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    Homburg

    Eine fränkische Barock-Perle zur Weihnacht

    Kunstvolle Barockmusik zu Advent und Weihnacht im Homburger Stucksaal (von links): Gerhart Darmstadt (Cello), Michael Günther (Cembalo, Pantaleon) und Tenor Timo Rößner. Foto: Martin Harth

    Eine glanz- und kunstvolle Einstimmung auf das Weihnachtsfest abseits jeglicher Betulichkeit und kommerziellen Kitschs konnten gut 50 Gäste des Konzerts "Pastorella venga bella" auf Schloss Homburg erleben. Dazu hatte Michael Günther den Hamburger Cellisten Gerhart Darmstadt und erstmals den Tenorsänger Timo Rößner aus Lüneburg eingeladen.

    Darmstadt hatte mit seinen beiden Kollegen ein Programm für historisches Muszieren aus der Barockzeit mit Werken aus Deutschland und Italien einstudiert. Deren oftmals auch religiös tief greifende Hintergründe beleuchtete er fachkundig in kurzen Moderationen.

    Weihnachtliche Musik mit Cello und Cembalo

    Der Auftakt war mit der Sonata C-Dur von Alessandro Scarlatti (1660-1725) für das fünfsaitige Barockcello und Günthers hell tönendes, neapolitanisches Cembalo vom Anfang des 18. Jahrhunderts bewusst lieblich und heiter gewählt worden. Als frühe Schöpferin der Oper gilt die Florentinerin Francesca Caccini (1587-1640). Ihre Kantate "O che nuovo stupor" bot für Timo Rößner erstmals die Gelegenheit mit bester Artikulation das warme Timbre seiner Stimme wirken zu lassen.

    Auf dem Cembalo erklangen zwei anmutige d-Moll-Sonaten von Domenico Scarlatti (1685-1757). Eine davon griff in Günthers virtuoser Interpretation gut vernehmbar traditionelle Schäfer-Weisen aus dem Süden Italiens und aus Sizilien auf.

    Cello und Cembalo brachten mit der Bearbeitung des Chorals "Nun kommt der Heiden Heyland" eine bekannte, vorweihnachtliche Orgelkomposition Johann Sebastian Bachs in Erinnerung. Berührend meditativ sang Timo Rößner die Aria a-Moll aus Bachs Kantate "Jesu nun sey gepreiset" aus dem Jahr 1725.

    Perle der unterfränkischen Kompositionskunst

    Danach war eine kleine Pause zum Stimmen erforderlich, denn Michael Günther wechselte vom Cembalo an ein frühes Hammerklavier, ein sogenanntes "Pantaleon", das um die Mitte des 18. Jahrhunderts in Thüringen gebaut worden waren. Seine Register und lang nachschwingenden Saiten vermittelten in dynamischem Spiel und im Zusammenklang mit Darmstadts verlässlicher Cello-Begleitung eine lebendig-frische Grundlage für Georg Philipp Telemanns (1681-1757) Cantate "Pastorella venga bella". Timo Rössner vermochte ihr eine geradezu liebevolle Beseeltheit abzugewinnen.

    Entzückend und zart stellte Michael Günther das Allegro aus der c-Moll-Sonate des Würzburger Hofkomponisten Giovanni Platti vor, das im Jahr 1746 in Nürnberg publiziert worden war.

    Am Ende des Konzerts stand eine kleine, nicht sehr bekannte Perle unterfränkischer Kompositionskunst. Georg Joachim Joseph Hahn (1712-1772) stammte aus Münnerstadt. Er stieg dort zum Ratsherrn und Rektor der Lateinschule auf. Der Schwerpunkt von Hahns musikalischem Schaffen lag bei der geistlichen Vokalmusik. Seine "Aria di Navitate Domini – Jetzt auf Erden woll’t fröhlich werden" berichte davon. Rößner hauchte dem volkstümlichen, kleinen Lied mit stimmlichem Glanz den innigen Geist des nahenden Weihnachtsfests ein und entzückte damit das Publikum im Homburger Stucksaal auf eine ganz besondere, fränkische Weise.

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