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    KROMMENTHAL

    Ein Dorf feierte seine Geschichte

    Der Musikverein und die Feuerwehr führten die Kirchenparade bei der 500-Jahr-Feier von Krommenthal an. Foto: Karl Anderlohr

    1518 erneuerte und verschärfte Kardinal Albrecht von Brandenburg, Erzbischof und Kurfürst von Mainz das Mandat zur Forstnutzung im Spessart, weil – so führte er aus – durch die Missachtung bisheriger Anordnungen diesem „Kleinod des Erzstifts“ nicht geringer Schaden zugefügt wurde. Dabei wurde unter anderem die Glashüttensiedlung „Krotintale“ erwähnt, später Crummenthal und schließlich Krommenthal genannt. Für den Ort Krommenthal war das Anlass, seinen 500. Geburtstag gebührend zu feiern.

    Krommenthals Ortsgeschichte verlief weitgehend parallel zu der vieler anderer Glashüttensiedlungen. Es war am Bauernkrieg beteiligt und wurde dafür bestraft: im Dreißigjährigen Krieg wurde es ausgeplündert und niedergebrannt; viele Menschen kamen ums Leben; die geflohenen Überlebenden kamen zurück und bauten es wieder auf

    Das Dorf mit seinen 330 Einwohnern, das seit 1972 zur Gemeinde Wiesthal gehört, hatte zum Jubiläum zwar keine Großveranstaltung organisiert, aber die beiden Ortsvereine Feuerwehr und Musikverein, unterstützt durch viele Helfer, hatten zu einem kleinen, aber feinen Fest eingeladen.

    In der 1959/1960 erbauten Herz-Jesu-Kirche zelebrierte Pfarrer Marian Bak den Festgottesdienst, musikalisch ausgestaltet von den Krommenthaler Musikanten unter Leitung von Ann-Kathrin Imhof.

    „Kein Mensch kann ohne Heimat leben“, sagte der Geistliche. Es sei gut, sich mit der Vergangenheit zu befassen, sich dankbar der Menschen früherer Generationen zu erinnern, ohne die es den Ort nicht so gäbe, wie er ist. Es stelle sich aber auch die Frage, wie es weitergeht. Nicht alles werde beim Alten bleiben, aber bei allem Wechsel und aller Unsicherheit bleibe das Vertrauen auf das Wort Gottes, das morgen genauso gilt, wie in der Vergangenheit und Gegenwart

    Zum Schluss des Gottesdienstes sang ein Kinderchor, der eigens für diesen Anlass gebildet worden war, das „Krommenthaler Lied“. Mit einer Kirchenparade ging es dann zum Festzelt, das in der Ortsmitte direkt am Aubach aufgeschlagen worden war.

    Wiesthals Bürgermeister Andreas Zuschlag konnte auch Gäste aus den Nachbarorten begrüßen, darunter seinen Kollegen Edmund Wirzberger von Neuhütten und die 2. Bürgermeisterin von Frammersbach, Elisabeth Kestler. Er dankte allen, die dazu beigetragen hatten, dieses Fest vorzubereiten und zu gestalten.

    Zuschlag ging kurz auf die Ersterwähnung von 1518 ein und erinnerte an den verstorbenen Heinrich Keil, der sich gründlich mit der Geschichte des Dorfes befasst hatte. Mit viel Ehrgeiz und Passion habe sich auch Alfred Fleckenstein diesem Thema gewidmet, unterstützt durch eine Reihe weiterer Interessenten. Das Ergebnis liegt nun in Form einer kurz gefassten Ortschronik vor und Dunja Fath hatte alte Aufnahmen zu einem Fotoband zusammengestellt. Beide sind über die Gemeinde erhältlich.

    Die Bände lagen auch in einer Fotoausstellung aus, die der Bürgermeister anschließend im Gemeindehaus eröffnete. Zu den ältesten Aufnahmen gehörten Erinnerungsbilder der Freiwilligen Feuerwehr aus den Jahren 1905/06. Recht gut dokumentiert sind auch der Bau der Herz-Jesu-Kirche und deren Weihe am 17. Juni 1961 durch Weihbischof Alfons Kempf. Für die kleine Gemeinde muss der Kirchenbau, für den sich vor allen der damalige Pfarrer Karl Krebs stark gemacht hatte, ein enormer finanzieller Kraftakt gewesen sein. Andere Aufnahmen zeigen den Wandel des Dorfbildes in den letzten Jahrzehnten.

    Die Feuerwehr stellte ihr altes Spritzenfahrzeug vor, auch dies ein Stück Ortsgeschichte. 1999 war daran gedacht, die Feuerwehr Krommenthal aufzulösen und in die Wiesthaler Wehr zu integrieren. Dagegen stimmte jedoch der Gemeinderat mit Dreiviertelmehrheit. So blieb die Feuerwehr zusammen mit dem 1974 gegründeten Musikverein einer der Pfeiler des dörflichen Gemeinschaftslebens.

    Über das Glashüttenwesen im Spessart und damit ein wichtiges Kapitel der frühen Krommenthaler Ortsgeschichte referierte am Nachmittag Dr. Gerrit Himmelsbach und anschließend konnte man einem Glasbläser zuschauen, der dieses alte Handwerk in der Praxis demonstrierte.

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