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    Lohr

    Ein Riesenschiff aus der Lohrer Werft

    Die Lohrer Schiffbauwerft Schecher: Die Aufnahme entstand laut Beschriftung um 1875 – der Lohrer Fotograf Franz Wilhelm Schäfer (1872 bis 1951) hat sie nicht gemacht, aber Jahrzehnte später als historische Lohrer Ansicht herausgegeben und in Zeiten der noch bilderlosen Lokalzeitungen verkauft.  
    Die Lohrer Schiffbauwerft Schecher: Die Aufnahme entstand laut Beschriftung um 1875 – der Lohrer Fotograf Franz Wilhelm Schäfer (1872 bis 1951) hat sie nicht gemacht, aber Jahrzehnte später als historische Lohrer Ansicht herausgegeben und in Zeiten der noch bilderlosen Lokalzeitungen verkauft.   Foto: Sammlung Schäfer Stadtarchiv/Repro: Hans Lembach

    Berühmt waren in den vergangenen Jahrhunderten die Lohrer Schiffbauer, die vor 150 Jahren einen besonderen Auftrag an Land gezogen hatten. Viele Frachtschiffe bauten sie am Holzplatz unterhalb der Fischergasse. Alte kernige Eichen aus dem Spessartwald waren ihr Werkstoff. Mit Axt und langen Zugsägen richteten sie mühsam die Bohlen, aus denen sie dann kunstfertig den Rumpf der Schiffe zusammenfügten. In wochenlanger gemeinschaftlicher Arbeit entstand ein Mainschiff oder gar einen großer Rheinfrachter, wie im Jahr 1869 die "Leviathan", von der Lieferung nach Antwerpen überliefert ist.

    Etwa 60 Meter lang

    Etwa 20 Schiffbaumeister, Gesellen und Gehilfen werkelten zusammen, wenn ein Auftrag aus Mainz, Remagen oder Köln kam zum Bau eines Rheinschiffes. Unter den Meistern waren zwei Schecher namens Johann und Friedrich, zwei Obmann, Franz Wilhelm und Philipp, und drei Dildey, Anton, Georg und Nikolaus. Zu den Gesellen gehörten zwei Weis, Anton und Lorenz, weiter Heinrich Zeitz, Michael Holzmeister, Philipp Seiler, Georg Molitor, Leonhard Schwind, Heinirch Wirth und Adam Keller.

    Ein Meisterstück erstellten die Lohrer Schiffbauer im Jahre 1869, ein Riesenschiff, 180 Schuh lang gleich etwa 60 Meter. Es hatte eine Tragkraft von 12000 Zentnern – 600 Tonnen. Eine Reederei in Antwerpen hatte es bestellt. Es wurde auf den Namen "Leviathan" getauft.

    Leviathan — im alten Testament erwähnt – war nach der jüdischen Mythologie eine riesiger Drache. Bis Weihnachten 1869 sollte das Schiff in Antwerpen sein. Am 16. Dezember war es startbereit. Auf Holzrollen wurde es in den Main gebracht und flussabwärts gerudert. Am Samstag, 18. Dezember, war das glänzend lackierte Prachtstück schon in Frankfurt. Dort war jedoch der Wasserstand etwas zu hoch und das Schiff konnte weder den eisernen Steg noch die Eisenbahnbrücke passieren. So musste es im Frankfurter Hafen Quartier nehmen.

    Mast mit Segel brach und fiel über Bord

    Zum Glück hatte man es gar nicht versucht, durch die Brücke hindurchzuschlüpfen, sonst wäre dem kostbaren Frachter vielleicht Schlimmeres widerfahren als am folgenden Tag einem bergwärts segelnden Schiff, das gegen die Eisenbahnbrücke stieß, wobei der Mast mit Segel brach und über Bord fiel. Erst am 31. Dezember 1869 konnte "Leviathan" den Frankfurter Hafen verlassen, als der Wasserstand niedriger war. Mit 14-tägiger Verspätung setzte sich die Reise nach Antwerpen fort, wo es sehnlich erwartet wurde. Mit umgeladener Fracht aus Überseesoll es sogleich wieder rheinaufwärts geschickt worden sein.

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    Bearbeitet von Hans Lembach

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