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    Sendelbach

    Ein "Pädagoge aus Passion" verlässt Sendelbach

    Diesen von den Lehrerkollegen individuell gestalteten Baum bekam Rektor Reinhold Sendelbach zum Abschied. Die offizielle Ruhestandsukrunde übergab Schulamtsdirektorin Karin Auth, rechts im Bild die Stellvertreterin Jutta Deubert und Bürgermeister Mario Paul. Foto: Hans Lembach

    Eine große Wertschätzung erfuhr Rektor Reinhold Sendelbach für sein Wirken an der gleichnamigen Grundschule Sendelbach von allen Beteiligten der großen Abschiedsfeier am Freitagmittag in der Schul-Aula. Immer wieder kam das Zitat von Don Bosco – "Erziehen ist vor allem Sache des Herzens" – in den Reden als Sendelbachs Berufsmotto zur Sprache.

    Zudem waren es die Eigenschaften Ruhe und Gelassenheit, die nicht nur Musikschul-Leiterin Petra Breitenbach dem beliebten Schulleiter gleich zu Beginn attestierte. "Drei Schnupperstunden eines Instrumentes deiner Wahl in der städtischen Musikschule" übergab Breitenbach an Sendelbach, der allerdings ankündigte, sie gleich seiner Frau weitergeben zu wollen. Sendelbachs Frau Inge war übrigens nicht bei der Feier dabei, die Lehrerin wurde zur gleichen Zeit an der Lohrer Grundschule in den Ruhestand verabschiedet.

    Die stellvertretende Schulleiterin Jutta Deubert und Sabine Brohm moderierten den Programmablauf, um den "außerordentlichen Menschen" Reinhold Sendelbach zu würdigen.

    Renovierungsbedarf

    Schulamtsdirektorin Karin Auth bescheinigte Sendelbach, dass er eine Schule hinterlasse, die zwar in der baulichen Substanz viel Renovierungsbedarf habe, aber in der didaktischen Aufstellung sehr modern und in den erzieherischen Erfolgen weit vorne sei. Das Ganze sei geprägt von Respekt, gegenseitiger Rücksichtnahme, Toleranz und harmonischem Miteinander.

    Auth skizzierte Sendelbachs Berufsleben, wobei er als Lehrer und Erzieher den Lehrplan als ein "nötiges Rohmaterial" angesehen habe. "Herzenswärme" sei die Grundvoraussetzung, damit Kinderseelen wachsen. Sendelbach habe aber auch klare Regeln konsequent eingefordert und Generationen von Schülern geprägt.

    Im Schulleben habe der "Pädagoge aus Passion" in den Bereichen Theater, Tanz, Schülerzeitung und Sport und vielen anderen Projekten Beispielhaftes geleistet. Als Schulleiter habe er immer pragmatische Ergebnisse angestrebt, ganz in dem Bewusstsein, dass er als Chef sein Team hinter sich weiß.

    Nach der offiziellen Übergabe der Ruhestandsurkunde durch Karin Auth lobte Bürgermeister Mario Paul das große Engagement eines Mannes für eine Schule, die gleichen Namens ist. Sendelbach habe seine Aufgabe mit vollem Einsatz ausgeführt, seine "pädagogische Aufgabe aus Überzeugung" erfüllt und sei dabei "immer dem Menschen zugewandt" gewesen.

    Stadtpfarrer Sven Johannsen ging auf die zentrale Bedeutung von Bildung ein und charakterisierte besonders Sendelbachs Gelassenheit in der Zusammenarbeit. Für den Elternbeirat schilderte Ruth Braun aus der Sicht als ehemalige Schülerin von Sendelbach und 30 Jahre später als Mutter die Begegnung und Zusammenarbeit mit Reinhold Sendelbach. Offen und konstruktiv habe er die Interessen der Schulfamilie vertreten und vieles auf den Weg gebracht.

    Im Namen aller Lohrer Grundschulen und weiterführenden Schulen sprach Rektorin Susanne Rinno ein Grußwort und beschrieb Sendelbach als "Mensch der klaren Worte". Kurt Liebler (St.-Kilian-Schule) lobte Sendelbachs Offenheit.

    Studienrätin Jutta Deubert verglich Sendelbach mit einem "großen Gärtner, der alle Gewächse im Blick hat und sie dabei in Ruhe beobachtet". Deubert, die die Grundschule Sendelbach ab sofort kommissarisch leitet, bescheinigte Sendelbach eine "Aufgeschlossenheit, gepaart mit kritischer Distanz". Gemeinsam mit dem Lehrerchor blickte sie auf "gemeinsame Jahre im Tal der Seeligen" zurück. Eine spezielle Ausgabe der Schülerzeitung "Hoppelpoppel" überreichte Claudia Fey.

    Rektor Reinhold Sendelbach verwies in seiner Dankesrede auf die Liste der Neuerungen und Veränderungen der letzten Jahre an der Schule: Einschulungskorridor, Inklusion, Integration, Zeugnisreform, kompetenzorientierter Lehrplan, Lernentwicklungsgespräche, Elternwille, flexible Grundschule, Nachmittagsbetreuung, Offene Ganztagsschule, Jahrgangsgemischte Klassen, R6 und G8, Medienoffensive und einiges mehr. Rückblickend sei nicht alles schlecht, aber auch nicht alles der große Wurf gewesen.

    "Traumhafte Verhältnisse"

    Lern- und Lebensinhalt stimmten oft nicht mehr überein. Alles gehe schneller als gedacht, wie zum Beispiel der Klimawandel. "Von den jetzigen Bildungsinhalten sind manche bereits überholt, wenn sie von uns vermittelt werden", erklärte Sendelbach. Der scheidende Rektor kam zu dem Schluss: "Wir sollten uns also weniger bemühen, den Weg für unsere Kinder vorzubereiten, als unsere Kinder für den Weg".

    "Solch traumhafte Verhältnisse wie hier an der Sendelbacher Grundschule findet man selten: Ein Chef ist ein Mensch, der anderer bedarf. Ich hatte solche andere", sagte Sendelbach, der alle benannte, mit denen er zusammenwirken durfte. Es sei ihm eine große Freude gewesen, dass er hier an dieser "wunderschönen Grundschule tätig sein durfte". Er schloss mit einem Zitat von Martin Luther: "Es gefällt mir kein Stand so gut, ich wollte auch keinen lieber annehmen, als ein Schulmeister zu sein."

    Reinhold Sendelbach
    Nach dem Abitur 1975 am Gymnasium Lohr und dem Grundwehrdienst in Veitshöchheim beim Sanitätsbataillon studierte Reinhold Sendelbach ab 1976 für das Lehramt an Hauptschulen an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät Würzburg. Nach dem 1. Staatsexamen folgten als Lehramtsanwärter erste Stationen in Urspringen und in Lohr. Nach dem 2. Staatsexamen ging es ab September 1982 an die Volksschulen in Frammersbach, Partenstein, Hafenlohr-Windheim, Karlburg, Lohr Stadt, Sackenbach, Rechtenbach und schließlich ab 1984 nach Sendelbach. Am 1. Januar 1991 wurde er zum Konrektor ernannt, 2005 zum Rektor. Die Leitung der Grundschule Sendelbach übernahm er Ende Juli 2003.

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