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    Lohr

    Ein Instrument mit einem ganz besonderen Klang

    Beim Jubiläumskonzert spielten Organist Martin Karle und Klinikseelsorger Heinz Weigand Bachs Bourrée im Duett. Foto: Frank Zagel

    Seit 40 Jahren erfüllt die Orgel in der St.-Elisabeth-Kirche am Lohrer Bezirkskrankenhaus die Gottesdienste mit Musik. Zum Jubiläumskonzert am Sonntag, das unter dem Motto »Da berühren sich Himmel und Erde« stattfand, trafen 50 Besucher ein, um sich selbst einen Eindruck des voluminösen Klangbildes des Geburtstagsinstrumentes zu schaffen.

    In diesem Jahr feiert die 1979 erbaute mechanische Schleifladenorgel ihren Geburtstag und stand mit dem ihr zu Ehren gehaltenen Konzert im Mittelpunkt des Geschehens.

    Der »lebendige Teil des Gottesdienstes« war das Musikinstrument aus dem Hause der Orgelbau-Firma Weiß in Zellingen schon immer, weiß Heinz Weigand. Der Pastoralreferent arbeitet als Klinikseelsorger seit 2008 am Bezirkskrankenhaus und hat schon einige Gottesdienste erlebt: »Viele Patienten finden hier eine vertraute Atmosphäre.«

    Neben Patienten und Heimbewohnern gibt es auch viele Anwohner, die sonntags um halb elf den katholischen Gottesdienst besuchen, sagt Weigand. Die evangelische Messe findet alle zwei Wochen um 9 Uhr statt. Etwa 30 bis 50 Menschen würden regelmäßig das Wort Gottes hören.

    Extra auf die Patienten mit psychischen Erkrankungen wurde der Klang der Orgel angepasst, erklärt Martin Karle, der das Instrument nahezu zeitgleich seit seinem Einbau pflegt. Vor neun Jahren wurde bei einer Orgelreinigung das Klangbild abgemildert, berichtet der Orgelbaumeister und Inhaber der Zellinger Orgelbaufirma.

    Der scharfe Oberton wurde heraus genommen um mit einem »wärmeren grundtönigen Klangbild einen Wohlfühlfaktor zu schaffen.« Auch die Spieltakturen wurden umgebaut und auf mehr Leichtgängigkeit überarbeitet. Neben der Hauptorganistin Edith Klug sitzt auch Karle hin und wieder während den Messen an der Kirchenorgel. Dabei hat er den Effekt auf die Patienten schon häufig selber erlebt. »Die Zuhörer sind von diesem Klang gefangen«, führt der 56-Jährige aus. »Sie werden dadurch ruhiger.«

    Über 818 Pfeifen verfügt die Orgel, die damals speziell auf die Raumgröße der Kirche passend eingebaut wurde. Die kleinste aus Holz gefertigte Pfeife ist gerade mal acht Millimeter lang, die Größte – aus einer Metalllegierung – bringt es auf zweieinhalb Meter. Dabei ist diese noch mit einem Dämpfer ausgestattet, erklärt Karle, sonst käme die Pfeife auf vier Meter Länge.

    Etwa 90 Dezibel würde die Lautstärke beim Zusammenspiel aller Register betragen. Der Wert dieses Instrumentes würde sich heute auf etwa 150000 Euro beziffern, schätzt Karle.

    Das Spiel in seiner spannungsvollen harmonischen Vielschichtigkeit der ausgewählten Stücke, von Martin Karle persönlich intoniert, konnte während des mehr als einstündigen Konzerts durchweg überzeugen. Beginnend mit dem Praeludium & Fuge von Johann Sebastian Bach offenbarten sich die voluminösen Klangbilder der Jubiläumsorgel im Auditorium.

    Mit Bedacht ging Karle in das Menuett I und II aus der Suite g - moll HWV 453 von Georg Friedrich Händel über. Im Bourrée von Bach ließ sich Karle von Heinz Weigand am Saxofon unterstützen, was der Komposition zusätzliche Dynamik vermittelte.

    Dass Karle auch als Komponist tätig ist, bewies er bei seinem Stück Meditation, das durch einprägsame Harmonien hervorstach. Erneute Begleitung durch Weigands Saxofon erhielt das Stück Scholem sol sajn, eine jüdische Klezmer-Komposition, die durch ihre lockere Vortragsart zu einer weiteren musikalischen Abwechslung führte und das Klangspektrum der Kirchenorgel in seinem ganzem Umfang offenbarte.

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