• aktualisiert:

    Lohr

    Entlastung Lohrs vom Verkehr unsicher

    Bürger aus dem vom Verkehr stark belasteten Lohrer Ortsteil Steinbach studierten die Pläne für den Straßenbau. Foto: Thomas Josef Möhler

    Hat der Lohrer Raum eine ernsthafte Chance auf Entlastung vom Verkehr, wenn sich ab etwa 2030 nach dem Bau der B 26n von Arnstein bis Karlstadt eine Blechlawine nach Westen wälzt? "Diese Chance sehe ich nicht", betonte Armin Beck, der stellvertretende Vorsitzende der Bürgerinitiative (BI) gegen die B 26n, am Dienstag in der Alten Turnhalle.

    Beck nannte bei einer Veranstaltung der Ortsgruppe Lohr/Lohrtal des Bund Naturschutz (BN) vor rund 100 Zuhörern mehrere Argumente für seine Ansicht. Die von Politikern versprochene "Ertüchtigung des nachgeordneten Straßennetzes" im Kreis vor 2030 sei planerisch noch ganz am Anfang. Nur ein Projekt stehe kurz vor der Planfeststellung: Die Ortsumgehung Wiesenfelds – aber auch nur, weil die Stadt Karlstadt sie vorangetrieben habe.

    Finanzierung noch offen

    Zudem sei entgegen anderslautender Versprechungen die Finanzierung etwa der sogenannten "MSP-Spange" und einer dritten Lohrer Mainbrücke keineswegs gesichert. Beck berief sich auf ein Gespräch der BI Mitte September im Münchner Verkehrsministerium. Der Amtschef der Behörde habe der BI klargemacht, dass für alle Teilprojekte der B 26n das "Prinzip der Mittelfreigabe nach den jeweiligen haushaltspolitischen Gegebenheiten" gelte.

    Durch den Bau der B 26n von Arnstein bis Karlstadt, wie er im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans steht, werde "der Pfropf aufgemacht", so Beck. Der Landkreis bekomme mehr Verkehr, der sich nur wegverlagern, aber nicht auflösen lasse. Arnstein werde entlastet, dafür bekämen Karlstadt, die fränkische Platte und der Lohrer Raum mehr Verkehr ab.

    Klare Verkehrszunahme

    Selbst wenn die "Ertüchtigung des nachgeordneten Straßennetzes" tatsächlich verwirklicht würde, nähme der Verkehr zu. Ohne die B 26n sind laut Becks Angaben in Lohr und seinen Stadtteilen rund 42 000 Fahrzeuge am Tag unterwegs, davon 2500 Lastwagen. Nach dem Bau der MSP-Spange und des zweiten Teilstücks der B 26n von Karlstadt zur A3 würden es 51 300 sein, davon 4100 Laster. Allein auf der Osttangente wären es 9200.

    Zwischendurch, bevor die "Ertüchtigung" fertig sei, wären die Zahlen sogar noch höher. "Wo ist der Vorteil der B 26n?", fragte Beck. Die Bauphase werde sich bis 2045 hinziehen, viele Jahre lang werde es starke Mehrbelastungen geben und dann eine teilweise Entlastung nach Fertigstellung aller Vorhaben. Deshalb gebe es "für uns in Main-Spessart keinen vernünftigen Grund, warum wir für die B 26n sein sollten".

    Lohrs Bürgermeister Mario Paul verteidigte das Ja des Stadtrats zur B 26n: Die Zustimmung sei nur unter der Voraussetzung erfolgt, dass die nachgeordneten Straßen für eine Entlastung Lohrs ertüchtigt würden. Vor einem Jahr habe der Stadtrat gefordert, dass es eine Verkehrsfreigabe ab Karlstadt erst geben dürfe, wenn die Lösung für den Lohrer Raum realisiert sei.

    "Ganz anderer Weg"

    Den Vorteil der MSP-Spange sah Paul darin, dass durch sie zwar mehr Verkehr nach Lohr kommen würde, "aber an einer anderen Stelle der Stadt". Die Autos würden sich dann nicht durch die engen Ortsdurchfahrten von Steinbach und Sendelbach wälzen, sondern im Lohrer Süden auf ausgebaute Straßen treffen. Das sei ein "ganz anderer Weg durch die Stadt".

    Diese Argumentation kam beim BN-Ortsvorsitzenden Torsten Ruf nicht gut an. Die neue Straße nach Lohr zur dritten Mainbrücke würde südlich des Naturschutzgebiets Romberg hochwertige Flächen mit seltenen Tier- und Pflanzenarten durchschneiden. Ihm sei bewusst, dass dort ein sensibler Bereich sei, so Bürgermeister Paul, "aber jeder Eingriff wird ausgeglichen".

    Koser spricht von "Frevel"

    Viel Beifall bekam Steinfelds Bürgermeister Günter Koser, dessen Gemeinde durch die MSP-Spange betroffen wäre, für eine kämpferische Stellungnahme. Für die Spange müssten wertvolle Wälder abgeholzt und das malerische Buchental zerstört werden. Das sei ein "Frevel".

    Zudem sei ein "Fantast", wer glaube, dass Autofahrer erst nach Norden bis Lohr fahren, um dann nach Marktheidenfeld im Süden abzubiegen und auf die A3 zu kommen. So sehe es die vorliegende Straßenplanung vor. Koser kündigte an, Steinfeld werde alles tun, auch auf dem Rechtsweg, um gegen die B 26n vorzugehen.

    Die B 26n-Pläne stellte BN-Kreisvorsitzender Erwin Scheiner in einen größeren Zusammenhang. Das Klimapaket der Bundesregierung nannte er "mutlos". Im Haushalt des Bundesverkehrsministeriums werde "kein einziger Euro für den Straßenbau in Frage gestellt". Nötig seien aber Umschichtungen von der Straße auf den öffentlichen Personennahverkehr.

    Bearbeitet von Thomas Josef Möhler

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!