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    Lohr

    Ein Haus wächst mit den Generationen

    Joachim Salzmann in der modernen Wohnküche im '73 er-Neubau' am hinteren Ende des Gebäudekomplexes. 1995 hat er das Haus von seinen Eltern übernommen und umfassend modernisiert.
    Joachim Salzmann in der modernen Wohnküche im "73 er-Neubau" am hinteren Ende des Gebäudekomplexes. 1995 hat er das Haus von seinen Eltern übernommen und umfassend modernisiert. Foto: Simon Hörnig

    "Wenn man erst einmal damit angefangen hat, macht das süchtig", sagt Joachim Salzmann und lacht. Der 61-jährige ehemalige Finanzbeamte hat im Ruhestand über die Familienforschung ein neues Hobby für sich erschlossen: die Beschäftigung mit der Baugeschichte des familieneigenen Fachwerkhauses in der Lohrer Hauptstraße.

    Doch bietet die Genese des denkmalgeschützten Gebäudes alleine in den letzten 100 Jahren der Spurensuche auch allen Anlass. Dies ist der Zeitraum, den Salzmann mit seinen Recherchen im Blick hat. War es doch sein Urgroßvater, der Konditormeister Franz Salzmann, der die ehemalige Bäckerei und Weinwirtschaft Leonhard Weigand am 4. August 1900 für 25000 Mark abkaufte, um darin seine Konditorei weiterzuführen.

    Rege Familientradition

    Mit dem Kauf alleine war es für den Sohn eines Glasmachers jedoch nicht getan und so begründete er 1906 mit dem ersten bedeutenden Umbau eine rege Familientradition.

    "Luftschlösser" nennt sein Urgroßenkel Joachim die ersten Umgestaltungspläne liebevoll und tatsächlich entbehren die überlieferten Zeichnungen nicht einer gewissen Erhabenheit. Im Stile der Gründerzeit war für das Erdgeschoss eine gusseiserne Fassade mit großzügigen Schaufenstern ersonnen.

    Doch wie es Luftschlösser so an sich haben, wurde daraus nichts und anstelle einer kompletten Umgestaltung des Gebäudes – inklusive Erkerturm – besann man sich zunächst darauf, das Erdgeschoss für das Lokal wirtschaftlicher zu gestalten.

    Zu neuer Blüte gebracht

    Einen Schritt weiter ging dann 1936 sein, ebenfalls Franz geheißener, ältester Sohn. Mit Unterstützung seines Schwiegervaters, dem Bauunternehmer Franz Schmitt, ließ er das komplette Untergeschoss zur Hauptstraße hin entkernen.

    Fortan ruhte der übrige Teil des Hauses auf dicken Eisenträgern und zwei "Stützel" im neuen, offenen Gastraum. "Nach heutigen Gesichtspunkten etwas windig, aber damals war noch kein Statiker unterwegs", weiß Joachim Salzmann, auf den die nicht ganz einwandfreie Baumaßnahme letztlich zurückfallen sollte.

    Ehemals Café, heute Bank: das Fachwerkhaus der Familie Salzmann. 
    Ehemals Café, heute Bank: das Fachwerkhaus der Familie Salzmann.  Foto: Simon Hörnig

    Das Lokal brachte es dadurch jedenfalls zu neuer Blüte, was den dritten Franz im Bunde, abermals ein ältester Sohn, 1959 dazu veranlasste, das Erdgeschoss mit Übernahme des Hauses erneut komplett zu sanieren.

    Bis zu 120 Gäste

    Der bisherige Innenhof wich einer modernen Spülküche und im Keller wurden Toiletten mit fließendem Wasser installiert. Damit war das "Café Salzmann" für die Bewirtung von bis zu 120 Gästen gerüstet. "Das war damals schon das führende Haus, auch wenn mein Vater nie so gedacht hat", erinnert sich Salzmann. Der geschäftstüchtige Franz war sich im Jahr 1969 dann auch nicht zu schade, den Cafébetrieb zugunsten einer zukunftsträchtigeren Umnutzung der Geschäftsräume durch die Raiffeisenbank einzustellen. Deren rasantem Wachstum in den Siebzigern ist auch der Neubau am hinteren Ende des Komplexes geschuldet. Franz ließ das dreigeschossige Gebäude dort anstelle der alten Scheune errichten.

    Nichts blieb beim Alten

    1995 war es dann an Joachim, wiederum als ältestem Spross, das Haus von seinen Eltern Franz und Amanda zu übernehmen. Und auch ihm blieb eine umfassende Modernisierungsmaßnahme nicht erspart. "Heizung, Strom, Wasser, Fußböden und Deckenhöhen – in den Wohnräumen blieb nichts beim Alten", erklärt Salzmann. Als neues Herzstück des Hauses entstand über dem ehemaligen Innenhof ein zweistöckiger Wintergarten.

    Dem Umzug der Raiffeisenbankzentrale in die Rechtenbacher Straße folgte zudem eine Umnutzung der Bürogeschosse in Wohnräume. Dies war jedoch nicht der letzte Umbau, den die aktuellen Hausbewohner miterleben sollten.

    "Das war ziemlich spektakulär", erinnert sich Salzmann. Die Bank habe 2016 eigentlich "nur ein bisschen" sanieren wollen und als die Verkleidung der Decke geöffnet wurde, offenbarte sich, dass die Eisenträger von Baumeister Schmitt "doch etwas zu dünn und etliches marode war".

    Erhebliche Investition

    Der zuständige Statiker verordnete dem Erdgeschoss ein 16-Tonnen-Stahlkorsett. Eine erhebliche Investition, die Salzmann im Alter nicht mehr tragen wollte. Hier sprang seine älteste Tochter Martina Maier ein, die Familientradition fortzuführen und ihren Einstand als Hausbesitzerin mit einer Generalsanierung zu begehen. Dass dies die letzte große Umbaumaßnahme gewesen sei, habe sich Joachim Salzmann abgewöhnt zu behaupten, denn: "Man weiß ja nie".

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