• aktualisiert:

    Lohr

    Ehre für Bernhard Rückert, Vorkämpfer naturnaher Waldwirtschaft

    Erfreut und gerührt: Bernhard Rückert mit der Karl-Gayer-Medaille. Mit ihr würdigt der Bund Naturschutz Bayern den Einsatz des Leiters des Lohrer Stadtwaldes für eine möglichst naturnahe Waldbewirtschaftung und den Artenschutz.
    Erfreut und gerührt: Bernhard Rückert mit der Karl-Gayer-Medaille. Mit ihr würdigt der Bund Naturschutz Bayern den Einsatz des Leiters des Lohrer Stadtwaldes für eine möglichst naturnahe Waldbewirtschaftung und den Artenschutz. Foto: Johannes Ungemach

    Bernhard Rückert, der Leiter des Lohrer Stadtwaldes, ist am Montag mit der höchsten Auszeichnung geehrt worden, die der Bund Naturschutz (BN) in Bayern im Bereich des Waldes zu vergeben hat. Für seinen sich über drei Jahrzehnte erstreckenden Einsatz für eine naturnahe Waldbewirtschaftung erhielt der 64-Jährige die Karl-Gayer-Medaille, benannt nach dem Vordenker der naturgemäßen Forstwirtschaft. Rückert ist der 35. Preisträger seit 1977.

    Rückert habe maßgeblich dazu beigetragen, dass der Lohrer Stadtwald heute bundesweit als Vorzeigeobjekt dafür gilt, wie sich im Forst verschiedene Nutzungen wie Holzernte, Wasserschutz, Erholung und nicht zuletzt Naturschutz unter einen Hut bringen lassen, so die zahlreichen Laudatoren. Es sei Rückerts Lebenswerk, dass der Lohrer Stadtwald heute ein »Schatz im Spessartwald« sei.

    Seit 1988 bei der Stadt

    Rückert war 1988 als Revierförster zur Stadt gekommen. 1992 übernahm er die Leitung der städtischen Forstverwaltung, die mit gut 4100 Hektar nach Augsburg den zweitgrößten Kommunalwald Bayerns bewirtschaftet. Gleich zu Beginn setzte Rückert trotz mancher Widerstände einen neuen Kurs. Er sollte weg von der flächenweisen Bewirtschaftung hin zur kleinräumigen Nutzung führen, struktur- und somit auch artenreiche Wälder schaffen. Rückert sei so zum Vorkämpfer und Vorreiter für eine naturgemäße Waldwirtschaft geworden, sagte Richard Mergner, der in Ruppertshütten aufgewachsene BN-Landesvorsitzende. In Zeiten des Klimawandels sei der von Rückert bereits vor drei Jahrzehnten eingeschlagene Kurs hin zu deutlich vorratsreicheren, naturnäheren Wäldern »aktueller denn je«, so Mergner.

    Zu der Preisverleihung waren rund 75 geladene Gäste gekommen, darunter Forstleute, Naturschützer, Wissenschaftler und Weggefährten Rückerts aus ganz Bayern. Bei einer kleinen Exkursion im Distrikt Dicker Rohn führte Rückert seine Waldphilosophie vor Augen. »Wenn wir Holz machen, darf es der Wald eigentlich gar nicht merken«, plädierte er für ein möglichst bestandsschonendes Wirtschaften mit oft einzelstammweiser Nutzung.

    Es gehe darum, den Wald dicht zu halten um ein Kleinklima zu erhalten, das den Bäumen in Zeiten des Klimawandels das Überleben erleichtere. Ziel seien struktur- und totholzreiche gemischte Bestände, wobei die Buche klar dominiert.

    Von Widerständen unbeirrt

    Mit seinen den Natur- und Artenschutz betonenden Positionen hat sich Rückert in den vergangenen Jahrzehnten in Forstkreisen nicht nur Freunde gemacht. So mancher Staatsförster des Spessarts liegt mit ihm im Clinch. Auch manchem Jäger ist Rückert ein rotes Tuch, weil er die gesetzliche Vorgabe »Wald vor Wild« vehement verfolgt. Am Montag nun gab es nicht nur für Rückert reichlich Lob dafür, dass er sich von Anfeindungen nicht hat beirren lassen. Auch die Stadt Lohr wurde dafür gelobt, dass sie Rückerts Kurs zuließ und stützte. Der Erfolg dieses Beharrens lässt sich nicht nur daran messen, dass der Stadtwald heute ausgesprochen vorratsreich ist. In ihm leben auch viele seltene Arten wie der Schwarzstorch. Zuletzt wurde gar ein Luchs gesichtet. Auch ökonomisch, so erklärten Lohrs Bürgermeister Mario Paul und dessen Vor-Vorgänger Siegfried Selinger, sei der Stadtwald ein Erfolgsmodell.

    Beispielgebendes Erfolgsmodell

    An diesem Erfolgsmodell könnten sich viele andere Kommunalwälder und auch der Staatswald ein Beispiel nehmen, sagte Bernd Kempf, Vorsitzender des für mehr Waldnaturschutz kämpfenden Vereins »Freunde des Spessarts«.

    Er sei von all dieser Ehre und dem Lob »sehr gerührt«, sagte schließlich Rückert, dessen Dienstzeit im Stadtwald in gut einem Jahr endet. Er erinnerte daran, dass sein Kurs im Stadtrat mitunter am seidenen Faden hing. Rückerts Dank galt nicht zuletzt seiner Mannschaft, die die »Flausen des Chefs« mitgetragen und umgesetzt habe.

    Die Entwicklung des Stadtwaldes gehe »auf ganzer Fläche in die richtige Richtung und ist auf großer Fläche schon ziemlich weit«, sagte Rückert und schob mit Blick auf sein nahendes Ausscheiden aus dem Dienst nach: »Es würde mich freuen, wenn die Richtung beibehalten wird.«

    Zwei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Main-Spessart-Newsletter!

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!