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    Marktheidenfeld

    Einkaufsserie: Man muss was machen, sagen zufriedene Händler

    Nicht alle Einzelhändler in Marktheidenfeld sind unzufrieden: Auch bei ihnen wird eingekauft.  Foto: Ralf Thees

    Die schlechten Nachrichten scheinen immer mehr zu werden, was den Einzelhandel in Marktheidenfeld angeht. Nun hat auchUdo Lermann offen bekanntgegeben, dass das Kaufhaus geräumt und das Sortiment deutlich reduziert im hinteren Bereich des Areals zu finden sein werde. Aber wenn jemand über den Einzelhandel klagen darf, dann sind das die Einzelhändler. Beispielhaft erzählen im vierten Teil der Einkaufsserie drei Einzelhändler, dass man in Marktheidenfeld auch zufrieden sein kann.

    Kunden sollen sich wohlfühlen

    "Das mit dem Amazon können wir nun mal nicht ändern", sagt Sabine Betz. Die 55-Jährige verkauft Mode, Deko und Schmuck in ihrem kleinen Laden in der Mitteltorstraße. Jammern mag die Einzelhändlerin nicht. Ihr Geschäft läuft gut genug, wie sie sagt. Dafür müsse sie aber auch etwas tun.

    "Werbung ist das A und O", findet Betz. Sie schaltet regelmäßig Werbung im Anzeigenblatt oder in der Zeitung.  "Die Leute müssen an dich erinnert werden", sagt Betz. "Und du musst deine Persönlichkeit einbringen", sagt sie, "denn du verkaufst nicht nur Waren, du verkaufst auch dich." Das fällt ihr nicht schwer, sie ist mit Leib und Seele Händlerin, wie sie sagt. "Die Kunden sollen sich wohlfühlen bei mir, ein Besuch soll Spaß machen", erklärt Betz. Auch wenn die Leute erst mal gar nichts kaufen, "aber das macht nichts. Wenn es ihnen hier gefallen hat, dann kaufen sie halt ein andermal was."

    Die Persönlichkeit des Händlers ist auch wichtig: Sabine Betz von Lifestyle in der Mitteltorstraße. Foto: Ralf Thees

    Seit fünf Jahren hat Betz den Laden in Marktheidenfeld, mit der Lage in der Mitteltorstraße ist sie sehr zufrieden. "Wir sind hier sehr gut aufgestellt, das ist eine gute Mischung hier." Den Sprung nach Marktheidenfeld von Lohr, wo sie 16 Jahren lang ein Textilgeschäft hatte, bereut Sabine Betz nicht. Die Kunden und Geschäftsleute hier seien sehr freundlich. Dass immer wieder Geschäfte in der Marktheidenfelder Innenstadt schließen, bedauert sie natürlich.  Man dürfe jetzt aber nicht alles so negativ sehen, meint Sabine Betz, Umbrüche gebe es überall, nicht nur in Marktheidenfeld. "Die eine Tür geht zu, eine andere Tür geht auf", sagt die Geschäftsfrau, es hätten schon immer Läden zu gemacht und neue auch wieder geöffnet.

    Wenige Hektik und viele Parkplätze machen Marktheidenfeld beliebt

    Von Sabine Betz' Laden ein paar Meter weiter, die Mitteltorstraße runter und rechts die Treppe hoch Richtung Rathausparkplatz, findet man Petra Streitenberger. Fast zeitgleich mit Betz hat Streitenberger ein Geschäft in Marktheidenfeld eröffnet, den Wäscheladen P1. Als Quereinsteigerin. 23 Jahre hat sie in der Verwaltungsgemeinschaft gearbeitet, bis sie sich 2013 den Traum wahr machte, den sie schon immer hatte: einen eigenen Laden. Ganz unbedarft war Streitenberger allerdings nicht, hat sie doch eine Ausbildung als Industriekauffrau. "Es ist allerdings immer ein Risiko, einen Laden aufzumachen", gibt Streitenberger zu. Doch das Risiko hat sich bisher gelohnt. Schon dreimal wurde das Geschäft erweitert. "Ja, es hat sich gut entwickelt", sagt sie lachend. So gut, dass sie nun mit der Übernahme der Räume des ehemaligen Modehaus Schneebacher in wenigen Monaten eine Filiale in Lohr eröffnen wird.

    So zufrieden, dass sie eine Filiale in Lohr eröffnet: Petra Streitenberger von der Wäscheboutique P1. Foto: Ralf Thees

    Rund 70 Prozent Stammkunden besuchen ihren Wäscheladen, schätzt Petra Streitenberger.  Die weiteste Anreise dürfte eine Kundin aus Ingolstadt haben, viele kommen aus dem Raum Marktheidenfeld. Aber auch Kunden aus Würzburg und Umgebung fahren gerne zum Einkaufen zu ihr, wie Streitenberger sagt, weil es hier im Vergleich zur Großstadt nicht so hektisch sei und man keine Parkplatzprobleme hätte. "Ich glaube, dass man was machen muss", sagt die Geschäftsfrau auf die Frage, wie sie die Kunden bei der Stange hält. Ein Gläschen Sekt für die Kunden – oder den wartenden Ehemann –, ein hübsch verpacktes Glas Honig als Geschenk bei Einkäufen ab 50 Euro, "solche Aufmerksamkeiten eben", sagt Streitenberger, "die machen den Unterschied." 

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    Ihre Kunden wüssten natürlich auch die Qualität den angebotenen Unterwäsche zu schätzen, sagt Petra Streitenberger. Aber ebenso würden sie die Beratung und den persönliche Bezug freuen. "Ich weiß bei den meisten Kundinnen, was sie beim letzten Mal gekauft haben", sagt sie lachend, "und teilweise noch die Geschichten dazu." Natürlich gäbe es auch Leute, denen anonymes Einkaufen lieber sei, gibt Streitenberger zu. "Aber mir macht es Spaß, und ich glaube, die Leute kommen auch gerne zu uns."

    Kunden wissen persönlichen Kontakt zu schätzen

    Im Vergleich zu den beiden anderen Läden gehört Büro Albert in der Obertorstraße mit 125 Jahren Geschichte zum Urgestein der Marktheidenfelder Geschäftswelt.  "Die Ist-Situation finde ich gar nicht mal so schlecht", sagt Birgit Albert, "es gibt einen ganz guten Branchenmix in der Stadt." Natürlich fehle das eine oder andere, aber als Kundin genießt Albert das Einkaufserlebnis. "Ich mag hier, dass man die Leute kennt",sagt Birgit Albert. "Man kennt sich, man grüßt sich und man würde wohl vermisst werden, wenn man nicht mehr da ist. Als Person, Kunde und auch als Geschäft." 

    Setzt auf Service, Qualität und Aktionen: Birgit Albert von Büro Albert. Foto: Ralf Thees

    Einzugsgebiet des Geschäfts ist vor allem Marktheidenfeld, aber auch aus dem gesamten Alt-Landkreis kommen Kunden. Schreibwaren ist aber ein schweres Geschäft, so Albert. "Hefte, Stifte, das gibt es doch in jedem Supermarkt." Und im Internet könne man auch alles kaufen, sagt Birgit Albert. "Viele unserer Kunden sind aber so schlau und blicken weiter: Was passiert denn, wenn ich nichts mehr vor Ort kaufe?" Viele Geschäfte in Marktheidenfeld müssten schließen, prophezeit Albert. Büro Albert hat auch einen Online-Shop auf ihrer Internetseite. Viel Umsatz werde nicht darüber gemacht, sagt Birgit Albert, aber man biete dem Kunden wenigstens die Möglichkeit an.

    Glücklicherweise würden genug Kunden den persönlichen Kontakt schätzen und den Weg in den Laden finden. Der Unterschied sei aber die Qualität und auch der Service, den sie als Fachgeschäft bieten können. Aber auch das ist kein Selbstläufer. "Wir schauen eigentlich ständig, wo wir noch besser und kundenorientierter sein können", sagt Birgit Albert. Das Geschäft veranstaltet jedes Jahr den "Ranzenalarm", eine Mischung aus Messe für Schulranzen und Schulbedarf und einem Kinderfest. "Das verursacht sehr viel Arbeit", gibt Birgit Albert zu, "aber man muss als Geschäft einfach was machen."

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