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    Lohr

    Elektroräder sind wahre Verkaufsschlager

    Verkaufen sich prächtig: E-Bikes.
    Verkaufen sich prächtig: E-Bikes. Foto: Roland Weihrauch (DPA)

    Wer in der Ferienzeit oder auch an Wochenenden auf Radwegen unterwegs ist, strampelt oft im Pulk. Radfahren ist in. Wer etwa auf dem beliebten Maintal-Radweg genau hinschaut, sieht vor allem eines: Immer mehr E-Bikes oder richtig ausgedrückt Pedelecs. Was sagen Fahrradhändler im Kreis Main-Spessart zu diesem Trend? Was ist besonders in und worauf kommt es beim Kauf an? Wir hörten uns in Lohr um.

    Unter den geschätzt 77 Millionen Fahrrädern in Deutschland sind nach einer Studie des Bundesverkehrsministeriums bislang vier Millionen Pedelecs. Das entspricht gut fünf Prozent. Vergangenes Jahr sollen hierzulande 980000 neue E-Bikes verkauft worden sein – ein Anstieg von 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

    Arbeitgeber least Job-Räder

    Im Oktober 2018 hat der Cube Store in Lohr eröffnet: Im Angebot sind Räder für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, für Freizeitradler und für sportaffine Menschen, die schnell auf der Straße oder in unwägbarem Gelände bergauf und bergab unterwegs sein wollen. Michael Weyer ist im Geschäft für das Marketing und den Verkauf zuständig und Rennrad-Fahrer für Lizenzrennen. »E-Bikes oder eigentlich Pedelecs sind bei uns ein enorm großes Thema«, sagt er.

    Immer häufiger werde das sogenannte Job-Rad nachgefragt. »Das Leasing läuft über den Arbeitgeber. Lohrer Firmen fördern damit die Mobilität ihrer Beschäftigten«, erklärt Weyer. Sogar ein Autohaus biete das laut Weyer seinen Mitarbeitern an.

    Ein Beratungsgespräch für einen potenziellen Kunden dauert mindestens eine halbe Stunde. Es kommen Unbedarfte ins Geschäft, die kaum etwas über Pedelecs wissen, aber auch Kunden, die sich vorab schon gut informiert haben. Beim Fahrradkauf müsse abgeklärt werden: Für welchen Zweck brauche ich das Rad? Will ich damit auf der Straße oder im Gelände unterwegs sein, möchte ich ein Tourenrad mit Gepäck und Licht oder die puristische Variante?

    Beim Rad mit elektrischer Unterstützung kommt es auch auf die unterschiedlichen Antriebssysteme an: Es gibt den eher gediegenen 50-Newton-Motor mit weniger PS oder einen großen 75-Newton-Motor mit mehr »Zug auf der Kette, also mehr Power für den sportiven Bereich«, erläutert der Fachmann.

    In unserer Region mit dem Maintal und den Spessarthöhen fragen die einen nach Tourenrädern mit elektrischer Unterstützung und die anderen wollen ein vollgefedertes E-Mountainbike für Trails. »Dann gibt es noch die Crossvariante, mit denen man sowohl auf der Straße als auch auf Schotter zurechtkommt, wenn es nicht zu steil wird«, informiert Weyer.

    Entscheidet sich eine Kunde, gehört zur Bedarfsanalyse noch mehr dazu: Die Schrittlänge und Körpergröße wird gemessen, um die Rahmengröße zu ermitteln und natürlich wird auch der Preisrahmen gesteckt. 2000 bis 6500 Euro kann man loswerden. Was für den Händler vor Ort von Vorteil ist: Cube-Preise sind überall gleich – deshalb kommen die wenigsten nur zur Beratung in den Laden, um dann irgendwo online zu bestellen. Schließlich biete man auch eine Werkstatt für den Service.

    Akkus werden immer besser

    In der Saison bekomme man sein E-Bike laut Michael Weyer in drei bis fünf Tagen, weil in Lohr ein großes Lager ist. Inzwischen kämen bereits die 2020er-Modelle rein, die etwa einen besseren Akku haben. Statt aktuell 500 Watt gibt es dann 625 Watt, was eine Reichweitenerhöhung bedeutet. Zudem gebe es leichtere, kompaktere und auch leisere Motoren mit dem Vorteil der Entkoppelung. Das bedeutet: Wer schneller als 25 Stundenkilometer fährt, musste bislang das Getriebe mittreten. Beim 2020er-Modell entfällt das.

    Mittlerweile 80 Prozent der Neuverkäufe verzeichne die Sparte E-Bike, sagt Geschäftsführer Sascha Wagner von Action Line Bikes in Lohr. »Gedanklich und im Laden rücken die normalen Räder nach hinten«, hat er festgestellt. Er verkaufe Pedelecs für Kinder, aber auch an Personen von »18 bis 90 Jahre«. Junge Kunden schaffen sich ein E-Bike an wegen des Spaßfaktors. Hersteller hätten vor allem Mountainbikes verstärkt mit Motorunterstützung auf den Markt gebracht.

    »Statt einem Auto kaufen sich einige mittlerweile lieber ein Superrad«, sagt der 32-jährige Geschäftsführer, der früher selbst Rennen gefahren ist. Der Umweltgedanke sei dabei »ein netter Nebeneffekt«. Für ein gescheites E-Bike müsse man schon 2000 bis 4000 Euro hinlegen. Nach oben gebe es fast keine Grenzen.

    Action Line Bikes setzt nicht nur auf eine Marke, sondern hat Modelle für die verschiedenen Einsätze von City/Trekking über Cross Bike bis zum Mountainbike mit den gängigen Einstiegen vom klassischen Herrenfahrrad mit Stange bis zum bequemen Tiefeinstieg. Die Antriebsvarianten reichen vom Mittelmotor bis zum Frontantrieb mit unterschiedlich platzierten Akkupacks.

    »Jeder Kunde tickt eben anders, und deshalb setzen wir lieber auf verschiedene Marken und Motoren«, sagt der junge Geschäftsführer, der im Hintergrund noch vom Vater unterstützt wird. Ein Mechaniker steht ihm ebenfalls zur Seite.

    Erst die Frau, dann der Mann

    Oft werde erst ein E-Bike für die Frau angeschafft, um den Leistungsunterschied auszugleichen. Nach einiger Zeit ziehe der Mann dann nach, berichtet Sascha Wagner. Ihn freut, dass »Radwege wieder gefüllt sind und in die Infrastruktur investiert wird«. So ist mittlerweile der erste Abschnitt der Fahrradautobahn Frankfurt-Darmstadt eröffnet. Bis 2022 soll die gesamte 30 Kilometer lange Express-Strecke fertiggestellt sein.

    Michael Brunner von der Firma Fahrrad-Brunner in Lohr hat sich vor allem auf Sättel spezialisiert. Auch er bestätigt den klaren Trend zum E-Bike. Auf Vorrat habe er wenige Radmodelle, könne sie aber mit relativ geringer Wartezeit besorgen, sagt er.

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