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    Duttenbrunn

    Erfolgreiche Waldflächentauschaktion in Duttenbrunn

    Das Team des freiwilligen Waldflächentausches Duttenbrunn mit Arbeitskreis und Mitarbeitern von Ämtern und Behörden: (von links) Projektleiterin Eva Kieskamp (Amt für ländliche Entwicklung), Martin Troll, Ruth Kraus, Forstamtsrat Werner Trabold, Totnan Bald, stellvertretender Vorsitzender Peter Pfeuffer, Walter Koch, Gerhard Hartmann, Vorsitzender Günther Krönert, Bürgermeister Wieland Gsell, Totnan Droll, Forstdirektor Christoph Kirchner, Bernhard Droll, Forstsachverständiger Bernd Trunk. Foto: Jürgen Kamm

    Ein erfolgreiches Ende fand nach nur drei Jahren nun der freiwillige Waldflächentausch in Duttenbrunn. Insgesamt 70 Tauschpartner haben nun Waldgrundstücke, die sich vernünftig bewirtschaften und auch verkaufen lassen, wurde bei einer offiziellen Abschlussveranstaltung bekannt gegeben.

    Wie fällt man auf einem nicht mal vier Meter breiten aber 100 Meter langen Grundstück einen Baum? Wenn die beiden Flurnachbarn nicht mitspielen geht das nicht. Grundstücke in Form eines "schmalen Handtuchs" sind das Ergebnis der fränkischen Realteilung (streifenweise Aufteilung des Grundbesitzes unter den erbenden Kindern). Geht es um Wald, sind sie irgendwann kaum noch nutzbar. Weil es in Duttenbrunn einige davon gab, fiel die von der Jagdgenossenschaft aufgebrachte Idee des freiwilligen Waldflächentauschs auf fruchtbaren Boden. Das freute auch Günther Krönert, den Vorsitzenden des Arbeitskreises.

    Einfach war es nicht. Das war nur gemeinsam und mit viel Vertrauen möglich.
    Eva Kieskamp vom Amt für ländliche Entwicklung

    "Einfach war es nicht", stellte Eva Kieskamp vom Amt für ländliche Entwicklung bei der Abschlussveranstaltung im Haus der Bürger fest. Galt es doch, manche Waldbesitzer erstmal ausfindig zu machen, zu überzeugen, den Wert der Grundstücke zu ermitteln und dann Tauschvorschläge auszuarbeiten. "Das war nur gemeinsam und mit viel Vertrauen möglich." Die insgesamt 70 Tauschpartner tauschten auf zwölf Hektar Fläche 198 Flurstücke (nicht ganz jedes dritte Grundstück) und das Amt für ländliche Entwicklung unterstützte mit 72 000 Euro an Fördermitteln.

    Wie gut es in Zellingen lief machte Bürgermeister Wieland Gsell an einem Vergleich deutlich: Er wisse vom ehemaligen Eußenheimer Bürgermeister Herbert Schneider, dass es dort schon Jahre dauerte die Waldbesitzer zu überzeugen und sich das Verfahren letztlich über 18 Jahre hinzog.

    "Hoppla" sei sein Gedanke gewesen, als er den Flurplan der Lage "Hutzelofen" erinnerte sich Forsttechniker Bernd Trunk. Doch die Duttenbrunner seien gut vorbereitet gewesen und hätten "voll mitgezogen."

    Das Lob gab Ruth Kraus, eine der Helferinnen der Vollverkluppung, wie die Wertermittlung genannt wird, umgehend zurück. "Es war eine angenehme Sache, Bernd Trunk stand uns immer helfend zur Seite, wenn es um die Bestimmung einer Baumart ging oder darum, den nächsten Grenzstein zu finden. Die Arbeit im Wald mit Kluppe (damit wird der Durchmesser der Bäume gemessen) und Markierungsspray sei interessant und anstrengend gewesen.

    Werdegang der Vollkluppung

    Als zweiter Vorsitzender des Arbeitskreises blickte Totnan Bald auf die drei Jahre zurück: Nach der ersten Anfrage beim Amt für ländliche Entwicklung "zwischen den Jahren 2015" gab es im Juni 2016 eine erst Infoveranstaltung bei der das Fördergebiet bekannt gegeben wurde. Bei der dritten Info-Veranstaltung im März 2017 waren dann 65 Prozent der Flurnummern für das verfahren angemeldet und die Vollkluppung wurde beschlossen. Diese wollte gut vorbereitet sein, insgesamt 1400 Meter Holzlatten wurden in der Werkstatt von Günther Krönert mit Säge und Farbe zu Pflöcken verarbeitet.

    Im Juni 2017 ging es zur Wertermittlung in den Wald. Ein Jahr später standen die vorläufigen Tauschvereinbarungen, am 1. Dezember 2018 wurden die finalen Tauschvereinbarungen unterzeichnet. Offiziell abgeschlossen ist das Verfahren seit dem 28. August 2019 als die Ausführungsanordnung erlassen wurde.

    Es gibt auch eine Statistik zu den getauschten Flächen: Acht waren kleiner als 500 Quadratmeter, 173 maßen zwischen 500 und 1000 Quadratmeter, weitere 17 zwischen 1000 und 2000 Quadratmeter. Vorher war die zusammenhängende Fläche je Besitzer im Schnitt 645 Quadratmeter groß, jetzt sind es fast 1800 Quadratmeter. "Damit ist das Ziel erreicht", stellte Totnan Bald fest.

    In der Abschlussveranstaltung ging es auch darum, dass nebeneinanderliegende Flurstücke eines Eigentümers jetzt verschmolzen werden und anschließend neue Grenzsteine gesetzt werden könnten. Wenn das in Form einer "Sammelbestellung" erfolgen würde, gäbe es vom Vermessungsamt einen deutlich günstigeren Preis.

    Freiwilliger Landtausch
    In der Land- und Forstwirtschaft lassen sich zusammen liegende Grundstücke einfacher bewirtschaften und dadurch Zeit (und Geld) sparen. Manchmal reicht es schon, wenige Flurstücke zu verlegen. Möglich ist das über einen freiwilligen Landtausch. Dabei tauschen die Beteiligten ihr Grundstücke einander so, dass sich die Besitzstruktur verbessert und ein effizienteres Wirtschaften möglich ist. Ein freiwilliger Landtausch kann aber auch aus Gründen des Naturschutzes oder der Landschaftspflege durchgeführt werden.
    Beantragt werden kann ein solcher Landtausch formlos beim zuständigen Amt für ländliche Entwicklung. Es kann den Tauschpartnern für fachliche Betreuung und Leitung der Verhandlungen einen sachkundigen Helfer zur Verfügung stellen. Die Kosten dafür können vollständig gefördert werden, die Tauschpartner müssen für den Helfer also nichts aus eigener Tasche bezahlen.
    Die Verfahrensschritte sehen nach ersten Informationen die Festlegen des Tauschgebiets vor. Die Tauschwilligen können zur Bestimmung der Grundstückswerte ein Gutachten von einem Forstsachverständigen erstellen lassen, müssen dieses aber vollständig selbst bezahlen. Der Tauschhelfer erhält eine Vollmacht zur Einholung von Grundbuchauszügen, führt Einzelgespräche mit den Tauschwilligen, erarbeitet die Tauschvereinbarungen und legt sich nach Unterzeichnung durch die Tauschwilligen mit allen erforderlichen Anträgen dem Amt für ländliche Entwicklung vor.

    Bearbeitet von Jürgen Kamm

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