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    GEMÜNDEN

    Ein Heimspiel für die neue Chefin

    Eine Lohrerin in Gemünden: Die 56-jährige Luitgard Barthels (mit Strauß) ist neue Amtsgerichtsdirektorin. Mit auf dem Bild (von links) ihr Vorvorgänger Bardo Backert, dessen Vorgängerin Isolde Anstötz, Landgerichtspräsidentin Anna Maria Stadler und Oberlandesgerichtspräsident Clemens Lückemann. Foto: Björn Kohlhepp

    Die Lohrerin Dr. Luitgard Barthels ist am Montagmorgen im Festsaal des Kreuzklosters Gemünden feierlich als Amtsgerichtsdirektorin des Amtsgerichts Gemünden eingeführt worden. Die 56-Jährige ist die Nachfolgerin des am 11. Januar gestorbenen Reiner Lenz. Ihr Ziel sei es, so sagte Barthels, „ein positives Bild der Justiz“ zu vermitteln. Der Präsident des Oberlandesgerichts Bamberg, Clemens Lückemann, nutzte die Gelegenheit, um zu Beginn seiner Rede Verunglimpfungen der Justiz anzuprangern.

    Illustre Gästeschar

    Eine große und „illustre Gästeschar“, so Lückemann, machte Luitgard Barthels ihre Aufwartung. Die Präsidentin des Landgerichts Würzburg, Anna Maria Stadler, hatte viel zu tun, die wichtigsten Gäste der Amtseinführung zu begrüßen. Darunter befanden sich die Landtagsabgeordneten Günther Felbinger und Harald Schneider, Landrat Thomas Schiebel, Bezirksrat Sitter Johannes Sitter, Bürgermeister, Schulleiter, Polizeihauptkommissare, Barthels' Vorvorgänger Bardo Backert und dessen Vorgängerin Isolde Anstötz, Notare, Behördenleiter, hohe Staatsanwälte und Richter. Stadler sagte, das Amtsgericht Gemünden sei ein „durchaus vorzeigbares und konkurrenzfähiges.“

    Oberlandesgerichtspräsident Lückemann bezeichnete Barthels als „optimale Teamspielerin“, was sie „bestens für das Amt der Direktorin des Amtsgerichts Gemünden“ eigne. Er lobte sie als „einfühlsam, kontaktfreudig und bescheiden“. Mit ihr sei zudem der Frauenanteil in der Riege der Amtsgerichtsdirektoren des Oberlandesgerichtsbezirks „um 100 Prozent angestiegen“ – mit anderen Worten: Sie ist aktuell die einzige Direktorin.

    Lückemann erinnerte noch einmal an Barthels' Vorgänger Reiner Lenz, der „mit seinem natürlichen, aufgeschlossenen Wesen das Vertrauen und die Sympathie von Kollegen und Öffentlichkeit“ gewonnen habe. Die Gäste der Amtseinführung erhoben sich zu Ehren des plötzlich verstorbenen Lenz von ihren Plätzen.

    Außerdem packte er die Gelegenheit beim Schopf, um eine „bodenlose Kampagne interessierter Kreise gegen die bayerische Justiz“ zu beklagen. „Die Justiz ist seit geraumer Zeit Objekt verzerrender Darstellungen ihrer Arbeit“, so Lückemann. Dabei würde „bewusst die Grenze zwischen selbstverständlich legitimer Kritik und gezielter Verunglimpfung“ überschritten. Das „bodenlose Genre der Gerichtsshows“ habe glücklicherweise sein Ende gefunden, jetzt sieht Lückemann die Schulen gefragt, ein „realitätsnahes staatsbürgerliches Wissen über Aufgabe und Funktionsweise der Justiz“ zu vermitteln.

    Die neue Amtsgerichtsdirektorin Luitgard Barthels wurde von Lückemann mit einem Blumenstrauß offiziell in ihrem Amt begrüßt, das sie schon seit 13. Mai innehat. Die neue Direktorin aus Lohr sagte in ihrer Rede: „Ich möchte nicht verhehlen, dass mir die Entscheidung, hier nach Gemünden zu gehen, nicht gerade leicht gefallen ist.“ Zum einen habe sie ihren Vorgänger Lenz geschätzt, zum anderen habe ihr die vorherige Tätigkeit als Richterin am Oberlandesgericht Bamberg viel Freude bereitet.

    Herausforderung in Gemünden

    Den Ausschlag für Gemünden habe nicht die räumliche Nähe zu Lohr gegeben, wo sie geboren wurde, aufwuchs und noch heute lebt. Ein bisschen sei es die Herausforderung gewesen, Hauptgrund jedoch, dass das Bild der Öffentlichkeit von der Justiz maßgeblich von Amtsgerichten geprägt werde. Barthels freue sich auf die neue Aufgabe und wolle dereinst von sich sagen können: „Ich war mit Leib und Seele Direktorin des Amtsgerichts Gemünden am Main.“

    Die Feier mit anschließendem Stehempfang wurde von drei Musikern des Oberlandesgerichts Bamberg umrahmt.

    Von unserem Redaktionsmitglied Björn Kohlhepp

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