• aktualisiert:

    Gemünden

    Dumm gelaufen: Im Darknet bestellte Drogen wurden in Postfiliale abgefangen

    Erreicht haben die bestellten Amphetamine und anderen Betäubungsmittel den 27-Jährigen nie, weil sie zuvor in einer Postfiliale abgefangen wurden.
    Das Amtsgericht in Gemünden. Foto: Michael Mahr

    Hat ein 27-Jähriger im Darknet Drogen bestellt oder hat er nicht? Vor diese Frage sah sich Strafrichterin Laura Paczesny am Amtsgericht Gemünden gestellt. Am Ende der Verhandlung war sie von der Schuld des Modeberaters überzeugt und verurteilte ihn zu einer Bewährungsstrafe von insgesamt einem Jahr und zwei Monaten. Darin einbezogen ist eine elfmonatige Freiheitsstrafe aus einer früheren Verurteilung.

    "Opfer" eines bundesweiten Schlags gegen den Handel mit Betäubungsmittel ist der damals in Gemünden wohnhafte Angeklagte geworden. Unter der Führung von Polizei und Staatsanwaltschaft im nordrheinwestfälischen Münster flogen mehrere Drogenbesteller im Bundesgebiet auf. Amphetamine und andere Betäubungsmittel mit einem Gewicht von insgesamt 120 Gramm soll der Mann im Darknet bestellt haben. Erreicht haben ihn die Drogen aber nie, weil sie zuvor in einer Postfiliale abgefangen wurden.

    Angeklagter sieht sich als Opfer eines Rachefeldzugs

    "Ich weiß nicht, wer mir hier ein Ei legen will", sagte der Angeklagte vor Gericht. Er will die Drogen nie bestellt haben und vermutet einen Rachefeldzug von anderen jungen Männern, die die Betäubungsmittel auf seinen Namen bestellt haben. "Ich hatte nicht immer die besten Freunde", berichtete der Mann, der jetzt in Würzburg wohnt, aus seiner Gemündener Zeit. Er selbst wäre schon finanziell nicht in der Lage dazu gewesen, Drogen zu kaufen. Außerdem hätte er sich im Mai 2018 in einer psychischen Notlage befunden.

    Im Rahmen der bundesweiten Ermittlungen und wegen des Drogenfundes der beiden Warensendungen an ihn, wurde der Angeklagten von Ermittlern der Polizeistation Gemünden vernommen. Der Beamte konfrontierte ihn mit den aus Münster übersandten Ermittlungsakten sowie den abgefangenen Drogenbriefen. In der Vernehmung äußerte sich der 27-Jährige nicht zu den Vorwürfen und legte dem Beamten seinen Cannabis-Pass vor, denn wegen einer nicht richtig behandelten Erkrankung wird ihm diese Droge ärztlich verordnet. Allerdings betonte er dem Polizisten gegenüber, dass, "wenn es so gewesen wäre, war es eine große Dummheit von mir".

    Dieser protokollierte die Aussage als ein Geständnis, der Verteidiger nannte es "eine kriminalistische List". Zunächst hätte der Beamte "ein Vertrauensverhältnis aufgebaut und die Aussage als ein Geständnis eingestuft". Der psychiatrische Gutachter, bei dem der Angeklagte seit fast zwei Jahren eine Therapie absolviert, stufte seinen Patienten als sehr glaubwürdig ein. Dabei ging er davon aus, dass dieser die Drogen auch nicht bestellt hat. Bei der polizeilichen Vernehmung sei der junge Mann einfach überfordert gewesen.

    Staatsanwältin hat keine Zweifel an den Vorwürfen

    Die Staatsanwältin hegte allerdings an den Vorwürfen keinen Zweifel. Sie sah den versuchten Erwerb von Betäubungsmitteln durch die Aussage des Polizeibeamten als erwiesen an und beantragte eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. Darin eingeschlossen eine Verurteilung aus dem Jahr 2019, wo der Mann wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von elf Monaten verurteilt worden war. Außerdem soll er 1000 Euro Geldstrafe zahlen. Der Verteidiger plädierte auf eine Geldstrafe, höchstens aber eine "leichte Erhöhung der elf Monate".

    Mit ihrem Urteil blieb Richterin Laura Paczesny zwischen den beiden Anträgen. Zudem machte sie dem Angeklagten zur Auflage, 100 Stunden gemeinnützige Arbeiten nach Weisung eines Bewährungshelfers abzuleisten sowie die begonnene erfolgreiche Therapie fortzusetzen. Während der Angeklagte und sein Verteidiger das Urteil annahmen, gab die Staatsanwältin keine Erklärung ab. Dafür erklärte der Therapeut des Mannes, dass die Chefin des Modeberaters in einem Gespräch bereits angekündigt hat den noch in der Probezeit befindlichen 27-Jährigen aus dem Arbeitsverhältnis zu entlassen.

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!