• aktualisiert:

    Arnstein

    Es duften die Blumen und Kräuter

    7, 3 x 3. 33 oder 77 Kräuter können in den Kräuterbüschel verarbeitet werden. Die Zahlensymbolik sollte jedoch eingehalten werden. Foto: Eichinger-Fuchs

    Das Hochfest Mariä Himmelfahrt am 15. August ist der Auftakt zur wichtigsten Kräutersammelzeit des Jahres. Heilpflanzen, die jetzt gesammelt werden, sollen laut Volksmund alle anderen Kräuter an Kraft und Wirkintensität übertreffen. Eine Ausnahme bilden jedoch die Johanniskräuter; die sollen zur Sommersonnenwende gepflückt werden.

    Alljährlich treffen sich am Tag vor Mariä Himmelfahrt die Damen des Katholischen Deutschen Frauenbundes Arnstein/Heugrumbach, um gemeinsam Würzbüschel zu binden. „Das Sammeln der Kräuter ist die aufwändigste Arbeit“, sagen die Damen. Doch sie bekommen auch Unterstützung von Einzelpersonen, die ihre gesammelten Kräuter und Blumen wortlos in bereit gestellte Wassergefäße am Pfarrheim St. Kilian geben.

    Circa 150 Würzbüschel binden die Damen des Katholischen Deutschen Frauenbundes Arnstein/Heugrumbach am Vorabend des Himmelfahrtstages. Foto: Eichinger-Fuchs

    Vor dem Gottesdienst zum Himmelfahrtsfest werden die Kräuterbüschel gesegnet. Fast 150 Stück sind das alljährlich. Gegen eine freiwillige Spende werden die Würzbüschel von den Gottesdienstbesuchern gerne mit nach Hause genommen.

    „Es ist immer noch mit sehr viel Magie verbunden, einen solchen Kräuterbusch zusammenzustellen“, sagen die Frauenbund-Damen. Die geweihten Kräuter sollen gegen alle möglichen Verzauberungen, Feuersbrünste und Krankheiten helfen, aber auch für Eheglück und Kindersegen sorgen.

    Nach der Kräuterweihe werden die Buschen mit nach unten hängenden Blüten getrocknet und danach entweder unter den Dachfirst oder im Herrgottswinkel aufgehängt.

    Die Kräuterfachkundigen erinnern sich, dass früher bei schweren Gewittern Kräuter aus dem getrockneten Blumengebinde im Herdfeuer verbrannt wurden. Am Heiligen Abend wurden Heilkräuter aus dem Würzbüschel fein zerrieben und in das Viehfutter gemischt. Das ganze Jahr über habe man auch Blüten vom Kräuterbusch zum Ausräuchern von Krankenzimmern und Stallungen genommen. In Kombination mit dem Weihrauch seien sie besonders wirkungsvoll gewesen.

    Das Chorgewölbe der Bücholder Pfarrkirche St. Nikolaus und Mariä Himmelfahrt wurde als Vierung ausgeführt und 1622 von dem Maler Wolfgang Ritterlein mit 180 Kräutern, Blumen und und Pflanzen bemalt. Es war das letzte Werk des aus Innsbruck stammenden Künstlers. Er starb noch im gleichen Jahr. Foto: Eichinger-Fuchs

    Mindest sieben Kräuter müssen in jedem Würzbüschel stecken. Es gibt auch die 9er, 12er, 15er und 33er-Buschen. Die Zahl „9“ steht für 3 x 3 und das vollkommen Himmlische und Heilige. Die Zahl „15“ steht für die Geheimnisse des Rosenkranzes und „33“ für Vollendung, weil sie das Todesalter Christi ist.

    Wer besonders emsig ist, der kann bis zu 77 verschiedene Kräuter in sein Kräutergebinde verarbeiten. Es sollte aber stets eine der vorgeschriebenen magischen – und auch christlichen – Zahlen sein.

    Der Neuner-Büschel kann sich aus Johanniskraut, Schafgarbe, Baldrian, Arnika, Königskerze (die muss immer in die Mitte gebunden werden), Kamille, Wermut, Pfefferminze und Tausendgüldenkraut zusammensetzen.

    Im Chorgewölbe der Bücholder Pfarrkirhe St. Nikolaus und Mariä Himmelfahrt sind 180 Kräuter, Früchte und Blumen in 50 Feldern zu finden. Foto: Eichinger-Fuchs

    Der 15er-Buschen besteht aus Fünffingerkraut, Glockenblume, Kümmel, Margerite, Eberwurz, Bibernelle, Wermut, Königskerze, Pfefferminze, Weinraute, Liebstöckel, Teufelsabbiß (Tormentil), Mooskolben, bittersüßer Nachtschatten und Johanniskraut.

    Die Kräuterweihe geht zurück auf Segensgebete, die bereits im zehnten Jahrhundert in einem Pontifikalbuch zu finden sind. In der Renaissance wurden Kirchendecken gerne auch mit Heilkräuterpflanzen ausgemalt. Ein Beispiel dafür ist die Kirche in Büchold. Im dortigen Chorraumgewölbe sind 180 symbolische Pflanzendarstellungen in 50 Feldern zu finden; darunter auch zahlreiche Heilkräuter. Gemalt wurden sich von Wolfgang Ritterlein, einem aus Innsbruck stammenden Maler.  Die Pflanzen sind so naturalistisch dargestellt, dass sie auch heute noch botanisch bestimmbar sind.

    Der Löwenzahl ist beispielsweise die Pflanze, in deren Blüte und Fruchtstand das Leben Christi versinnbildlicht ist. Die gelbe Blüte steht für das Licht, welches die Welt durch Christus erleuchtet.

    Viele Hände schaffen ein schnelles Ende - das gemeinsame Binden der Würzbüschel macht den Frauenbund-Damen sichtlich Freude Foto: Eichinger-Fuchs

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!