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    Gemünden

    Ehepaar vor Gericht: Bei Streit die eigene Frau verletzt?

    Vorläufig eingestellt hat Richterin Karin Offermann das Verfahren gegen einen 41-jährigen Mann aus dem Raum Marktheidenfeld gegen Zahlung von 1200 Euro. Seine Noch-Ehefrau hatte ihn wegen Körperverletzung in zwei Fällen angezeigt. Bei einer Bestrafung des Angeklagten, so die Hoffnung der Frau, sollte dies eine für sie günstige Ausgangsposition für das noch ausstehende Scheidungsverfahren haben.

    Im April und August 2017 soll es in der Wohnung und vor dem Haus der 38-jährigen Frau zu von ihrem Ehemann ausgehender körperlicher Gewalt gekommen sein. Demnach hatte die Frau im Anfang 2017 das Ende ihrer Ehe gesehen und ihren Gatten aufgefordert, aus ihrer Eigentumswohnung auszuziehen und sich eine neue Bleibe zu suchen. Weiter verlangte sie von ihm eine schriftliche Aufstellung von den Sachen, die er gerne mitnehmen möchte. Nachdem der Ehemann dieser Aufforderung nicht nachkam, kam es im April zur Aussprache. In deren Verlauf soll der Gatte seine Partnerin grob angefasst, an den Haaren ins Schlafzimmer gezogen, sie auf das Bett geworfen und mit dem Unterarm am Hals "gewürgt" haben. Den Streit, das Anpacken und Aufs-Bett-Werfen gab der Mann zu. "Mehr war aber nicht", beteuerte er vor Gericht.

    Gerangel um Autoschlüssel – zwei Versionen

    Zwei abweichende Schilderungen erhielt das Gericht über die Vorfälle vom 19. August 2017, die schließlich die Trennung der Eheleute bedeuteten. So berichtete der Mann, dass er an dem Samstag sein Auto, das vor der von der Ehefrau genutzten Garage stand, innen reinigen wollte. Als die Frau mit ihrem Auto dort ankam, soll sie ihn beschimpft haben. Sie habe außerdem gedroht, ihn einzuparken, wenn er nicht gleich Platz mache. Er habe deshalb um ihren Autoschlüssel gebeten, um ihr Auto umzusetzen und anschließend seines wegzufahren. Beim Gerangel um den Autoschlüssel sei die Frau im Garten rückwärts auf den Boden gefallen. Sie zog sich eine Schädelprellung zu. Nachdem der Mann noch auf sie draufstürzte, hatte sie zusätzlich Hämatome an den Armen.

    Die Frau bestritt, ihr Auto hinter dem Wagen ihres Mannes geparkt zu haben, so dass er nicht mehr wegfahren konnte. Auf dem Weg zur Wohnung soll der 41-Jährige ihr den Schlüssel gewaltsam entrissen haben. Zum folgenden Gerangel glichen sich die beiden Aussagen.

    Die beiden Polizeibeamten, die nach dem Streit im August gerufen worden waren, hatten die Verletzungen der 38-Jährigen und ihre Aussage dokumentiert. In den Zeugenaussagen der Beamten hörte sich das allerdings nicht so schlimm an, wie es die Frau dem Gericht schilderte.

    Mögliche Gründe für Belastungseifer

    Der Verteidiger des Mannes brachte spekulierte über Gründe für den "Belastungseifer" der Frau, die besser verdient als ihr Gatte: Im Scheidungsverfahren vor dem Familiengericht hoffe sie auf eine Entscheidung zu ihren Gunsten. Wegen körperlicher und psychischer Gewalt gegen sie habe der Mann aus ihrer Sicht die Ansprüche auf Unterhalt und einen Versorgungsausgleich verwirkt.

    Mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft stellte Richterin Offermann das Verfahren gegen Mann gegen die Zahlung von 1200 Euro zu Gunsten des Kinderhospiz Sternenzelt vorläufig ein.

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