aus ökologischen Gründen nicht umsetzbar." Auch die Kritik an der Lenkungsgruppe weist das Rathaus zurück. Deren Zusammensetzung, wie in anderen Stadtteilen auch, sei ortsintern abgestimmt worden. "Die Orts- und Fachkenntnis der Mitglieder wissen wir als Stadt sehr zu schätzen," so Meier.

    Um die nicht-öffentliche Nutzung des Parkplatzes sicherzustellen, plane das Rathaus eine Kette anzubringen. Bezüglich des Bedarfs meint Pressesprecher Meier: "Es gibt in Michelrieth keine Krabbelgruppe." Der Bedarf für Jugendräume sei vorhanden, da es in Michelrieth bisher nur ein Provisorium geben würde und die Stadt Jugendarbeit in den Stadtteilen als sehr wichtig erachte. Außerdem hätten Vereine und Gruppierungen wie der Seniorenkreis aus Oberwittbach, die nicht unbedingt aus Michelrieth direkt kommen, eben auch Mitglieder aus der Gemeinde.

    Die Stadt zeigt sich jedoch diskussionsbereit: "Wir freuen uns, wenn Thomas und Edmund Müller für weiterführende Gespräche und Fragen direkt auf die Stadtverwaltung zugehen."

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