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    Lohr

    Einschulungskorridor: Eltern sind unsicher

    Auch im größten Lohrer Kindergarten am Seeweg gestaltete sich die Anmeldung für das neue Kindergartenjahr durch den Einschulungskorridor schwieriger als sonst.  Foto: Thomas Josef Möhler

    Kinder, die zwischen dem 1. Juli und 30. September sechs Jahre alt werden, müssen ab diesem Jahr nicht mehr eingeschult werden. Die Neuregelung hat zu wenig Veränderungen, aber zu einem hohen organisatorischen Mehraufwand und Verunsicherung der Eltern geführt, ergaben Nachfragen der Redeaktion.

    Der Einschulungskorridor ist ein Werk des Koalitionsvertrags zwischen CSU und Freien Wählern in Bayern. Damit soll der individuellen Entwicklung der Kinder stärker Rechnung getragen werden. Die Eltern können entscheiden, ob sie "Korridorkinder" einschulen oder noch ein Jahr im Kindergarten lassen.

    Nach Angaben von Rathaussprecher Dieter Daus sind in Lohr 42 Kinder im Einschulungskorridor, also zwischen dem 1. Juli und 30. September 2013 geboren. 28 davon würden sicher eingeschult, elf sicher nicht. Bei drei Kindern liege noch keine Entscheidung der Erziehungsberechtigten vor.

    Zeit bis zum 3. Mai

    Die Anmeldung für das neue Kindergartenjahr habe sich durch den Einschulungskorridor schwieriger als sonst gestaltet, so Daus. Denn die Anmeldungen würden schon im Januar entgegengenommen, um den Eltern die Zusagen für den Kindergarten beziehungsweise die Krippe möglichst frühzeitig schriftlich mitteilen zu können. Für den Einschulungskorridor hätten die Eltern gegenüber den Grundschulen allerdings Zeit bis 3.Mai gehabt, um eine definitive Einschulungsentscheidung zu treffen.

    Durch rechtzeitige Gespräche der Kindergartenleiter mit den Eltern habe aber eine recht gute Einschätzung erstellt werden können, welche Kinder in die Schule kommen werden. Für jene Kinder, deren Einschulung nicht sicher war, seien entsprechend Plätze in den Kitas freigehalten worden.

    Daus’ Fazit: "Das neue Verfahren führt bei uns weder zu überfüllten Kindertagesstätten noch zu leeren Grundschulen. Die Kinder, die nicht in die Schule kommen, wären in früheren Jahren in den allermeisten Fällen zurückgestellt worden."

    In Frammersbach fallen nach Angaben von Bürgermeister Christian Holzemer 13 von 44 schulpflichtigen Kindern in den Einschulungskorridor. Die Eltern von sechs Kindern machten von der Möglichkeit Gebrauch, ihren Nachwuchs noch im Kindergarten zu lassen. Diese müssten zusätzlich betreut werden, teilweise im Kindergarten St. Elisabeth und teilweise im Waldkindergarten, der ausgebucht sei.

    Eine Klasse weniger

    Die sechs "fehlenden" Kinder hatten an der Grund- und Mittelschule Frammersbach Auswirkungen auf die Klassenbildung. Mit ihnen hätten vier Eingangsklassen gebildet werden können, berichtete auf Anfrage Rektor Christoph Rüttiger. Ohne sie gebe es im kommenden Schuljahr drei Eingangsklassen mit je 24 bis 25 Schülern.

    Zudem habe sich die Klassenbildung um vier Wochen verzögert, weil die Eltern mit der Entscheidung bis zum 3. Mai Zeit hatten. Bei den Eltern sei eine große Verunsicherung zu spüren gewesen: "Sie kamen zur Schulleitung und wollten Beratung", so Rüttiger. Das habe zu einem "immensen Mehraufwand" geführt: "Die Schulleitung hat das mit voller Wucht getroffen."

    Die Kinder kenne er ja gar nicht, weil sie noch in den Kindergarten gingen. Trotz einer engen Zusammenarbeit mit den Kindergärten vor Ort sei das schwierig gewesen. Das Hauptproblem sieht der Rektor in der "übereilten Einführung des Korridors". Das Kultusministerium habe erst im Februar darüber informiert, "da gab es aber schon die ersten Einschulungsgespräche".

    Die Idee selbst hält Rüttiger für gut. Er sei für die Flexibilisierung der Einschulung, weil die kognitive Entwicklung von Kindern nicht gleichzusetzen sei mit dem Geburtsdatum. Manche Sechsjährige seien so weit wie Siebenjährige, andere dagegen auf dem Stand von Vierjährigen.

    Aber die Umstellung auf den Korridor sei "nicht professionell" erfolgt. Der Rektor hätte sich gewünscht, dass die Einführung noch ein Jahr hinausgeschoben wird: "Gute Beratung braucht Zeit." Die Einführung in diesem Jahr habe zu Mehrarbeit und Zeitdruck geführt.

    Keine großen Auswirkungen

    "Bei uns im Dorf hat das keine so großen Auswirkungen", meinte Partensteins Bürgermeister Stephan Amend. Sechs Kinder seien im Korridorzeitraum geboren, von denen vier eingeschult würden und zwei nicht.

    Amend leitete unserer Redaktion eine Aussage von Anette Winter weiter, der Rektorin der Naturpark-Spessart-Schule: "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Eltern der Korridorkinder trotz der Beratungsgespräche sehr verunsichert sind." Auf die Schule habe die Einführung des Korridors allerdings keine Auswirkungen.

    Bearbeitet von Thomas Josef Möhler

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