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    Karlstadt

    Erntehelfer fehlen: Wer hilft beim Spargel stechen in MSP?

    Weil die Erntehelfer aus Osteuropa nicht kommen dürfen. Doch die Landwirte aus Main-Spessart geben die Hoffnung nicht auf. Corona setzt auch ungeahnte Recourcen frei.
    Die Zeilen bei Karl-Heinz Schnackig aus Schönarts sind gezogen, der Spargel will wachsen, Erntehelfer fehlen.
    Die Zeilen bei Karl-Heinz Schnackig aus Schönarts sind gezogen, der Spargel will wachsen, Erntehelfer fehlen. Foto: Günter Roth

    Alarmstimmung herrscht derzeit bei der Schönartser Bauernfamilie Schnackig. Eigentlich sollte es hier im Eußenheimer Ortsteil demnächst mit der Spargelernte losgehen, aber wegen der Coronakrise fehlen die Erntehelfer aus Osteuropa und stellen die Landwirte vor kaum lösbare Probleme.

    Noch am Montagabend war Karl-Heinz Schnackig voller Hoffnung auf eine positive Entwicklung. Die Erntehelfer aus Rumänien, die seit vielen Jahren im Frühjahr bei der Ernte von Spargel und Erdbeeren aushelfen, waren bereit, auch heuer in Schönarts zu arbeiten. Doch dann kam am Mittwochabend die Nachricht, dass Menschen aus diesem Land, das nicht zum Schengen-Abkommen gehört, nicht mehr in Deutschland einreisen dürfen. Größere landwirtschaftliche Betriebe hatten noch schnell ganze Flugzeuge gebucht und Helfer eingeflogen, für Schnackigs ging das leider nicht mehr. Seitdem hat sich die Lage für den Familienbetrieb dramatisch geändert.

    So geht Spargel stechen: Die Landwirte hoffen nun, dass ihnen Arbeitslose, Studenten und Kurzarbeiter helfen.
    So geht Spargel stechen: Die Landwirte hoffen nun, dass ihnen Arbeitslose, Studenten und Kurzarbeiter helfen. Foto: Andreas Arnold

    "Wir wissen im Augenblick nicht, wie es hier weitergehen wird", sagt der Jungbauer. Sieben Hektar an Spargelfeldern hat er vorbereitet, die 42 Zeilen südöstlich des Saupurzel sind gezogen und abgedeckt und die ersten Stangen schieben schon. Eigentlich ist alles für eine baldige Ernte bereit.

    Die Rumänen dürfen nicht, die Polen sind unschlüssig

    "Die Rumänen wollen kommen und dürfen nicht und die Polen sind unschlüssig, viele trauen sich offensichtlich nicht", so die Einschätzung des Schönartser. Für ihn und die Erntehelfer vom Balkan war es bisher immer ein echtes "win-win-Geschäft". Aufgrund des Mindestlohngesetzes gab es keine Unterschiede in der Bezahlung von in- und ausländischen Arbeitskräfte und die Saisonarbeiter hatten hier zusätzlich Wohnung, Getränke und viele Gegenstände des täglichen Gebrauchs frei.

    Wie seine Kollegen in dieser Branche versucht Schnackig auf einheimische Kräfte auszuweichen. Angesichts geschlossener Universitäten und Kurzarbeit in vielen Betrieben gäbe es da schon durchaus Reserven, meint er. Zumal sich dieser Zusatzverdienst in der Regel nicht negativ auf die anderen Einkünfte auswirkt. Tatsächlich haben sich schon vier Studenten gemeldet.

    Zwei Helfer aus Main-Spessart haben sich schon gemeldet

    Der Bauernverband und die Landwirtschaftsämter sind auch bemüht zu helfen. In Internetportalen wie "Das Land hilft" können sich arbeitswillige Menschen eintragen. Im Landkreis Main-Spessart haben das bis Freitagmorgen zwei getan.

    Neben den Problemen mit den Arbeitskräften steht da noch die Frage nach dem Absatz im Raum. Schnackig zweifelt: "Wir wissen nicht, wie wir die Ware losbekommen!" Durch die Schließung der Gastronomie und den Wegfall der Cateringbetriebe wird wohl gerade in der Anfangsphase die Nachfrage deutlich einbrechen, fürchtet er.

    Der Spargel sprießt bereits, aber durch die Schließung vieler Gastronomiebetriebe fehlen wichtige Abnehmer. Anders als sonst, versucht der Schönartser Spargelbauer das Wachstum nicht zu beschleunigen, sondern zu bremsen.
    Der Spargel sprießt bereits, aber durch die Schließung vieler Gastronomiebetriebe fehlen wichtige Abnehmer. Anders als sonst, versucht der Schönartser Spargelbauer das Wachstum nicht zu beschleunigen, sondern zu bremsen. Foto: Pixabay

    Als erste Maßnahme wollen die Schönartser Spargelbauern zunächst einmal die "Ernte schieben", das heißt das Wachstum durch gezielte Maßnahmen wie entsprechende Abdeckungen mit Planen bis auf die Zeit nach Ostern verlagern. "Ich weiß nicht, ob das klappt, aber ich hoffe die Zeit schafft für uns". Über die Auswirkungen auf die Erdbeerernte macht man sich noch keine konkreten Gedanken, diese bedeuten für die Familien sowieso nur einen Randertrag. Mit dem Ackerbau und der Rindermast hat man hier zum Glück noch ein solides Standbein.

    Beim Obst- und Spargelhof Gold in Karlburg ist eigentlich alles vorbereitet. Jetzt fehlen die Erntehelfer.
    Beim Obst- und Spargelhof Gold in Karlburg ist eigentlich alles vorbereitet. Jetzt fehlen die Erntehelfer. Foto: Günter Roth

    Spargelhof Gold hatte Flugzeug gechartert

    Ähnliche Probleme hat man in Karlburg beim "Obst- und Spargelhof Gold". "Am 4. April sollte ein von uns gechartertes Flugzeug unsere bewährten Erntehelfer aus Rumänien abholen", sagt die Chefin Marion Gold. Durch die aktuelle Entwicklung geht das nicht mehr. Seit vielen Tagen telefonieren sie unentwegt, um Helfer, die schon im Land sind, anzuwerben. Aber das tun mittlerweile alle Betriebe. Auch in Karlburg würde man gerne Studenten, Schüler und Rentner als Aushilfskräfte einstellen. Ob das dann funktioniert, muss sich erweisen.

    Karl-Heinz Schnackig versucht mit gezielter Abdeckung die Spargelernte bis nach Ostern hinauszuschieben.
    Karl-Heinz Schnackig versucht mit gezielter Abdeckung die Spargelernte bis nach Ostern hinauszuschieben. Foto: Günter Roth

    "In einer bis zwei Wochen sollte es eigentlich losgehen und wir wissen nicht, wie wir das meistern werden", sagt Gold und fürchtet: "Wir werden wohl in diesem Jahr nicht alles ernten können". Für den Obst- und Gemüsebetrieb Gold wäre das schon das vierte Problemjahr in Folge nach zwei Jahren extremer Trockenheit und dem massiven Frosteinbruch vor drei Jahren. Bis zur anstehenden Erdbeerernte in vier Wochen wird hoffentlich ein Silberstreif am Horizont zu entdecken sein.

    Jtzt sind Frührentner, Kurzarbeiter und Studenten gefragt

    Andreas Becker ist im Kitzinger Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten im Bereich Gartenbau auch für die Spargelbauer im Landkreis zuständig. In Bezug auf die baldige Rekrutierung von ausländischen Arbeitskräften, kann der den Obst- und Spargelbauern keine Hoffnungen machen. Die gegenwärtigen Regelungen gelten bis mindestens 20. April. Er rät stattdessen verstärkt Einheimische anzuwerben. Aufgrund von gelockerten Regelungen können hier Studenten, Schüler, Arbeitslose oder Kurzarbeiter und sogar Rentner oder Frührenter hinzuverdienen, ohne dabei mit ihren normalen Bezügen, Kurzarbeits- und Arbeitslosengeld oder Hartz IV in Kollision zu kommen, sagt Becker.

    In den Spargelhochburgen Schweinfurt und Kitzingen hat sich auch der Einsatz von Hilfsportalen wie "Das Land hilft" bewährt - einige Betriebe haben auch per Facebook gute Erfolge erzielt. Zur Unterstützung ungelernter Aushilfskräften erarbeitet sein Amt zurzeit ein Lernvideo "Wie steche ich Spargel?", das man dann aufs Handy herunterladen kann.

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