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    Lohr

    Drastischer Rückgang bei Vogelarten

    Schockierende wissenschaftlich fundierte Fakten über den drastischen Rückgang heimischer Vogelarten präsentierte am Mittwochabend in der Alten Turnhalle der promovierte Biologe Peter Biedermann. Der Österreicher mit Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie an der Universität Würzburg verschaffte den etwa zwei Dutzend Besuchern Einblicke über die Hintergründe des Vogelsterbens und erklärte Möglichkeiten, dieses zu stoppen.

    Von der Region Main-Spessart zeigte sich der 38-Jährige begeistert: »Das ist eine tolle Landschaft mit vielen Vögeln, die in meiner Heimat längst ausgestorben sind.« Seit seiner Kindheit sei er von allem was »kreucht und fleucht« fasziniert, erklärte Biedermann eingangs um seinen kurzweiligen Vortrag mit aufwühlenden Zahlen zu belegen: nur noch 20 Prozent aller Brutpaare seien es im Vergleich zum Jahr 1800, von den einst mehr als 400 Vogelarten leben in Deutschland nur noch 250 – Tendenz stark fallend.

    Kiebitz ausgestorben

    Gerade die Erfassungen aus dem Landkreis Würzburg verdeutlichten den Rückgang am Beispiel des Kiebitz, dem Vogel des Jahres 2019: Gab es 1979 noch 1000 Brutpaare in der Region, sei der Bestand 1999 auf 40 Brutpaare zurückgegangen. Bei der Zählung im vergangenen Jahr konnte kein Vogel mehr entdeckt werden, seitdem gilt der Kiebitz im Würzburger Umland als ausgestorben.

    Als Ursache für das Vogelsterben nannte Biedermann den drastischen Rückgang von Insekten. Dadurch kollabiere das Nahrungssystem der Vögel. Für Jungvögel gebe es keine ausreichende Nahrung mehr, dadurch würden Eier nicht mehr ausgebrütet. Als Ursache nannte der Biologe die Monotonisierung und die Intensivierung der Landwirtschaft. Gerade der Faktor, dass immer mehr mittelständische landwirtschaftliche Betriebe schließen, sei alarmierend. Großbetriebe würden keine Rücksicht auf die Umwelt nehmen und bei der Mahd Schneideverfahren anwenden, die mit einer Vernichtung der im Feld lebenden Insekten einhergehen würde.

    Biedermann forderte mehr Tierweiden, denn deren Dung ernähre Insekten. Der Verbraucher müsse die Biolandwirtschaft besser unterstützen. Staatliche Förderprogramme zur Renaturierung in der Landwirtschaft gehören Biedermanns Meinung nach intensiviert.

    Im eigenen Garten beginnen

    Auch im eigenen Garten könne mit wenig Aufwand viel gegen das Insekten- und Vogelsterben erreicht werden. »Wir müssen etwas mehr Unordnung auf unseren Grünflächen zulassen und den Rasen und die Hecken nicht zu oft schneiden.« Besitzer von Steingärten gehören laut Biedermann gänzlich enteignet. »Das Zeitalter des Umdenkens in der Ökologie beginnt«, zeigt sich der Biologe zuversichtlich, »es liegt an uns selber jetzt aktiv zu werden.«

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